New Orleans, oder nola wie sie hier alle als Kürzel verwenden war ein knappes Jahr nach unserem letzten Besuch wieder einen ganzen Tag unser Besuchsziel.
Angefangen haben wir mit einem Friedhof. In nola muß man sich unbedingt einen Friedhof ansehen, so heißt es zumindest. Das ist hier so schlimm geworden, daß auf nahezu allen Friedhöfen das Betreten nur mehr in geführten Gruppen möglich ist, um die Trauernden nicht zu stören. Die Führungen sind natürlich mit mindestens 20$ zu bezahlen. Eine Ausnahme gibt es: St. Louis #3. Und dahin sind wir gefahren. Man könnte zu einem Grab fahren, haben wir aber natürlich nicht, also haben wir gratis auf der Straße geparkt. Gleich neben der Kirche des Friedhofes.

Hier in nola ist es für viele wichtig, über der Erde ‘begraben’ zu sein. Daher sehen die Friedhöfe ganz anders aus als bei uns, denn es muß ja genug Platz sein, um über der Erde ‘endgelagert’ zu werden.

Im besten Fall hat eine Familie so ein ‘Häuschen’, im weniger guten Fall muß man eine größere ‘storage unit’ nehmen. In St. Louis #3 sind nur die eher einfachen Bauwerke zu sehen, bei den anderen Friedhöfen mit Führungen sieht man angeblich die Gräber der Berühmtheiten und da ist auch genug Geld im Spiel.

Weiter ging es mit dem Auto zu einer St. Charles Streetcar Line Haltestelle. Dort kann man ebenfalls gratis parken und das Tagesticket für alle Streetcars kostet gerade mal 3$. Zum Vergleich ein overnight Parkplatz in der Nähe des French Quartes geht auf 42$ (+Tax), nur early birds in einer Garage (kommen vor 9am und gehen vor 6pm) ist um fast günstige 10$ zu haben. Immer noch teurer als zwei Tageskarten.
Diese Linie war die erste elektrische Straßenbahn in nola (1893, davor seit 1835 als Dampfbahn) und eigentlich auch die letzte. Dazwischen waren es bis zu 28 Linien, die aber wieder eingestellt wurden. Inzwischen sind es wieder 5 Linien.

Dafür fährt man in schöner Gegend auch durch den Garden District und kann, so man einen Fensterplatz hat, hübsche Fotos direkt aus dem Streetcar machen.

An dem Tag war echt viel mehr los als noch vor einem Jahr. Das Streetcar war vor dem Ziel beim French Quarter brechend voll. Es war daher ein ‘endlich’ als wir ausgestiegen sind. Obwohl wir Sitzplätze hatten.

Die Bourbon Street, die uns letztes mal geschockt hatte, ist besser. Es stinkt zwar immer noch, als wären dort erst vor sehr kurzem Leute verstorben, aber es sind mehr Leute dort und man wird nicht schief angequasselt. Hustler hat aber dennoch jede Menge an Gebäuden gekauft, sodaß man zuerst an seinem Toys und Sex Shop vorbeikommt, kurz darauf an Hustlers Bar mit tiefen Einblicken und danach am ‘girls barely legal’ Club. Lustiger weise findet sich keines der Unternehmen auf der Google Map, die auch meinen Spaziergang aufgezeichnet hat (vergebt meinem kleinen Tracker, daß er da so manchen Abschweifer erfunden hat, er war in meiner linken Hosentasche und hatte nicht den besten Blick auf den Himmel). Sehr wohl findet Google aber in der Suche diese Unternehmen… Na jedenfalls gleich mittendrinn gibt es auch ein Hardrock Cafe.

Und natürlich noch ein paar hübsche Häuser.

Trotzdem gefällt uns die Royal Street, die parallel verläuft, deutlich besser. Dort findet man auch Straßenmusikanten und der Geruch ist nicht tödlich.

Letztes mal war die St. Louis Cathedral geschlossen, aber dieses mal konnten wir sie in aller Pracht bewundern. Wer Zeit hat, kann auch eine GRATIS Führung in der Kirche mitmachen.

So groß war unser Interesse nun doch wieder nicht, aber z.B. die Glasfenster sind schon sehr hübsch.

Draußen vor den Kirchentoren am Jackson Square ist endlich wieder viel los. Nicht nur Touristen, auch Künstler und Musiker sind in großer Zahl da. Es geht ganz deutlich und steil mit der Stadt bergauf. Viele Geschäfte posten auch Jobsuchen in ihren Auslagen…

Vor der Kirche gibt es noch eine Erinnerung an Katrina. Ein Boot liegt recht Fehl am Platz rum, erst die Hinweisschilder machen klar, warum es da so rumliegt. Der Besitzer des Bootes hat das Boot extra in einen sicheren Hafen gebracht, denn es war neu und der Hurrikan sollte dem armen Boot nichts antun. Trotzdem riß es sich los und wurde bei einem überfluteten Spital angeschwemmt. Ein dortiger Arzt verwendete es, um Patienten in Sicherheit zu bringen. Dann übernahmen lokale Leute das Boot (darunter auch Jean Penn) und retteten insgesamt über 400 Menschen. Viele Boote gingen bei den Rettungsaktionen schnell kaputt, da sehr viel Zeugs (darunter auch Autos) im Wasser waren. Dieses aber überlebte 2 Wochen Dauereinsatz und ist nun eines der Denkmäler der Rettungsaktion.

Uns wurde letztes mal auch von mehreren Leuten gesagt, wir müßten unbedingt im Café Du Monde die ‘französischen Krapfen’ probieren. Nur damals war dort so viel los, daß wir die Warteschlange nicht durchgestanden hätten. Dieses Jahr kamen wir hin und bekamen fast sofort einen Tisch im Freien. Kurz nach unserer Ankunft war die Schlange wieder sehr lange. Glück gehabt. Man sollte nur nicht auf die Idee kommen, daß es dort ein ‘please wait to be seated’ gibt. Es steht nur dort, daß es keine Selbstbedienung gibt, den Tisch muß man schon selbst ergattern.
Weniger Glück hatten wir mit unserer Serviererin, die selbst in Österreich als unfreundlicher Muffelkellner aufgefallen wäre. Na dann halt kein Trinkgeld. Dafür sind 4 der Minikrapfen mit $2.73 (+Tax) fast günstig.

Auf dem Weg zum French Market gibt es noch ein paar Shops, wo man Souvenirs relativ günstig bekommen kann. Wer mag, kann sich dort Meerjungmänner kaufen. ![]()

Der vordere Teil des French Markets ist eine Freßmeile, wo man alles, was ich als Ungeziefer einstufe, kaufen kann. Da bin ich nur durchgegangen.

Im hinteren Bereich bekommt man Waren aus aller Welt. Die T-Shirts hätten mir ja gefallen, aber die Stickereien waren so mies gemacht, daß der Vorderteil auch als schußsichere Jacke hätte dienen können. Und was sie da in den ungewöhnlichen Herstellerländern für Farben verwendet haben, wollte ich nicht wissen.

Zur Erholung von den Menschenmassen ging es an den Fluß, wo die großen Schiffe vorbeiziehen.

Vom Damm hat man eine gute Aussicht auf die St. Louis Cathedral. Gleich davor parken die Pferdekutschen in allen bunten Farben und versuchen Touristen anzulocken.

Die gekachelten Straßenschilder werden immer noch gepflegt, wenn auch nun mit Werbebotschaften der Unterstützer.

Noch einmal am Jackson Square mit seinen Künstlern vorbei…

… zu unserem im letzten Jahr gefundenen Cafe. Weil wir zu einer harmloseren Zeit dort waren, konnten wir sogar einen Fensterplatz ergattern. Ich konnte nicht anders als noch einmal Gumbolaya zu nehmen, ich konnte aber Astrid zu Creole Chicken überreden. Das werden wir mal zuhause versuchen nachzukochen.

Als Nachspeise hatte ich noch ein kleines Gumbo, Astrid konnte nicht von den französischen Krapfen lassen, die dort als ‘Fries’ mit Bananen serviert werden.

Da nola ja französisch ist und nix mit den USA zu tun hat, gibt es dort natürlich keine Restrooms sondern Toilets.

Über die Royal Street ging es zurück zum Streetcar, wir waren an dem Tag schon fleissig und wollten nicht bis zur Dunkelheit in nola bleiben.

Ein kleiner Einkauf beim örtlichen Walmart und ein Auszucker meines TomToms (er hat uns kurz vor dem Campingplatz von der Straße geholt und einen Block später wieder zurückgeschickt) später waren wir am Campingplatz und konnten den Abend unter Sternen genießen.
Am nächsten Tag war Pensacola das Ziel.