Durch die Wildnis Louisianas und Laura Plantation

Natürlich wollte mein TomTom maximal lange auf der Interstate fahren, aber wir konnten ihn gerade noch dazu überreden, minimal lange auf Interstates zu verbringen. So ging sich die Laura Plantation bei bestem Wetter trotzdem gut aus.

Von unserem wilden Platz im Wald ging es über Highways nach Louisiana (zurück) wo wir gleich den großen Unterschied zwischen Texas und Louisiana festgestellt haben: Wo man gerade noch 75mi/h fahren durfte, waren es nur mehr 55mi/h. Echt öde.

Lustiger sind die Dörfernamen wo man durchfährt. Z.B. Kinder. Und damit man sich nicht wundert warum das Dorf so heißt, gibt es auch Erklärungen dafür.

Erst nach langem Fahren durch kleine Dörfer, wo TomTom auch noch nach Abkürzungen suchte (!), ging es kurz vor Baton Rouge auf die Interstate, und nach ein paar Meilen zurück auf Highways zu der Straße der Plantagen. Davor ist eine der mutig hohen Brücken über den Mississippi.

Letztes Jahr haben wir die Oak Alley Plantage besucht, weil sie so gar arg berühmt ist. Wegen der Eichenallee (man glaubt es bei dem Namen kaum). Dieses mal sollte es zu einer anderen Plantage gehen: Laura Plantation. Schon am Parkplatz wird man von Pflanzen fast gefressen und selbst das Klo ist echt hübsch.

Das Haupthaus ist nicht ganz so imposant wie das von Oak Alley, aber es macht auf jeden Fall etwas her.

Trotzdem haben wir es bei dem Haus eigentlich mit einem Fertigteilhaus zu tun. Es wurden nur gemauerte Fundamente verwendet, damit es besser gekühlt werden kann und bei Überflutungen wassersicherer ist. In Afrika wurde das Haus aus Zedern in französischem Stil hergestellt, durchnummeriert und nach Louisiana gekarrt. Da brauchte es nur mehr aufgebaut werden. Ganz ohne Nägel, nur mit Holz und Pflöcken.

Die Geschichte hat mit einem Franzosen begonnen, der den Amerikanern im Krieg gedient hat und daher um ein Stück Land bat, das ihm auch im noch neuen Lousiana genehmigt wurde. Er heiratete und starb 3 Jahre nach dem Hausbau, sodaß seine Frau alles erbte.

Zusammen hatten sie drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Die Söhne unterstützten die Mutter bei der Führung der Plantage, die Zuckerrohr anbaute und Zucker auch auf der Plantage herstellte. Aber wie es mit den armen Männern so ist, die beiden Söhne starben (und hatten keine offiziellen Kinder, weil sie lieber Spaß mit Sklavinnen hatten) und die Plantage fiel wieder auf die einzige Tochter. Die wollte eigentlich viel lieber mit einem Franzosen in Frankreich leben (das schon gekaufte Chateau in Frankreich hinten am Bild), aber da ihre Mutter sie zur Führung der Plantage brauchte, kam sie nie dazu.

Der Blick vom Haus ist nicht so toll wie in Oak Alley, aber hat auf jeden Fall etwas. Vorallem wenn man bedenkt, daß der Damm damals noch nicht da war.

Da das Haus für viele Leute ein Heim war, waren außer dem Eßzimmer alles Schlafzimmer. Jeder hatte natürlich seinen persönlichen Sklaven, sodaß es in dem Haus sicher wuselte.

Das Haus hat alle Stürme und Hochwasser ausgehalten. Nur im Jahr 2004 kam es zu einem Schaden in einem Computer und 80% des Hauses brannten nieder. Die Wiederherstellung dauerte zwei Jahre, wobei der Küchenblock im hinteren Teil des Hauses nicht mehr hergestellt wurde.

Die Familiengeschichte ist sehr kompliziert und es wäre wohl auch nicht so gar arg spannend die hier zu wiederholen, aber zu den wichtigen Dingen. Im Prinzip haben immer die Frauen überlebt und die ganze Plantage alleine geerbt. Nur einmal gab es Streit zwischen Geschwistern, denn die eine wollte verkaufen, der Bruder nicht. So wurde das Land halbiert. Sie waren so sauer aufeinander, daß der Plantagenteil die Zuckermühle am zweiten Teil nicht verwenden durfte.

Warum heißt die Plantage Laura? Die letzte Besitzerin war als Mädchen für die Werbekampagne der Zuckermarke verwendet worden. Und die hieß Laura. Gleichzeitig war es aber auch Laura, die die Plantage verkauft hat (zu einem Fünftel des Wertes, Hauptsache weg), weil sie mit der Sklavenhaltung und den Nachwirkungen nicht mehr leben wollte und viel lieber mit ihrem Liebhaber und späteren Mann in St. Louis lebte. Die Familiengeschichte ist deswegen so gut bekannt, weil Laura ihre Memoiren geschrieben hat und die 2000 veröffentlicht wurden. Hier geht es auch sehr viel um Sklaven und ihre Geschichte.

Hinter dem Haus wurden Bananenstauden angepflanzt, aber vorwiegend als Schattenspender. Diesen Jänner gab es zwei kalte Tage und die Bananen haben es nicht so geschätzt. Sollen die Bananen doch mal in Österreich leben… Devil

Zu den Sklaven. Anfangs waren es überlieferte 17 Sklaven auf der Plantage. Das weiß man, weil es in einer Aufstellung zu einem Erbe aufgezeichnet wurde.

Bis zum Ende der Sklavenhaltung waren es geschätzte 250 Sklaven, die dort geschuftet haben. Arbeitssklaven lebten in eigenen Hütten (zwei Familien pro Hütte) und davon gab es immerhin 69 auf der Plantage.

Nach dem Bürgerkrieg, der die Sklaverei verbot, änderte sich nicht so gar arg viel. Denn es wurde bestimmt, daß Sklaven jetzt frei sind, aber wo findet man als Ex-Sklave einen Job? Z.B. auf der Plantage, wo er schon vorher gearbeitet hat. Wenn man als Sklave Schmied oder Handwerker war, konnte man in die Stadt ziehen, aber als Zuckerrohrschneider blieb wohl nur die Plantage. Selbst ‘Obersklaven’, die die Zuckerherstellung überwachten, konnten wohl nur auf einer Plantage Zucker herstellen.

Daher wurden Sklaven nun dort bezahlt. Mit Tokens, die sie aber auch für Essen und Wohnung wieder zurückzahlen mußten. Zu Weihnachten stellte sich dann heraus, ob man Tokens gespart oder geborgt hatte. Da konnte man sich (einmal jährlich) die Tokens in echtes Geld umwandeln lassen. Trotzdem war es für Mitarbeiter schwer aus der Plantage rauszukommen, denn Familien mußten ihre alten Leute ja auch erhalten. Diese konnten aber nicht mehr arbeiten. So wundert es nicht sehr, daß die letzten 4 Familien bis in die 1970er Jahre noch dort lebten.

Nach der Plantage ging es noch eine knappe Stunde in die Stadt New Orleans, wo wir auf einem wunderbaren Campingplatz übernachten konnten. Trotz Stadt Sternenhimmel.

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