Von San Antonio ging es direkt in den Norden, denn dort befindet sich die Willow City Loop. Laut einem US-Reiseführer und mehreren online-Hinweisen gehört diese Strecke zu den Top 10 Scenic Routes von Texas. I.a. fährt man diese Route im Frühling wenn alles blüht, aber mit Frühling konnte ich nicht dienen und es ist auch nicht sehr wahrscheinlich, daß ich im Frühling einmal da sein werde. Also das ganze im Herbst.
Schon die Anfahrt vom Highway ist romantisch auf einer kleinen Straße. Sofort erinnert alles an eine kleine griechische Straße. Nur die Kakteenmenge paßt nicht ganz ins Bild:

Willow City ist ein winziges Dorf (keine Ahnung wo da das City herkommt). Man fährt die Countystraße in den Ort und biegt einfach nicht rechtwinkelig ab, sondern fährt geradeaus weiter. Man wird dann auf einem Schild darauf hingewiesen, daß die Straße auf private territory verläuft und man außer Fahren nix darf; nicht einmal Parken. Mir egal, ich wollte dort eh nicht länger bleiben. Schon vom ersten Hügel hat man eine schöne Übersicht:

Griechenland pur:

Selbst die kleine mies asphaltierte Straße paßt ins griechische Bild:

Entlang der Straße finden sich einige Ranches:

Im Frühling soll es auf der Straße hoch her gehen und die Radler werden dort zur Plage. Da kann man Hinweise lesen, daß eine Fahrt kurz vor Sonnenuntergang etwas mehr Ruhe bringt. Ich war auf der Straße alleine, bis auf die Rehe:

Lang ist die Straße leider nicht (unter 20mi), aber schön ist sie auch im Herbst:

Wer also noch nicht in Griechenland war, der kann es mitten in Texas nachholen. Die Tavernen fehlen halt. 🙂

Und wenn wir schon vom Nachholen sprechen, man kann auch ganz schnell nach Deutschland kommen. Nur wenige Meilen südlich liegt Fredericksburg. Vor langer Zeit, als Texas noch ein eigenständiger Staat war, wurden viele Deutsche zum Immigrieren geködert, indem man ihnen Land geschenkt hat. Daher gibt es dort (oder zumindest gab es) viele Deutsche und auf der Welle schwimmen sie immer noch. Nach allen Angaben zufolge auch noch sehr gut, denn inzwischen habe sie 3 oder 4 mal so viel Gästebetten wie Einwohner.
Vom Deutschen selbst ist aber nicht allzuviel zu sehen. Man findet halt noch ein paar deutsche Namen und sie spielen grausliche deutsche Musik vor den Läden:

Natürlich probiert man es mit dem Essen. Beim Jägerschnitzel habe ich die Angst, sie kippen wirklich eine Soße über ein paniertes Schnitzel (das wäre wohl sehr deutsch). Wenn aber die Knackwurst Knockwurst heißt, bin ich mir nicht mehr so sicher, was da so deutsch ist. Und der Preis ist auch nicht ohne. Auf anderen Werbungen findet man auch den berühmten Munich Hogie oder das Reuben Sandwich (wer das schon mal gehört hat):

Verdächtig ist auch der Küchenladen (der nennt sich so) mit Verkostungen. Wenn das im Spital stattfindet:

Die Häuser sind auf alt hergerichtet, so findet sich das aber auch in vielen Dörfern in der Umgebung (und da sogar schöner):

Hier sehen wir den Marktplatz (The Square). Auf dem findet jedes Jahr der (im Original) Kristkindlmarkt statt. Da kann man Sachen kaufen und weihnachtlich sein. Dafür muß man aber $4 Eintritt zahlen (erinnert mich fatal an das Oktoberfest in LA):

Hier sehen wir die (wiedererrichtete) Vereinskirche (im Original heißt die so). Auch dafür soll man Eintritt zahlen:

Wer also nicht wirklich unfreiwillig durch Fredericksburg durchfährt, braucht sich die Mühe auch nicht zu machen. Touristen habe ich aber trotzdem viele gesehen.
Am Abend am Campingplatz in San Angelo hatte ich auch Besuch, halt ein wenig anders:

Und da kamen dann noch viel mehr…

Am nächsten Tag ging es ans äußerst westliche Ende von Texas, nach Van Horn. Auf dem Weg dorthin wurde es ganz astronomisch.