NASA Stennis Space Center

Der Tag begann wie versprochen trüb. Also nichts wie auf die Interstate und möglichst viele Meilen zwischen uns und der Front bringen. Es war ja ein Fahrtag zur Flucht geplant. Aber dann kamen die ungeahnt bedeutungsvollen Worte: “Sollen wir an der Restarea austreten gehen?” Schon bei der Zufahrt zu den Parkplätzen vielen die vielen NASA Schilder auf. Am Parkplatz selbst war dieses Ungetüm zu sehen:

Genau gegenüber ist das NASA Informationshaus. Also mal reingeschaut. Man wird darüber informiert, daß quasi um die Ecke das Stennis Space Center liegt und man GRATIS Touren dorthin machen kann. Da das Wetter auch sehr entgegenkommend war, haben wir kurzer Hand den Fahrtag verworfen und einen Besichtigungstag daraus gemacht. Unser Ziel war daher auch nur Pensacola:


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Der Besichtigungsbus fährt alle Stunden und bis zur Abfahrt konnte ich noch schnell einen Imbiss auf dem Rastplatz nehmen. So einen Rastplatz hatte ich aber ohnehin noch nicht, denn er sieht eher wie ein Luxuscampingplatz aus. Nur übernachten darf man dort nicht. Eigentlich schade.

Wir sind dann (nach Ausweiskontrolle und mit einem neonorangenen Sticker in Handtellergröße ausgestattet) in einen Bus der NASA gestiegen und wurden in das Zentrum gebracht. Das Stennis Space Center ist flächenmäßig das zweitgrößte der USA und für den Bau der Schutzzone wurden einige Dörfer abgesiedelt. Die Wahl viel auf dieses Gebiet, da es kaum besiedelt war, eine günstige geographische Lage hat (auch die Nähe zum Kennedy Space Center) und daß es direkt mit dem Schiff erreichbar ist. Auf dem Gelände wurde extra ein Kanalsystem angelegt, damit die Güter und Raketenteile transportiert werden konnten.

Stennis hat im Prinzip zwei Hauptaufgaben: Das Testen von Raketenmotoren und die Wartung von Wetterbojen. Von oben sieht das ganze dann ungefähr so aus:

Nach der langen Vorgeschichte nun zur Führung. Der NASA-Bus fährt ins Zentrum und dort gleich zu den allerheiligsten Gebäuden: Die Testpads (im Modell oben, rechts Mitte). Zwei kleinere Pads und ein größeres Pad stehen zur Verfügung:

Die Dinger sind aus ziemlich massivem Beton, denn – so sagte der Fahrer – hier wolle man einen Liftoff vermeiden. 🙂 Auf dem großen Testpad haben sie auch alle 5 Motoren der Saturn V gleichzeitig getestet. Das war um 7:30 morgens und 3 Staaten waren munter. Innerhalb einer Meile vom Testpad hätte es jedes Auto zerlegt (wenn noch eines dort gestanden hätte). Zum Größenvergleich im vorigen Bild: Das NASA-Zeichen oben am roten Turm ist angeblich das größte NASA Zeichen das es in den USA gibt und man könnte am Logo einen Reisebus so parken, daß vorne und hinten noch ein PKW Platz findet. Da diese Tests großräumig ungesund sind, haben sie einen kleine Alarmsirene: Die Sirene wurde uns auch gezeigt und war so ca. 4m lang. Die hört man auch einige Kilometer weit.

Auf den kleinen Testpads können auch die Space-Shuttle Motoren getestet werden. Weil heute immer nur einer gleichzeitig getestet wird, kann man sogar bis 1/4 Meile entfernt noch stehen (mit entsprechendem Schallschutz).

Weil die Dinger beim Auslaß recht warm werden, stehen auch genug Wassertürme mit Hochleistungspumpen rum, die das Pad an den entsprechenden Stellen mit Wasser kühlen. Mit viel Wasser.

Nach der Rundfahrt wird man beim Visitor Center abgesetzt, wo man sich frei bewegen darf. Einige Ausstellungsstücke sind im Freien, eine recht große Ausstellung im Inneren. Fangen wir draußen an: Kernpunkte sind natürlich Raketenmotoren; sie sind stolz darauf, daß jeder Raketenmotor der Space-Shuttles dort getestet wurde:

Sehr stolz sind sie auf die großen Motoren der Saturn V Raketen. Nette Veranschaulichung der Treibstoffpumpenleistung: Ein durchschnittlicher Pool wäre unter 10 Sekunden leer/voll gepumpt:

Natürlich finden sich auch Raketenmodelle im Freigelände:

Sogar eine echte Boosterrakete des Space Shuttles ist ausgestellt (sie sind auch stolz, daß eigentlich alles am Space Shuttle wiederverwendet werden kann. Nur der große Haupttank wird zerstört und im wenige Meilen entfernten Space Center neu hergestellt/zusammengestellt):

Da sie sich auch um die verschiedenen Wetterbojen kümmern, ist eine echte dort ausgestellt. Ziemliches Ding nur für die paar Wetterwerte:

Im Inneren wird einem auch nicht fad. Man könnte als Freak sicher einen ganzen Tag dort verbringen, aber eine gute Stunde reicht auch für einen Überblick. Sie haben z.B. die Apollo 4 Commander Kapsel:

Dann einen Space-Shuttle Landesimulator (wo man selbst Hand anlegen darf):

Besonders cool sind die filmischen Erklärungen. Neben ein paar normalen Fernsehern/Monitoren gibt es eine zentral aufgehängte ca. 2m große Kugel, die als Projektionsfläche verwendet wird. Von vier Seiten wird die Kugel bestrahlt, sodaß man die Erde, den Mond oder sonstige Planeten darstellen kann. Wenn man nicht nach den Projektoren suchen würde, könnte man glauben, die Kugel selbst strahlt. Es werden verschiedene Filme gezeigt und die Technik ist dabei wirklich beeindruckend. Das wäre ein Eyecatcher für einen Messestand!

Von dem Ding habe ich auch ein paar Videos, die kommen aber nur auf die Homepage. Die Ausstellung setzt auch auf interaktive Teile. So kann man ausprobieren wie geschickt man noch mit solchen Handschuhen ist:

Oder man sieht einen Raum eines Astronauten, wo er sich zum Schlafen aufhängt und zum Arbeiten festklemmt. Auch die Dusche wird gezeigt:

Ein weiterer großer Bereich beschäftigt sich mit der Meteorologie über und unter Wasser. Viele Videos und Erklärungstafeln sind da verfügbar, ich hatte aber nur mehr wenig Zeit.

Die Zeit im Space Center verging wie im Flug und schon mußte ich wieder zum Auto um die restlichen Meilen nach Pensacola zurückzulegen. Das Wetter blieb sonnig und sehr warm, einer Besichtigung am nächsten Tag schien Nichts entgegen zu sprechen.

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