Eine Tagesrunde mit viel Abwechslung war an diesem Tag dran. Beginnend mit einem NM über eine Touristenstadt, eine ehemalige Goldmine, einem angeblich supertollen historischen Stadtkern und zum Schluß noch einmal der Garden of the Gods. So viel paßt in einen Tag hinein:
Laut Karte liegt das Florissant Fossil Beds NM gleich neben Woodland Park. Also mal schnell vorbeigefahren. Auf der Straße gefahren dauert es dann schon ein wenig länger und wenn wie immer keinerlei Schilder auf das Ziel hinweisen, dann wird man unruhig. Aber ganz nach dem Colorado-Schema, wenn nichts anderes behauptet wird einfach weiterfahren kommt man dann doch zum NM. Die positive Überraschung war, daß ich den Weg nicht zurückfahren mußte, denn das zweite Ziel Cripple Creek konnte man auch von dort erreichen. So fährt man gleich eine hübsche Runde.
Das NM beschäftigt sich, wie schon der Name sagt, mit Fossilien. Jetzt sieht man dort keine Tiere in Gips oder so, man sieht vorwiegend versteinerte Bäume. Die sind aber nicht wie im petrified forrest Steinstücke, die hübsch glänzen und in kleineren oder größeren Stücken in einer Wüste liegen, sondern, sie sehen auch aus wie Baumstümpfe. Und die stehen in der Wiese. Leider stehen da heute nicht mehr so viele wie früher, denn der Sammler Mensch hat wieder zugeschlagen. In den frühen Tagen, wo gerade die Eisenbahn dorthin gebaut wurde, sind eigene Touristenfahrten angeboten worden, wo sich jeder soviel mitnehmen konnte wie er zu tragen vermochte.
Das könnte auch ein Grund sein, warum man heute vorwiegend größere Stämme sieht. Die haben sie nicht wegbekommen. Heute werden die schönsten Stücke überdacht und zum Teil mit Stahlbändern gestützt. Bei kräftiger Sonne ist das recht ungut zu fotographieren:
Ganz stolz sind sie auf den einzigen 3er Stamm in den ganzen USA:
Gleich daneben ein 2er:
Wie man sieht zerbröseln die guten Stücke ziemlich. Das liegt daran, daß sie früher eingebuddelt waren und die neugierigen Menschen sie schön ausgeschaufelt haben. In diesem Fall war es übrigens Vulkanasche, die Redwoods zugeschüttet und so versteinert hat. Dieses Monster braucht schon ein paar Bänder:
Auf einigen Wanderwegen sieht man noch andere Stümpfe in mehr oder weniger gutem Zustand. Das Wetter war zu schön, um nicht auch ein wenig zwischen den Bäumen zu schlendern. Trotz der aktuellen Wärme färbten sich schon ein paar Bäume gelb:
Der große Stumpf (was für ein kreativer Name) ist sicher nur wegen seiner Größe erhalten geblieben. Noch heute sieht man die abgebrochenen Sägen, mit denen Leute versucht haben den riesen Strunk in transportable Stücke zu teilen:
Der Weg geht noch an einigen kleineren Stümpfen vorbei und ist jedem wirklich zu empfehlen. Ich habe ein paar nette Blumen gefunden:
Zu diesem NM gehört auch das historische Anwesen einer gewissen Frau Hornbek. Sie war wohl eine sehr resolute Frau, die die Frauenrechte damals in Anspruch nahm. 1870 konnte eine Frau nicht wählen und sie durfte auch keine anderen Rechte wie Grundbesitz oder Schürfrechte wahrnehmen. Diese Frau Hornbek kam mit einem ihrer Männer nach Colorado. Da ihr zweiter Mann auch verstarb (und sie für ihre 4 Kinder sorgen mußte), hat sie sich auf den Homestead Act von 1862 berufen und hat ein Grundstück geclaimed. Diesem Act folgend, kann jeder ein Grundstück für sich beanspruchen der:
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Ein guter Bürger der USA ist oder verspricht einer zu werden
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Der ein Haus mit mindestens 12×12 ft Fläche, einem Fenster und einer Türe baut (ganz nebenbei, wie baut man ein Haus ohne Türe?)
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Sein Grundstück absteckt und es 5 Jahre bewirtschaftet
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$14 für die Registrierung zahlt
Sie hat das alles ohne Mann geschafft. Zudem hat sie auch noch im Dorf-Kaufhaus gearbeitet. Als sie alt war, war sie eine der angesehendsten Bürger der Stadt und hat alleine Vieh im Wert von $4000 besessen. Wenn man ihr Portrait ansieht, haben entweder die Frauen sehr anders ausgesehen als heute, oder sie war ein verkappter Mann:
Und das ist ihr Haus. Die Nebengebäude haben sie nur zur Illustration daneben gestellt, die sind von anderen alten Bauten. Auf der Rückseite des Hauses ist ganz nebenbei ein Aufruf zur Hilfe bei der Suche nach Dieben aufgehängt: Vor kurzem haben sie dort alle Wagenräder des Chuckwagens geklaut. Wie gut, daß die Trümmer nicht in mein Auto passen, sonst würden gleich wieder die Spekulationen los gehen. 🙂
Weiter ging es auf einem kleinen Highway hinauf nach Cripple Creek. Überall sind schon gelbe Bäume zu sehen. Ist auch kein Wunder, es geht auf über 10000ft hinauf. Oben ist auch ein KOA zu finden, angeblich der höchste der Campingplatzkette:
Cripple Creek war eines der bekanntesten Goldgräberstädtchen Colorados. Mine lag an Mine und das Geschäft ging gut. Langsam wurden die Goldvorräte jedoch weniger und damit drohte dem Städtchen wie vielen anderen das Geisterstadtschicksal. In einer Urabstimmung wurde ein Rettungsplan befürwortet: 1991 erhielt die Stadt das Recht auf Glücksspiel. Seit dem ist dort wieder die Hölle los. Kein nettes Städtchen mehr sondern eine Touristenattraktion aber vielleicht besser als zerfallen und tot.
Die alte Schmalspureisenbahn wurde revitalisiert und kann nun von Touristen gestürmt werden:
Das historische Stadtzentrum wurde komplett renoviert. Jetzt sind dort eben Casinos und Hotels untergebracht, die Fassaden sind aber erhalten worden:
Wenn man schon in einer bekannten Goldgräberstadt ist, dann muß man sich auch so eine Mine ansehen. Habe ich getan. Ich habe die Mollie Kathleen Mine besucht. Auch hier finden wir eine starke Frau. Mollie Kathleen Gortner ist in der Gegend rumgelaufen, war müde und setzte sich auf einen Hügel. Dort fand sie Gold. Also wollte sie sich die Schürfrechte für das Gebiet sichern. Auch sie mußte feststellen, daß man zu den damaligen Zeiten als Frau nicht viel Rechte hatte. Sie wurde abgewiesen, denn gerade eine Mine ging schon gleich garnicht; Frauen bringen Bergmännern Unglück. Nur hatte sie einen Ehemann, der war Rechtsanwalt. Der hat sich das angesehen ist mit Ihr zum Claimoffice gegangen und hat den Leuten dort erklärt, daß nirgends geschrieben steht, daß eine Frau keine Schürfrechte bekommt. Also hat sie sie bekommen.
Und los ging es mit dem Graben. Sie hat sich voll reingehängt, hat sich Leute geholt, die was von Minen verstanden, hat auf moderne Technik gesetzt und konnte so eine der größten Minen erschaffen.
An der Oberfläche sieht man ein paar alte Geräte und diese ore bin, die wohl nicht mehr so viel aushält wie sie sollte:
Das besondere an dieser Mine ist, sie hat nur einen vertikalen Schacht zum Rein- und Rauskommen. Das ist auch bis heute so geblieben. Die Touristen fahren immer noch in einem aufzugsartigen Korb 1000ft nach unten:
Unsere Gruppe war sehr klein: nur 6 Personen waren dabei. Das hatte einige Vorteile, denn der Guide konnte so einiges leichter und ausführlicher erklären. Der Nachteil für ihn war aber auch klar: Er lebt vorwiegend vom Trinkgeld und 6 Personen werden nicht so viel bringen. Er war aber echt gut.
Im ersten Schaubereich sind gleich zwei Dinge zu sehen: Die schon sehr moderne Version des Zweimannvortriebes und den Schienenbieger. Ganz am Anfang war ein Mann, sein Meisel und ein Hammer. Das ging ziemlich langsam. Dann kamen wir schon zu dieser Version: Ein Mann hält den Riesenmeißel, der andere donnert mit dem Vorschlaghammer drauf. So wurden Gänge mit mehr als 1m pro Tag vorangetrieben.
Die Schienen für die Wägelchen (die man ja aus diversen Filmen kennt) mußten auch irgendwie verlegt werden. Die Dinger kamen als gerade Stücke nach unten und wurden dort per Hand (und dem Gerät) passend gebogen.
Nicht zu vergessen ist, mit welcher Beleuchtung das ganze stattgefunden hat. Pro Team und Schicht wurden 3 Kerzen ausgegeben. Da man mit so wenig Licht ohnehin fast immer in kompletter Dunkelheit gearbeitet hat, wurde noch mehr gespart, damit man eine Kerze nach Hause nehmen konnte. Da wird es dann schon spannend, mit einem Riesenhammer rumzufuchteln:
Später kamen Carbitlampen und die ersten mechanischen Unterstützungen. Wegen der Belüftung kann man dort unten eigentlich nur Preßluft verwenden; Abgase kommen nicht so gut an. Im folgenden Bild sehen wir einen Preßluftbagger, der seine Schaufel über sich selbst hinweg in den Wagen befördert. Das nette an der Mine ist, daß alle Geräte live vorgeführt werden. Man ist das laut!
Ein echtes Problem stellte die Art der Führung des Erzes dar. Gold kommt dort deswegen so häufig vor, weil die Gegend vor sehr langer Zeit vulkanisch aktiv war. Magma schoß nach oben und da war Gold drinnen. Daher sind aber sehr viele Erzlinien senkrecht. Ganz schlecht zum Abbauen. Man mußte so eine Ader verfolgen und wenn es senkrecht nach oben war. Also hievte man alles Zeug dauernd rauf und runter. Die Arbeiter standen auf wackligen Brettern und haben mit riesigen Preßluftbohrern nach oben gebohrt. Bei diesen Bohrern gab es viele Entwicklungsstufen, aber desto kräftiger die Bohrer wurden, desto mehr Todesopfer gab es. Ein kleines Hängenbleiben des Bohrers und der Arbeiter wurde vom Brett geschubst und war tot. Es hat lange gedauert, bis sie es geschafft haben, einen Panikknopf an die Bohrmaschine zu bauen, damit so eine Maschine nicht tabularasa spielt. Aber ganz ehrlich, wer will dort oben auf einem Brett arbeiten?
Schon die 12jährigen konnten in einer Mine anfangen. Sie waren Handlanger der Arbeiter, reinigten Klos, Schaufelten den Dreck der Esel weg (die zum Wagenziehen verwendet wurden), reichten Sachen zu. Kein so toller Job.
In dieser Mine kam es auch zu technischen Entwicklungen. So wurde hier eine pressluftbetriebene Lok erfunden. Es brauchte 5 Generationen, bis sie in der Praxis verwendbar war. Heute werden dort die Versionen 1, 3 und 5 vorgeführt, 2 und 4 sind verschollen. Von V5 wurden 150 Stück hergestellt. Ein großer Erfolg. Nur leider kam es nicht zum wirtschaftlichen Durchbruch. Jemand anderer hat sich das Ding patentieren lassen und hat die ‘echte Erfindung’ verbieten lassen. Nr 150 läuft aber immer noch und fährt ein Touristenwagerl:
Ein großes Problem mit dem vertikalen Schacht wird auch erklärt: Alles Material muß durch den Schacht rein und rausgebracht werden. D.h. viele Dinge werden in Einzelteilen reingebracht und erst unten zusammengeschraubt. Dafür gab es eigene Werkstattgänge:
Natürlich ging es in Goldminen nicht immer einfach zu. Nachbarminen haben versucht der ‘ahnungslosen Frau’ ihr Gold abzugraben und haben heimlich über die Grenze gegraben. Der Rechtsanwalt-Ehemann hat daraus aber gutes Geschäft gemacht und hat das geschürfte Gold rückerstatten lassen. Es wurden noch viele ‘Kriege’ zwischen den Minen losgetreten, es verbündeten sich Leute, andere blieben auf der Strecke. Hier gäbe es noch viel zu erzählen, da reicht aber der Platz nicht aus.
Den Abschluß der Führung macht man in einer verschlossenen Kammer, wo einem Gold Silber und andere Erze gezeigt werden. Da wird es dann noch schwerer zu verstehen, wie man einer Goldader folgen konnte. Das sieht nämlich garnicht nach Gold aus. Ist nur ein etwas dunkleres Gestein. Nach dem Sprengen (auch das war eine Wissenschaft, wie man da welche Löcher bohrt, wie man die in der Reihenfolge zündet, …) sieht man das noch schlechter. Ich bin jedenfalls auch reich geworden, denn mir wurde ein Stück goldhaltiges Gestein geschenkt.
BTW, sehen ob es Gold ist: Eine andere Mine hat eine noch seltsamere Gründungsgeschichte: Ein Typ rannte jahrelang herum und suchte Gold. Er schaufelte Gestein von links nach rechts und fand nichts. Bis ein Freund ihm sagte, er soll das Geröll selbst untersuchen lassen und siehe da, das Geröll war sehr goldhaltig. 🙂
Nach all der Minenluft, ging es zum Entspannen noch einmal in den Garden of the Gods. Nicht ein Wölkchen war zu sehen und die Felsen leuchteten in der Nachmittagssonne:
Warum kann nicht jede Stadt so eine hübsche Freizeitanlage haben?
Nach diesem Tag hieß es Abschied von Colorado nehmen. Das Wetter schien sich gebessert zu haben und es ging auf den großen Sprung nach Osten. Salina war das Ziel.