Hausboot Tag 9 – die südliche Wende

Da es gestern gar so flott dahinging, konnten wir uns noch einen kleinen Umweg in den Süden erlauben. Wir wollten daher heute den Canal Robin erkunden. Zunächst aber sind wir nur kurz nach Capestang gefahren, um Vorräte aufzufüllen. Der Hafenmeister ist ein ganz besonderer Mensch. Zum Anmelden hat Astrid 10 Minuten gewartet, weil er vor ihren Augen den Kaffee austrinken mußte und zum Abmelden hat ihr nach 15 Minuten warten die nette Dame des Tourismusbüros geholfen, weil der Hafenmeister eine rauchen war…

Egal, wir sind mit den Rollern in die Stadt zum Bäcker gedüst. Dabei kommt man an der uralten Kirche (13. Jahrhundert) vorbei, die das Dorfzentrum dominiert; alle Geschäfte und Restaurants sind drumrum gruppiert. Am Weg in die Kirche hatte ich eine Blindensimulation, denn mit der Sonnenbrille in einem fensterlosen Raum sieht man garnix. Ich habe die Eingangstüre zur Kirche also nur ertastet. Mal eine neue Herausforderung.

Überall kamen Menschen in Richtung Kirche und aufgrund der Mädels in hübschen Kleidchen tippen wir auf Erstkommunion. Der Bäcker am Platz hatte einfach zu. Also zum nächsten ein paar Gassen entfernten weiter, Google Maps ist hier eine große Hilfe. Der Bäcker hatte offen, wirklich gutes Baguette und gleich davor befindet sich die alte Pferdetränke.

Um’s Eck hat sich ein Maler ausgetobt und die leere Ecke sehr belebt.

Am Weg zurück zum Boot gab es noch einen Übersichtspunkt über das Dorf.

Das Essen haben wir dann auch noch genossen, bevor es auf den weiteren Weg zurück ging. Die Wolken haben sich dann sehr schnell verzogen, boten aber einen netten Kontrast am Himmel. Der Kanal ist in dem Bereich besonders hübsch, denn er zieht sich als Höhenlinie ohne Schleusen den Hügel entlang. Da nun viele Bäume fehlen, hat man zum Teil einen wunderbaren Ausblick.

Am gegenüberliegenden Arm des Kanals hat man einen schönen Ausblick zurück auf die Kirche.

Man fährt noch ein schönes Stück den Hügel entlang bis es deutlich flacher wird. Dafür tauchen bald Pinien als Wegbegleiter auf.

Die ersten paar hundert Meter des Zweigkanals sind mühsam, weil alle 500 Meter eine Schleuse ist. Die sind vollautomatisch und daher muß einer der Crew die Knöpfe betätigen. Das heißt bei uns, ich bin alleine am Boot.

In Sallelés d’Aude ist der Dorfplatz ein großer Liegeplatz. Sehr hübsch gemacht und morgen wollen wir dort unser Brot kaufen. Heute wollten wir nur durch, waren aber mal wieder die Attraktion in der Schleuse. Da dürfte nicht viel los sein. Das mag daran liegen, daß die automatischen Schleusen scheinbar nicht so gar arg zuverlässig sind. Bereits an der dritten Schleuse mußten wir ein paar Minuten warten, weil uns ein Schiff entgegenkommen wollte. Nur die Schleuse streikte. Zum Glück war gerade der mobile Schleusenwärter dort und ‘rettete’ die Gefangenen. Die haben aber zwei Stunden auf den Typen gewartet. Na hoffentlich gehen die Dinger bei uns.

Danach kommt man mit einer ziemlich hohen Schleuse auf die aufgestaute Aude und gleich dahinter wieder in den Kanal. Zwei Teenager lungerten in der Schleuse rum, einer sprang in das sich entleerende Schleusenbecken (Darvin Award läßt grüßen) und wie wir ihn ignoriert haben, schoß er uns einen Stein hinterher. Astrid unterstützt btw die Idee, man prügle dem Kind Vernunft ein, bevor er sich killed oder einen anderen dazu animiert.

Der Kanal hier unten ist echt kuschlig. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich da zwei große Lastkäne begegnen sollen können. Es war schon eng, wie wir einem anderen Hausboot begegnet sind.

Vor der letzten Schleuse nach Narbonne haben wir unsere südliche Wende durchgeführt, denn wir wollen nicht in der Stadt übernachten und südlich soll man derzeit wegen der vielen Algen nicht fahren. Also haben wir uns einen besonders ruhigen Platz zum Übernachten ausgesucht.

Ich habe wieder gekocht und wir konnten heute ohne Insektenbelästigung bei angenehmem Wind draußen essen.

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