Astrid hatte angst keinen Buc-ees zu bekommen und heute haben wir schon den dritten gefunden. Und dann ging es eigentlich erst los.
Der Tag begann wolkenlos und so bin ich noch schnell herumgelaufen um das eine oder andere Fotos nachzuholen.

Kaum auf der Interstate gingen die Buc-ees Werbungen wieder los und wir fanden heraus, daß es in Georgia noch einen Buc-ees gibt. Also auch dort gehalten, Essen gefaßt und getankt.

Savannah war auch bald erreicht und wir haben uns entschlossen einfach mal was ganz anderes zu machen und wir haben die Wormsloe State Historic Site besucht.
Die Geschichte von Wormsloe beginnt im Jahr 1733, als die britische Kolonie Georgia noch so frisch war, dass man kaum von einer „alteningesessenen Bevölkerung“ sprechen konnte. Einer der ersten Siedler war Noble Jones, ein Handwerker, Arzt, Vermesser, Soldat und offenbar jemand, der niemals langweilig war. Kurzum: die Art von Mensch, die in einer modernen Stellenbeschreibung mindestens fünf Vollzeitjobs gleichzeitig ausfüllen würde.
Der Name „Wormsloe“ stammt nicht aus Georgia, sondern aus England. Noble Jones benannte sein Anwesen nach seiner Heimatregion, dem Wormelow Hundred in der Grafschaft Herefordshire. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus die Schreibweise „Wormsloe“; US Amerikaner und Rechtschreibung.
1736 erhielt Jones Land auf der Isle of Hope südlich von Savannah. Statt dort einfach einen gemütlichen Bauernhof anzulegen, baute er zunächst ein befestigtes Haus. Das war keine Übertreibung, denn die junge Kolonie fürchtete jederzeit einen Angriff der Spanier aus Florida. Wormsloe war also ursprünglich weniger ein idyllisches Landgut als vielmehr eine Mischung aus Bauernhof, Festung und Wachposten.
Die Gefahr einer Invasion blieb aus, und so entwickelte sich Wormsloe Schritt für Schritt zu einer Plantage. Über Generationen hinweg vergrößerten die Nachkommen von Noble Jones den Besitz. Es entstanden Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude, eine Bibliothek und weitere Anlagen. Aber im Gegensatz zu anderen Plantagen ist das Haupthaus immer noch im Privatbesitz und daher nicht zugänglich. Was aber zugänglich ist, ist die angeblich längste erhaltene Eichenallee der Welt mit 1.5mi Länge. Und die ist das eigentliche Hauptstück.

Die berühmte Eichenallee entstand jedoch nicht zusammen mit dem ursprünglichen Wormsloe des 18. Jahrhunderts. Erst spätere Generationen der Familie formten den Zufahrtsweg zu jenem grünen Tunnel aus mächtigen Live Oaks, der heute zu den bekanntesten Fotomotiven Georgias zählt.
Aber zurück an den Start. Nach dem üblichen Zahlstein kann man zu Fuß zur Allee gehen und dort das alte Einfahrtshaus und das Einfahrtstor bewundern.

Man kann nun entweder 1.5mi zu Fuß gehen, oder 10$ pro Rad und 2 Stunden zahlen oder den gratis Traktor-Shuttle nutzen. Wir haben (wenig überraschend) letzteres getan. Das Museum am anderen Ende der Allee verdient den Namen nicht, wir haben den Fußweg zum alten Haus der Jones genommen. Trotz der festungsartigen Bauweise ist nicht gar arg viel erhalten.

Der Blick auf den Fluß ist wenigstens nett.

Damit zurück über den Fußweg zum Traktor-Shuttle …

… und damit wieder am Anfang der Übung. Zusammengefaßt eine wirklich beeindruckende Eichenallee, super spanish moss, das intensiver wird, desto näher man an den Fluß kommt. Sehr nette kurze Spaziergänge, aber eigentlich nichts, was das historic begründen würde.
Weiter ging es zum Ft. Pulaski NM. Wobei sie schon auf der Straße dahin offenbar recht eindeutig festhalten wollen, daß man da lieber nicht überholen sollte.

Da das Fort ein NM ist, hatten wir die Hoffnung, wir können unseren Nationalpark-Paß endlich auch nutzen, aber Pech gehabt: Heute war Gratis-Tag. Nach der Fahrt über die Brücke erreicht man bald den Parkplatz, wo man schon erste Eindrücke des Forts bekommt.

Mitten in den Salzmarschen zwischen Savannah und Tybee Island steht eine der beeindruckendsten Festungen der amerikanischen Ostküste: Fort Pulaski. Die gewaltige Ziegelanlage wurde nach dem Krieg von 1812 errichtet, um den wichtigen Hafen von Savannah vor feindlichen Kriegsschiffen zu schützen. Der Bau begann 1829 und dauerte ganze 18 Jahre. Rund 25 Millionen Ziegelsteine wurden verbaut, und die bis zu elf Fuß dicken Mauern galten als praktisch uneinnehmbar. Selbst der junge Ingenieuroffizier Robert E. Lee, der später als General der Konföderierten berühmt werden sollte, war an den frühen Bauarbeiten beteiligt.
Benannt wurde das Fort nach Casimir Pulaski, einem polnischen Offizier, der im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf Seiten der Amerikaner kämpfte und als Vater der US-Kavallerie gilt.
Man beachte auch, daß die heutige Variante mit den Erdhügeln erst nach dem Bürgerkrieg und dem Niedergang der Festung entstanden ist. Davor war der Platz mit Häusern und Versorgungseinrichtungen. Warum sich das geändert hat, kommt später.

Das Fort war mit Kanonen gespickt und wenn man fragt, wie kamen die auf die Festungsmauern, dann wird es mühsam. Die Soldaten haben ‘einfach’ eine Rampe geschaufelt und haben die Kanonen raufgezogen. Stück für Stück. Dafür haben sie mehrere Hundert Leute gebraucht. Pferde oder Ochsen hatten sie dort keine, weil die auf dem feuchten Boden nicht zu gebrauchen waren.
So lange kein Bürgerkrieg war, war es im Fort ganz ok. Manche Offiziere haben ihre Frauen nachkommen lassen. Die Räume unter der Festung wurden entsprechend ausgebaut.

Das Problem waren aber die Kanonen. Die damaligen Kanonen konnten bis zu einer Meile schießen, dann war Schluß. So kam es zum Bürgerkrieg, die Festung wurde außen belagert. Keiner konnte rein, es konnte aber auch keiner raus. Sie haben daher die Soldaten mit Baseball oder Musikkapellen bei Laune gehalten. Bis ein Mr. James auf die Idee kam, man kann al,te Kanonen mit einem ‘Zug’ versehen. Dann schießen sie nicht runde Kugeln, sondern längliche doppelt so schwere Geschosse. Und das haben die Angreifer genutzt. 10 umgebaute Kanonen und ein paar gleich mit neuer Technik gebaute Kanonen wurden aufgestellt und sie haben die belagerten freundlich gefragt, ob sie nicht einfach aufgeben wollten. Die haben gelacht. Bis die Belagerer aus sicherer Entfernung mit doppelt so schweren Kugeln auf die Mauern geschossen haben. Und binnen 30 Stunden war die Mauer hin und die Pulverkammern quasi offen. Das war es für das Fort.

Die Nordstaatenkämpfer bauten das Fort wieder auf und bauten die Erdhügel. Da drunter waren die Pulverkammern versteckt, weil das weiche Erdreich auch die schweren Geschosse gedämpft hat.

Damit gab es mitten im Südstaatengebiet eine Nordstaaten Festung. Das war für die örtlichen Sklaven das bevorzugte Ziel, weil wenn es ein Sklave dorthin geschafft hat, war er frei. Nordstaaten hatten keine Sklaven.

So wurde das Fort erstens eine Darstellung, wie moderne Technik im Prinzip alle Forts in kürzester Zeit sinnlos werden ließ und wo in der Nachnutzung ein Gebiet extrem für die Geschichte der Sklaven wichtig wurde.

Das Fort ist seit über 100 Jahren unter Denkmalschutz und ist das zweitbeste erhaltene Fort. Eine nette Geschichte hat sich deutlich später zugetragen, wo das einfache Winken aus Langeweile berühmt wurde.
Die historische Person war Florence Martus (1868–1943). Sie lebte mit ihrem Bruder, einem Leuchtturmwärter, auf Elba Island im Savannah River. Von dort aus konnte sie alle Schiffe sehen, die Savannah anliefen oder verließen. Zwischen 1887 und 1931 begrüßte sie vorbeifahrende Schiffe mit einem Taschentuch am Tag und einer Laterne in der Nacht. Nach zeitgenössischen Berichten soll sie das 44 Jahre lang getan haben.
Das Besondere daran: Die Seeleute kannten sie weltweit. Viele Kapitäne hielten Ausschau nach ihr und antworteten mit einem Signalhorn. Irgendwann wurde sie in den Häfen der Welt einfach als die „Waving Girl“ bekannt.
Wir haben uns danach in Richtung SP aufgemacht, wo wir einen Platz gebucht hatten. Auf dem Weg fanden wir noch andere Eichenalleen, die wirklich hübsch sind.

Der SP (Skidaway Island) ist ebenfalls genial bewaldet und wir genossen den Rest des Tages mit Abendessen aus der Ninja.

An dem Abend begann einmal mehr das Platz suchen, denn das Wochenende ist immer überall gut gebucht.