Heute hatten wir von echt vielen Dingen echt wenig bis garnix. Es hat sehr gut angefangen: Wir sind bei wolkenlosem Himmel aufgewacht und bis auf ein paar wolkenartigen Dingen am Horizont über den Hügeln haben wir heute auch keine Wolke mehr gesehen. Wir sind heute gleich in der Früh zu der Schleuse gefahren, die wir gestern wegen der Verweigerung der Schleusenwärterin nicht mehr geschafft haben. Dort durften wir gleich mal eine ¼ Stunde warten, denn bevor die Frau 2x schleust, wartet sie lieber seeeehr lange. Also haben wir auf die nächsten zwei Boote gewartet (in der Zeit wären wir schon bei der nächsten Schleuse gewesen) und mußten feststellen, daß die einen die mittelmäßigen von gestern waren und die anderen garnicht fahren konnten. Na bravo.

Irgendwann haben wir auch die Schleuse zu dritt geschafft, kamen zur nächsten Schleuse, wo das dritte Boot exakt quer vor der Einfahrt stand (Zitat junger und cooler Schleusenwärter: UUUUU OOOOO). Und das beste an der dritten Schleuse (wo der Schleusenwärter auch das Lachen nur sehr schwer unterdrücken konnte) war, daß es die letzte Schleuse des Tages war. Ja, richtig, über 55km keine Schleuse! Nicht das ich etwas gegen Schleusen habe, aber Schleusen mit den zwei anderen Booten?!?

Die Strecke sieht aber leider nicht so wie in meiner Erinnerung (2001) aus. Sie hat super Aussichten, aber nur wenig Schatten. Das liegt daran, daß am Canal du Midi das große Platanensterben eingesetzt hat. Wir haben schon in manchen oberen Teilen gesehen, daß sie nachpflanzen. Hier gibt es praktisch keine Platanen mehr. Das liegt an einem Pilzbefall, der sich über die Wurzeln weiterverbreitet und mit keinem Mittel gebremst werden kann. Es hilft nur völlig abholzen und andere Sorten neu pflanzen. Deswegen war der Welterbestatus des Canal du Midi gefährdet. Die UNESCO konnte jedoch befriedet werden, da eine völlige Neubepflanzung versprochen wurde. Na mal sehen, wann aus den Setzlingen wieder stattliche Bäume geworden sind.

Nach einiger Zeit des Verfolgtwerdens haben wir in einem Dorf angelegt, um Baguettes zu kaufen. Laut Karte sollte es einen kleinen Markt geben und laut Google sollte er offen haben. Ich bin mit dem Roller ausgerückt, während Astrid den Bootsstillstand genutzt hat, ihre Drohne neu zu kalibrieren. Die gute Nachricht: das Geschäft existiert (im Gegensatz zur letzten Google-Fehlleistung). Die schlechte Nachricht: Es ist wirklich sehr verrimmelt und verrammelt.

Also an dem Tag kein Baguette. Wir sind natürlich nicht verhungert, wir hatten Mittagssnacks (Champignon/Schinken Tarts und Quiche Lorraine) zum Aufbacken im Kühlschrank. Frankreich ist absolut kein Land zum Verhungern.
Ohne Bäume kann jedoch der Wind so richtig pfeifen, sodaß die neue Lenkherausforderung um so spannender wurde: Enge alte Brückendurchfahrten. Die meisten davon sind auch noch mitten in den Dörfern, wo man sich eh schon durch die angelegten Boote quält.

Trotz des zum Teil sturmböhigen Windes habe ich heute noch keine Wandberührung gehabt. Aus der Fahrersicht schaut die Übung auch nicht besser aus. Man würde fast daran zweifeln, daß die Boote da durch passen. Zur Abwechslung kann man auch noch über kleine Brücken selbst drüberfahren.

Sehr nett sind die Abschnitte, wo sie am Rand Pinien gesetzt haben. Sie sehen toll aus und riechen auch noch gigantisch gut. Ich glaube ich muß mir Pinien für meinen Garten kaufen.

Den Rest des Tages sind wir quasi alleine gefahren, nur sehr selten kam uns ein Boot entgegen. Sehr entspannend.

Es ist kein Wunder, daß Südfrankreich das Land des Weines ist. Man sieht praktisch nichts anderes angepflanzt. Wein bis zum Horizont. Und da jetzt bald Ernte ist, sollte man die Trauben wohl mal kosten…

Eines der bauwerklichen Höhepunkte ist der Tunnel von Malpas. Das ist jetzt kein riesig langer Tunnel (da gibt es deutlich längere), aber mal ein Erlebnis mit einem Boot durchzufahren.

Ohne Schleusen ist man doch überraschend flott. Wir haben heute damit fast die doppelte Distanz geschafft und an der Stelle, wo ich geglaubt habe wir machen die zweite Wende, war unser heutiges Tagesziel: Beziér und die große Schleusentreppe. Die hätten wir heute eigentlich auch noch bis 19 Uhr geschafft, nur die Treppe hat ein anderes Timing. 2x am Tag schleusen sie bergauf und 2x bergab. Den Nachmittagstermin zum Bergabschleusen haben wir natürlich verpaßt. Also machen wir das morgen.
Damit sind wir die letzten Meter des eigentlich immer enger werdenden Kanals bis zur Schleusentreppe gefahren, haben gesehen, daß die Angaben immer noch stimmen und sind einige Hundert Meter zurückgefahren, damit wir eine ruhige Nacht entlang eines Weinfeldes (ein Schelm der sich etwas Böses dabei denkt) genießen konnten.

Morgen kommt also die Schleusentreppe, die lange Brücke von Beziér und die Fahrt Richtung Meer. Dann überlegen wir, ob wir zur Sicherheit wieder umkehren sollen, da wir am Sonntag Abend den Schleusenabschnitt unseres Ausgangshafens erreicht haben müssen. Montag ist Rückgabe VOR der Öffnungszeit der Schleusen.