Nach der ruhigen Nacht war das Wetter wie versprochen sonnig und wir waren bereit den angeblich besten Statepark Tennessees zu sehen. Aber das war noch nicht alles an dem Tag.
Nach dem Frühstück ging es los, weil das extrem sonnige Wetter machte mich schon ganz wuselig. Zunächst ging es an den See, wo schon die ersten bunten Bäume zu sehen waren.

Der Statepark ist um diese Jahreszeit ziemlich ausgebucht, weil es das Ziel für das bunte Herbstlaub ist. Und tatsächlich, wenn man die Aussichtsstraße nimmt, wird man zu der Jahreszeit vom bunten Laub erschlagen.

Wir haben uns inzwischen gefragt Fall Creek, Fall wie Wasserfall oder wie Herbst? Was sagt der Werbetext dazu? Mitten auf dem Cumberland Plateau in Tennessee hat sich ein vergleichsweise harmlos klingender Bach vorgenommen, ein bisschen Eindruck zu schinden. Der Fall Creek fließt zunächst durch Wälder und über das Plateau, bis ihm bei der Kante offenbar einfällt, dass es auch einen direkteren Weg nach unten gibt.
Das Ergebnis sind die Fall Creek Falls: Rund 78 Meter stürzt das Wasser hier hinab. Damit gehören sie zu den höchsten Wasserfällen im Osten der USA. Und weil ein Wasserfall offenbar nicht genügte, liegen in der Gegend gleich mehrere davon, darunter Piney Falls, Cane Creek Falls und Cane Creek Cascades.
Der heutige Fall Creek Falls State Park entstand allerdings nicht einfach, weil Tennessee eines Tages feststellte: „Schöner Wasserfall, stellen wir ein Schild davor.“ In den 1930er-Jahren war das Gebiet durch Abholzung, Bodenerosion und ausgelaugte landwirtschaftliche Flächen ziemlich mitgenommen. Im Zuge der Programme des New Deal kaufte die US-Regierung große Flächen auf. Der Civilian Conservation Corps begann, Wege, Straßen und andere Infrastruktur anzulegen und die Landschaft wiederherzustellen. 1944 übernahm Tennessee das Gebiet, aus dem schließlich der State Park wurde.
Heute umfasst der Park rund 30.000 Acres, also etwa 120 km². Das eigentlich Spannende ist dabei nicht nur der berühmte Hauptwasserfall. Schluchten, Bäche, kleinere Kaskaden und dichter Wald machen den Park zu einer ziemlich konzentrierten Ausgabe dessen, was das Cumberland Plateau landschaftlich zu bieten hat.
Und damit waren wir am Wasserfall. Wenn man genau hinschaut. Also heute wäre es für mich echt der Herbst Bach gewesen, nicht der Wasserfall Bach.

Weil ganz ehrlich, das bißl Wasser ist ja eh nett, aber die Bäume rund um die Aussichtswege sind doch wesentlich fetziger, oder?

Von dort geht die Aussichtsstraße als Einbahn dem Abhang entlang, es gibt aber nur wenige echte Halts. Da sieht man wenig runter, aber wieder dieses Laub…

Das ist der echte Platz mit Parkplatz. Wald halt…

Noch ein wenig die Straße entlang…

… und schon ist man beim zweiten großen Wasserfall. Groß… na für die Gegend. Hier rausgezoomed.

Warum gezoomed? Naja, wer hätte in dem Bild gesagt, hey, geiler Wasserfall.

Da ist der steile Weg zum Aussichtspunkt mit den Bäumen wieder echt schöner.

Ganz bekannt ist die Hängebrücke. Da kommt man dem Bach näher, wirklich sehen tut man nix. Und auf der anderen Seite steht man: im Wald.

Damit war es für Astrid zeit den Statepark zu verlassen. Sie hat bei der Fahrt in den Statepark einen Reitstall gesehen und beim Anrufen hat sich gezeigt, die Reitrunde ist wirklich günstig. Die Fall Creek Falls Riding Stables liegen nur etwa 2,5 Meilen vor dem State Park. Von hier führen geführte Ausritte über einen ungefähr 2,5 Meilen langen Waldweg durch die Landschaft des Cumberland Plateau. Das Ganze dauert etwa 45 bis 50 Minuten und ist ausdrücklich auch für Leute gedacht, deren letzte Begegnung mit einem Pferd möglicherweise auf einem Kinderkarussell stattgefunden hat.
Der Stall ist dabei weniger eine touristisch durchgestylte Attraktion als ein ziemlich typisch amerikanischer Country-Betrieb: Ausritte, Pferdepension, ein kleiner Streichelzoo, Barn-Partys und sogar Hochzeiten in der Scheune gehören zum Angebot. Inzwischen gibt es dort außerdem 27 RV-Stellplätze mit Wasser sowie 30- und 50-Amp-Anschlüssen. Aber der einfache Campingplatz ist nichts so ganz günstig. Da ist der SP viel besser. Wenn man einen Platz bekommt.
Astrid wollte aber nur durch den hübschen Wald reiten. Natürlich muß man dort unterschreiben, man könnte auch sterben und ist selbst schuld. Aber sie hat das mit ihrer Erfahrung cool gemeistert.

Auch wenn ich in Utah schon eine deutlich kompliziertere Runde geritten bin, hat es mich viel mehr in den Statepark zurückgezogen, denn solches Laub findet man seeeehr selten. Ich bin also tatsächlich zeitgleich zurück zu den Bäumen. Zunächst die Gegend rund um den ersten Wasserfall.

Der Wasserfall von der anderen Seite und noch mehr Bäume.

Und dann mit der DJI auf der Motorhaube die Aussichtsstraße. Zunächst mit Screenshots…

aber auch mit dem kompletten Video.
Ich habe dann Astrid am Stall abgeholt und wir wollten in Richtung Huntsville auf einen Statepark am See fahren. Aber eigentlich war das Wetter zu schön um nur zu fahren.

Also haben wir mal wieder kurz den Plan geändert und sind noch einmal zu Rock City gefahren. Laut Navi kein Problem. Nur hatte da das Navi den Auszucker seines Lebens. Wir haben Öko-Routen gewählt, damit er nicht auf die Idee kommt, dauernd Interstates mit riesigen Umwegen zu wählen. Also ging es auf normalen Strecken (im Gegensatz zum Rauffahren). Bis es einen Abkürzer durch eine Schlucht machen wollte, wo es eine Längenbeschränkung gibt, die wir um 5ft überschritten haben. Also dort wieder gewendet. Und dann wollte er wirklich keine Interstates und ist mitten durch den Abendstau der Stadt gefahren. Wir kamen auch über die historische Brücke beim Aquarium.

Der Stau war ganz sicher nicht spritsparend und er verbrauchte echt extrem viel Zeit. Wir kamen also wesentlich später in Rock City an als geplant. Das hatte dann aber wieder was Gutes, weil so sahen wir die Halloweenbeleuchtung. Die Tickets bei Rock City kauft man lieber online, denn da sind sie viel billiger. Lustig auch, daß man für die Beleuchtung nicht wie bei Disney extra zahlt, sondern ganz im Gegenteil den billigeren Eintritt für Abendkarten bekommt. Also sind wir bei schon tiefstehender Sonne rein gegangen.
Sie haben seit unserem letzten Besuch viel geändert. Man geht nicht mehr bei den Häusern rein, sondern hinten durch die Veranstaltungsseite und man hat nicht mehr EINEN Rundweg, sondern man hat mehrere Wege, die man beliebig oft gehen kann und die wieder zu den Freßplätzen zurückkehren. Also fangen wir mit dem Eingang an.

Dann schon der erste Rundweg mit Fat Man Squeeze.

Die berühmte Scheune wurde mit dem Gnom als Logo ersetzt. Unten im Tal sieht man aber noch eine Scheune.

Auf dem Weg unterhalb des Gartens hat man gute Aussichten.

Sie haben auch einen riesigen ‘balanced rock’.

Die mystischen Dekorationen wurden ausgeweitet.

Die Fotospots sind für den Pumpkin-Patch dazugekommen.

Schon ging es in den Obergarten.

Damit waren wir an der berühmten Aussicht, wo man 7 Bundesstaaten sehen soll. Man beachte, die Ecke von Rock City liegt in Georgia (da macht der Pfeil schon wenig Sinn).

Eine interessante aktuelle Berechnung von 2026 hat das mit 30-m-Höhendaten, Erdkrümmung und atmosphärischer Refraktion durchgerechnet. Das Ergebnis ist deutlich ernüchternder: Vom eigentlichen Seven-States-Aussichtspunkt lassen sich geometrisch nur drei Staaten plausibel sehen; von anderen Stellen am Lookout Mountain kommt ein vierter dazu. Drei der behaupteten sieben sind aufgrund des Geländes bzw. der Sichtlinie gar nicht möglich. Siehe dazu z.B. Can You Really See Seven States From Lookout Mountain?
Besonders Kentucky, Virginia und South Carolina sind damit keine Frage von „heute ist es halt etwas diesig“. Die versprochenen Sichtlinien funktionieren geometrisch nicht. Genau deshalb hilft auch ein außergewöhnlich klarer Wintertag nicht. Der Mythos ist allerdings alt. Die Behauptung gehört schon seit der Eröffnung von Rock City 1932 zum Erlebnis und wurde später durch die berühmten „See Rock City“-Werbungen auf Scheunen im ganzen Südosten der USA geradezu legendär. Aber wer hat schon einer Werbung getraut?
Damit blieb noch ein weiterer Weg zum Schauen bei Tageslicht.

Wobei da das große unterirdische Märchenland dabei ist, wo das Tageslicht immer ziemlich egal ist. Es haben sich nur ein paar Halloween Gestalten dazugesellt.

Wieder ein Hoch auf die heutigen Mobiltelefone, weil das habe ich schon früher nicht so gut hinbekommen. Und so schießt man die Fotos freihand… Wir sind dann zum Aussichtspunkt geschlendert, haben dort nicht mal so teuer Abendessen gekauft, haben den Campingplatz um die Ecke telephonisch gebucht und haben auf den Sonnenuntergang gewartet. Und dann ging das ganze noch einmal los, aber eben mit voller Beleuchtung.

Bald war auch der letzte Schein von Sonnenlicht weg.

Die Lichtershow sollte man wirklich nicht auslassen. Da wird Rock City zu einem völlig neuen Erlebnis.

Da macht es auch noch mehr Spaß, wenn man zwischendurch wie beim Weihnachtsmarkt an den Freßplätzen vorbeikommt. Kattle corn ist dort der Renner, der aber in Gold aufzuwiegen ist.

Irgendwann haben wir dann doch alles gesehen, mit und ohne künstlichem Nebel und der Tag war ziemlich lange. Also haben wir uns auf den Weg zum nahen Campingplatz gemacht. Das ist mit den miesen Scheinwerfern eine echte Herausforderung, weil zunächst muß man vom Berg runter (schmale Bergstraße) und dann geht es den anderen Berg zum Campingplatz wieder rauf. Und wie man der aufgezeichneten Route entnehmen kann, ist TomTom im Ökomode wieder komplett ausgezuckt und hat uns mit dem RV durch winzige Gassel geschleift. Bis wir dankend abgelehnt haben und auf die normale Straße zurück gefahren sind. Mit unserem Scenic und den Scheinwerfern sicher nett, mit dem RV und zwei Kerzen vorne nicht so gut.
Den Platz am Campingplatz haben wir mit Taschenlampe gefunden und wir sind dann doch bald und wenig überraschend ohne Bericht ins Bett gefallen.