Von Salina, KS über das Tallgrass NPS nach Kansas City, KS

Zunächst ging es wieder einige Meilen auf der I70 nach Osten. Von da ging es am Highway 177 senkrecht nach Süden. Diese Straße ist teil des alten Santa Fe Trails und kann daher auch mit historischen Häusern aufwarten. Im nächsten Bild braucht man sich nur die Autos wegdenken und an deren Stelle Pferde setzen. Und schon ist man im wilden Westen:

Die Bank macht noch einen soliden Eindruck. Und welche US Bank kann das derzeit noch von sich behaupten? 🙂

Das Tallgrass NPS ist im Prinzip eine alte Ranch. 17 Quadradtmeilen groß, also praktisch so weit das Auge blicken kann. Laut Angaben des Führers eine nach heutigen Maßstäben mittelgroße Ranch. Das alte Herrenhaus ist noch gut erhalten und kann heute innen besichtigt werden:

Das Schlafzimmer zum Beispiel:

In der Scheune (wenig erstaunlich viel größer als das Herrenhaus) sind historische Geräte der Ranch ausgestellt.

Zum Beispiel diese hier:

Das bisherige würde nun nicht ganz den namen Tallgrass Prarie NPS erklären. Nun, der Hauptteil dieses Preserves ist eine Busfahrt in die Prarie (auf unwegsamen Wegen). Wie der Führer erläutert unterscheidet man die Prarie in Tallgrass, Midgrass und Shortgrass. Man kann sich vorstellen wo der Unterschied liegt. Der Ursprung des Unterschiedes ist schlicht und einfach Wasser. Mehr Wasser bringt höheres Gras. Und das Preserve hat eben ziemlich hohes Gras.

Das Gras der dortigen Gegend ist besonders nahrhaft. Die Kälber werden im Mai auf die Prärie gebracht und bleiben 100 Tage dort. Pro Tag legen sie ca. 2.5lb zu. Das bedeutet, das ein vollgerammelter LKW 80 Kälber bringen kann und 50 große Kälber wegbringen kann. Die legen also ganz schön zu. Danach werden sie übrigens noch einmal 100 Tage mit Heu und Mais gefüttert und dann werden sie – äh – geerntet.  

Die Prärie hat viel Gras aber im Prinzip keine Bäume. Im folgenden Bild sehen wir etwas Baumähnliches, das ist aber angeblich kein Baum, sondern nur ein großes Unkraut:

Damit die Kühe was zum Trinken haben, werden überall künstliche Seen aufgestaut. Sonst wäre die Prärie doch eher trocken:

In diesem Bild sehen wir gleich die beiden wichtigsten Vertreter: das gelbe Zeug ist das yellow broom weed (weil man tatsächlich beesen draus machen kann) und das lange gefederte ist Indian Grass. Wenn man die Kühe zu lange weiden läßt, verschwindet das gelbe Zeugs und es dauert lange, bis sich die Prarie wieder erholt. Das Überweiden kann schnell passieren, denn Kühe weiden gerne gegen den Wind, um die lästigen Fliegen nicht im Gesicht zu haben. Da der Wind aber sehr stetig von der gleichen Seite bläst, rennen die Kühe immer in die gleiche Richtung bis zu einem Zaun, der sie aufhält. Und dort wird alles gefressen was da ist… 

Oder ein weiteres Beispiel: Sie haben vor 30 Jahren versucht die Kühe auch über den Winter dort zu behalten. Drum haben sie ein Jahr lang Futter für die Kühe an eine Stelle geworfen. Dadurch ist das Gras dort abgestorben. Noch heute ist die Stelle kahl. Man schätzt, es wird noch 200-300 Jahre dauern, bis dort nichts mehr von der kahlen Stelle zu sehen ist.

Auf einem kleinen Hügel sieht man nichts als Gras. So war es früher in großen teilen von Kansas, nur ca. 3% der Prärie sind erhalten.

Nächstes Jahr wollen sie auf dem Preserve Büffel ansiedeln und damit noch einen Schritt in Richtung Ursprung gehen.

Die restliche Prärie ändert sich aber derzeit auch noch. Natürlich kommt es alle 5-6 Jahre zu einem Brand. dadurch werden die wenigen vorwitzigen Bäume getötet und es kommt ganz sicher nicht zu einem Wald. Heute wird im Februar die Prärie abgebrannt. Damit wächst das Gras kräftiger (weil das alte Zeugs weg ist) und früher (weil der dunkle Boden wärmer wird und das Gras früher keimt). Dadurch sind die Feuer aber viel kleiner und einige Baumsorten überleben die Feuer. Langsam kommen allso auch hierher Bäume.

Inzwischen wird die Prärie auch touristisch genützt. Es gibt seit 3 Jahren die Symphonie in der Prärie. Das Kansas Symphonie Orchester spielt auf einer kleinen Holzbühne mitten im Nix, die Zuschauer sitzen auf dem Gras der Umgebung. Im ersten Jahr hat die Karte $28 gekostet und alle waren skeptisch, daß da überhaupt jemand Karten kaufen würde. Trotzdem war das Konzert mit 5000 Karten ausverkauft. Ein Jahr später hat die Karte schon $35 gekostet und das Konzert war in 3 Wochen ausverkauft. Dieses Jahr kostete die Karte $42 und war in 2 Stunden ausverkauft. Scheinbar muß man nur an seine Idee glauben.   

Auch ja, der redselige Führer hat auch eine Geschichte über eine Vegetarierin erzählt. In der Gegend der Kühe, sind Vegetarier wohl sowas wie völlig irre kranke. Der Führer hat sich aber bemüht zu erklären, das auch diese irren die Prärie brauchen würden. Da aber die Vegetarierin nicht einmal Leder verwendet, war er zunächst ratlos. Bei der Süßspeise der USA, Jello, wurde er aber dann doch fündig: Der Wackelpudding (den auch die Vegetarierin aß) hat Gelatine (von Rindern drin). Man war der Führer froh, doch noch etwas gefunden zu haben.

BTW, er hat auch eine Definition für Vegetarier gehabt: Schon die alten Indianer hätten eine Erklärung dafür gehabt: Wirklich schlechter Jäger. 🙂

Der Rest der Strecke ging dann durch leicht hügeliges Gebiet und am Abend war auch der lästige Wind ziemlich weg.

Der nächste Tag hat mich dann nach St. Louis geführt.

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