Wir haben uns dieses Jahr die Fahrt an der Ostküste in den Norden vorgenommen. Dazu muß man wohl auch Florida und die Keys verlassen.
In der Früh genossen wir den Ausblick auf die Bahia Honda Bridge, der letzte Stellplatz hatte gerade da einiges zu bieten.

Damit hieß es Abschied nehmen und es ging über den Overseas Highway zurück auf’s Festland. In Marathon haben wir noch das twice the Ice mitgenommen und da ist der Unterschied echt böse: 2.50 beim Automaten und 5.80 im Supermarkt.


Beim ‘guten’ Walmart ging es noch einmal auf Großeinkauf für Gewand, weil wir ja nur mit Rucksack gekommen sind. Wirklich tragisch wurde es an der Kasse, da man jegliche rassistische Aussage verstehen hätte können: Eine Afroamerikanerin war offenbar überzeugt, daß zum Job Erscheinen schon ausreichend war. Sie hat beim Scannen nicht mal auf die Ware geschaut sondern solange rumgewachelt, bis der Scanner zufällig das Schild gefunden hat, sie hat nur mit anderen geredet und sich echt nicht von derf Arbeit ablenken lassen, … beim hofer wäre sie wohl sofort ‘entfernt’ worden. Das war wohl unsere längste Kassenerfahrung in den USA.
Kurz danach sind wir zum Coral Castle gefahren. Da war ich zuletzt 2010 (ja, da wo mein GPS Logger glaubt zu sein).
Edward Leedskalnin war ein kleiner, schweigsamer Mann aus Lettland, und hätte man ihn damals auf der Straße gesehen, hätte vermutlich niemand gedacht, dass er einmal eine der seltsamsten Geschichten Floridas schreiben würde. Seine ganze Karriere als exzentrischer Steinmetz begann mit einer Katastrophe: Liebeskummer.
Er war bis über beide Ohren verliebt und wollte heiraten. Die Hochzeit war praktisch schon vorbereitet. Dann erklärte ihm seine junge Verlobte kurz vor dem großen Tag, dass sie es sich anders überlegt habe. Für die meisten Menschen wäre das der Beginn einiger trauriger Wochen gewesen.
Edward hingegen reagierte etwas ungewöhnlicher. Er wanderte nach Amerika aus. Das allein wäre noch nicht besonders bemerkenswert gewesen. Doch statt sein Leben neu zu beginnen, beschloss er offenbar, Jahrzehnte damit zu verbringen, ein gigantisches Monument für seinen Kummer zu erschaffen.
Irgendwo in Florida begann er, Korallenkalkstein aus dem Boden zu schneiden. Große Blöcke. Sehr große Blöcke. Teilweise so groß, dass gestandene Bauunternehmer nervös geworden wären. Edward schaute die tonnenschweren Brocken an, schob seine Mütze zurecht und dachte sich offenbar:
„Ja, das kann ich alleine bewegen.“
Niemand weiß genau, wie oft Nachbarn ihn beobachteten und dabei zweifelten, ob sie vielleicht versehentlich in eine andere Dimension geraten waren. Da arbeitete ein schmächtiger Mann nachts im Schein einer Laterne zwischen Steinblöcken, die mehr wogen als Lastwagen, und am nächsten Morgen standen sie plötzlich an einer völlig anderen Stelle.
Wenn jemand fragte, wie er das machte, hätte Edward die Gelegenheit gehabt, die Sache aufzuklären. Stattdessen erklärte er geheimnisvoll, er kenne die Geheimnisse der Erbauer der Pyramiden. Das war ungefähr so hilfreich wie die Antwort: „Das würde ich euch ja erklären, aber dann müsste ich euch anschließend in Stein verwandeln.“
Je weniger er erklärte, desto verrückter wurden die Gerüchte. Einige Menschen waren überzeugt, er habe die Schwerkraft überwunden. Andere erzählten von Magnetismus. Wieder andere vermuteten unbekannte Naturkräfte. Manche behaupteten sogar, die Steine würden nachts schweben. Edward selbst saß vermutlich irgendwo daneben und fand die ganze Sache ausgesprochen unterhaltsam.
Mit den Jahren entstand eine ganze Festung. Mauern, Türme, Möbel, Treppen und gewaltige Steinfiguren. Andere Menschen kauften sich nach einer gescheiterten Beziehung vielleicht ein neues Fahrrad. Edward baute eine Burg.
Und als wäre das alles noch nicht seltsam genug, beschloss er eines Tages, dass ihm der Standort nicht mehr gefiel. Ein normaler Mensch hätte vielleicht gesagt: „Schade, aber jetzt steht das Ding halt hier.“ Edward sagte stattdessen:
„Dann ziehe ich die Burg eben um.“
Er ließ die tonnenschweren Steine verladen und viele Kilometer weit transportieren. Besonders kurios war, dass kaum jemand ihn dabei beobachten durfte. Fahrer berichteten später, dass die Blöcke bei ihrer Ankunft bereits verladen waren und nach der Rückkehr schon wieder ausgeladen waren. Als hätte sich eine Armee unsichtbarer Bauarbeiter nachts zur Arbeit getroffen. Dabei gab es nur Edward.
Jahrzehntelang arbeitete er weiter. Stein für Stein. Block für Block. Während andere Menschen älter wurden, Familien gründeten oder ihren Ruhestand planten, baute Edward noch immer an seiner monumentalen Erinnerung an die eine Frau, die ihn verlassen hatte.
Und um das ganze nun zurück zubringen, der Gute hatte auch einen Tick mit Ägypten, den Sternen und sonstigen Mythen. Daher auch die Dinge, die er da so gebaut hat. Zunächst der Eingang, wo er damals schon Geld für eine Führung kassierte.

In dem Turm wohnte er, also eher bescheiden, unten sind seine Gerätschaften zu sehen.


Er baute Sessel, Tische, Liegen und eine Badewanne …




aber auch den Saturn, Sonnenuhren und



Warum auch immer, die großen Eidechsen mit den orangen Köpfen sind nur dort unten zu finden.


Aber zurück zum Castle.


Die Sonnenuhr ist eigentlich aus Mexiko. Wie er die bei Nacht gebaut hat, weiß auch keiner.

Die Zielvorrichtung auf den Polarstern kann man sich bei Nacht schon besser vorstellen.


Und damit ging es außen rum nach draußen. Drinnen wird man btw von einem Guide geführt, damit man die ganzen seltsamen Geschichten auch hört.


Danach ging es quer durch Miami und ab in den Norden, wo uns nach einem streifenden Gewitter der San Sebastian SP erwartete. Der liegt direkt an der A1A, ist ur ruhig und ein Vogelparadies.


Natürlich gibt es auch Eidechsen.


Die Sonne hat sich dann noch vor dem Untergang gezeigt und das sieht dort auch echt super aus.


Und ja, mehr Vögel überall.


Unser Stellplatz hat zwei Palmen und eine echt geile Aussicht.


Am nächsten Tag wollten wir schon Florida verlassen.