Wie bei jeder Reise eine Technikspielecke zum ‘Auto’. Dieses mal teile ich das in zwei Abschnitte: Das Auto und der RV-Umbau.
Das Auto
Das Auto ist ein LDV/Maxus Hochdachtransporter mit 1.9m Breite, 5.9m Länge und beachtlichen 2.8m Höhe, maximales Gewicht 4t, Diesel, Automatik und 110km/h Höchstgeschwindigkeit (passend für Australien). Die Achsen sind ziemlich an den Enden und daher ist der Wendekreis gigantisch. Dafür ist er weich gefedert und hüpft und schwingt wie ein alter Amerikaner. In Deutschland läuft das Ding unter Maxus Deliver 9.
Im Prinzip ist das Auto ja nett, aber wir hatten ein paar Auffälligkeiten:
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Die Automatik ist brav, aber bevor das Ding in Schung kommt, vergeht schon Zeit. Erst wird er laut und dann irgendwann wird er schneller. Dafür schaltet das Ding i.A. sehr weich.
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Das Autoradio kann BT und USB, die Lautsprecher sind aber extrem schlimm. Es war mir nicht bewußt, daß man sowas noch kaufen kann. Handy vor 10 Jahren oder so.
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Das Autoradio hält den Schnabel nicht. Nach dem Starten des Autos läuft es. Punkt. Also nach jedem Starten den pauseknopf am Touch-Panel drücken. der geht dann auch schon nach dem 3. oder 4. Versuch.
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Die Cruise Control berücksichtigt den Abstand zum Vordermann und bremst sogar aktiv. Klingt gut, ist aber z.T. lebensgefährlich. Einmal hat das Ding ohne erkennbaren Grund eine (zum Glück) kurze Notbremsung hingelegt, bevor es weitergefahren ist. Wenn eine Kurve die Unendliche Sicht verhindert, bremst das Ding recht ruppig ab. Wenn einem Autos oder gar LKWs entgegenkommen bremst das Ding oder, wirft ohne jede Warnung den Tempomaten raus.
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Die Schiebetüre öffnet sich bei wackeligen Straßen trotz Verriegelung von selbst. das geht von kurzem Aufblinken der Warnlampe, bis wirklich öffnen und man kann rausschauen!
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Die Rückfahrkamera ist lebensrettend, nur bei Nacht sieht man absolut nix.
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Die Standardeinstellungen, die man nach jedem Starten neu per Knopf zurücksetzen muß, sind unbrauchbar. Jede Annährung an eine Linie piepst (hilft halt nix, wenn die Straße nicht breiter ist), die Warnung des vorderen Radars spielt gerne verrückt, und ganz toll ist der Motorkiller. Er sollte an Kreuzungen den Motor automatisch abstellen und halt auch wieder starten. Naja, abstellen geht gut, neu starten dauert 2-3 Sekunden. Das dauert nicht nur lange, wenn man in einem Kreisverkehr losfahren will, daß passiert auch bei jedem Reversieren. Stehenbleiben und Retourgang rein: 3 Sekunden warten.
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Das Blech bewegt sich bei rumpeligen Straßen. Heute ging die Beifahrertüre nicht mehr auf, weil sich der Kotflügel verschoben hat. Weiterrütteln oder dagegenhauen hilft.
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Den Tankdeckel bekommt man nur auf, wenn man die Beifahrertür aufmacht.
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Die Reichweite ist geschätzte 600km (bei geschätztem Tank von 80l), es gibt keinerlei Bordcomputer, der da unterstützen würde.
Der RV-Umbau
Nun zum traurigen Teil. Wir haben eine Beschreibung der RV Fähigkeiten und dann die Umsetzung:
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Integrierter Kühlschrank = In dem Holzeinbau hinten haben sie eine mobile elektrische Kühltruhe stehen. In dem Einbau ist eine Batterie, die den Kühlschrank angeblich 8 Stunden schafft. Also nicht mal eine nacht lang. Neuladen der batterie dauert min. 3 Stunden Fahrzeit. Laden durch externe Steckdosen ist NICHT vorgesehen.
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Integrierter Gaskocher = Es gibt eine Platte in dem Holzeinbau, wo man einen im Koffer mitgelieferten mobilen Gaskocher draufstellen kann.
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Vollständige Küchenausstattung = es werden je 2 Messer, Gabel, Löffel, ein Schneidmesser und ein Schneidbrett geliefert. Dazu 2 Teller, 2 Schüsseln, ein Teetopf und 1 Pfanne und 1 Topf. Blöd wenn man einen Kuchen als Nachspeise hat, denn Teller hast dann keinen mehr. Aber auch keine Gabel oder so.
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Das RV hat eine Klimaanlage = das Auto kann beim Fahren kühle Luft an zwei Luftschlitzen rausblasen. Kein Motor und das war es.
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Integriertes Klo (damit sie das mit dem self-soustanable hinbekommen). Unter dem Tisch steht ein Portapotti ohne jegliche Flüssigkeit.
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Der Umbau von Tisch zu Liegefläche dauert eine Ewigkeit, weil sie nicht mit einhaken oder Hydraulik haben, alles ist mit Schrauben gelöst, die man Stück für Stück zerlegen muß. Die Dicke der Polster ist 5cm und sie sind alle durchgelegen. Das ist also schön hart und da die Bretter dünne Platten sind, wird da wer durchbrechen.
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Es gibt exakt 0 Stauraum. Die zwei Duffelbags liegen einfach am Boden hinter den Sitzen. Die Sitze sind nicht drehbar. Wofür der 40cm Abstand ist, weiß keiner. Man hätte da das Holzding vergrößern können und echte Fächer machen können, war aber zu viel Aufwand.
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Das Innenlicht kann man in weiß oder rot haben. Wofür rot weiß keiner, ist dann wie U-Boot auf Kampfangriff. Dafür gibt es nur einen Schalter an der Schiebetüre, im hinteren Küchenbereich gibt es nix. Also immer nach vorne laufen.
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Es gibt keine Stufe. Daher immer auf volle Höhe des Ladebodens rauf und vorallem runter steigen.
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Das Bett und der restliche Holzeinbau ist so gebaut, daß er zwischen die Radkästen paßt. Als ganzes. Daher ist das Bett ur eng, man hat aber gute 20cm Luft dahinter. Auch da keinerlei Fächer, ist also einfach verloren.
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Es gibt nur ein Fenster in der Schiebetüre. Das öffnet sich egal was man tut beim Fahren und klappert. Dafür gibt es sonst keine Dachluke oder anderes Fenster zum Aufmachen. Es wird also ziemlich warm drinnen.
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Es gibt nur das Innenlicht. Außen ist es wenigstens immer dunkel. Nicht mal ein kleines Außenlicht.
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Das Fenster hat ein Fliegengitter. Daher kommt man nicht mehr an die Hebel des Schließers ran. Nur durch das Fliegengitter durch.
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Der Feuerlöscher ist NICHT im Küchenbereich, sondern beim Einstieg. Da kann man sich den spitzen Hebel überall reinrammen, aber wenn man kocht, hat man trotzdem keinen Feuerlöscher.
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Die vorhandenen USB Anschlüsse sind uralte USB1, die von den meisten unserer Geräte verschmäht wurden. Laut Einschulung soll man aber auch nur immer einen der 4 USB wirklich nutzen, sonst haut es die Sicherung raus.
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Es gibt keinen Auto-Stecker zur Stromversorgung. Daher kann man auch die eigenen Geräte aus einem Auto nicht nutzen.


Fazit
Das Auto ist billig und beginnt sich obwohl Baujahr 2023 jetzt schon zu zerlegen. Der RV Einbau wurde von jemanden geplant, der absolut keine Ahnung vom Campen hat und offenbar nicht die geringste Idee hatte, wie man wo was nutzen könnte. Uninspirierter geht es ganz sicher nicht. Man hätte aus dem Ding so viel Gutes machen können, ohne viel mehr Geld zu investieren. Nur Nachdenken wäre halt notwendig gewesen.
Trotzdem will Astrid aber nicht mehr mit Auto zelten, da die Grundidee, RV abstellen und man kann schlafen, egal ob es naß, heiß oder kalt ist, alles andere in den Schatten stellt.