Aus Wettergründen wurde aus der Nordroute eine Tagesrunde, die auf diese Weise sehr gemütlich zu fahren war. Wenn mein lieber TomTom mich nicht zwei mal in die Wüste geschickt hätte (was aber auch den kaum vorhandenen Beschriftungen anzulasten ist, denn da hätte man es ja sehen können, daß die Richtung nicht stimmt), wäre es noch viel einfacher gewesen. Aber einfach ist doch fad, oder?
Zunächst ging es auf der Interstate in den Osten und von da auf einem theoretisch kleinen Highway nach Norden. Nur war der kleine Highway ein Expressway, und sah wie eine Interstate aus. Sollte mir auch recht sein. Beim Endanflug auf das Scottsbluff NM fingen die Probleme an: Mein lieber TomTom hat mich eine kleine Straße den Hügel hinaufgeführt und wollte mich am Ende der Straße (neben einem netten Golfclub) über die Wiese schicken. Der Ausblick auf das NM war aber nicht schlecht:
Also bin ich wieder in die Stadt gefahren und wollte es auf eigene Faust versuchen. Nur weit und breit kein Schild. Offenbar braucht man in Nebraska keine Schilder. Nach einigem hin und her habe ich dann mal auf der Karte auf einen Platz getippt, habe den mit dem TomTom angepeilt und siehe da, mitten im Nichts auf einer kleinen Straße war es tatsächlich.
Mich hat obige Ansicht happy gemacht, aber das war wohl nichts gegen die Begeisterung, die die Leute früher verspürt haben müssen. Scottsbluff war nämlich die Markierung für das erste Drittel des Oregon Trail. Vom Missouri (bis dahin ging ein Schiff) kamen sie mit Planwagen den langen Weg bis hier her. Um eine Flußkurve abzukürzen ging es eine leichte Steigung hinauf über den Sattel aus dem vorigen Bild. Der Trail selbst teilte sich im Westen noch auf (unter anderem in den California Trail), aber die Sorgen hatten die Leute an dem Punkt noch nicht:
Diese Felsen müssen sehr beeindruckend gewesen sein, denn sonst ist die Gegend doch eher flach:
Die Planwagen waren sehr verschieden. Von ein paar Brettern mit Rädern bis zu einem Gefährt, das 5t Ladung schaffte. Gezogen wurden die großen Dinger mit bis zu 14 Ochsen. Die Bilder zeigen immer Karavanen, die quasi bis zum Horizont gingen. Keine Ahnung ob das realistisch war. Im NM sind jedenfalls ein paar sehr hübsche Planwagen (Chuckwagons) ausgestellt:
Die Innenausstattung war aber auch in der Luxusedition eher bescheiden:
Heute führt eine kurze aber steile Straße auf den Felsen rauf. Das wollte früher niemand, aber heute sind die Leute neugierig. Früher wollte man wohl eher vorwiegend überleben. Von oben kann man über das flache Land blicken ohne besondere Vorkommnisse zu entdecken. Wer ein wenig Bewegung braucht, kann auch runterwandern. Da ist das Highlight eine kleiner Tunnel auf dem asphaltierten Weg (ziemlich in der Bildmitte):
Auf den linken Felsen führt keine Straße rauf, er sieht aber von unten auch nett aus:
Die Felsen heißen übrigens angeblich deswegen Scott’s Bluff, weil ein Mann namens Scott sich mit seinen zwei anderen Kollegen gestritten hat, sich daher alleine auf den weiteren Weg machte und beim Scott’s Bluff verstorben ist. So schnell kommt man zu einem Felsen mit seinem Namen.
Nach einem größeren Umweg dank meines TomToms (und wieder mangels weiterer Hinweisschilder) bin ich zum Chimney Rock NHS gekommen, um noch mehr über den Oregon Trail zu erfahren. Erfahren habe ich jedoch, daß es dort nicht nur Klapperschlangen gibt:
Nein, dort gibt es auch Blutsauger, denn das ist wohl ein NHS, wird aber irgendwie staatlich geführt und daher wollen sie den Nationalparkpass dort nicht anerkennen. Man soll also tatsächlich für einen Blick von ihrer Terrasse etwas zahlen. Ich habe es gratis 100m daneben gesehen:
Danach ging es ohne weitere Umwege zurück zum Camingplatz, wo mich ein wunderbarer Sonnenuntergang erwartet hat:
Am nächsten Tag ging es hoch hinaus und ab in den Süden: Der Rocky Mounten NP war das Ziel.