Die Lehman Cave (Great Basin NP)

Der Campingplatz in Ely ist extrem zelterfreundlich: Man hat echte schöne Wiese, Wasser, Strom und Internetzugang. Und das zu einem erträglichen Preis. So einen Platz wollten wir natürlich nicht hergeben. Daher wurde der Plan einmal mehr geändert und die Lehman Cave wurde zu einem Tagesausflugsziel umdefiniert. Daher verwundert die Streckenführung wenig:


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Die Lehman Cave war der ‘Grundstein’ zum Great  Basin NP. Der gute Mr. Lehman war Farmer und hat seine Ware an die damaligen Minenleute verkauft. Wie er so auf seinem Grundstück rumläuft, findet er ein Loch in der Erde. Das haben Native Americans auch schon gefunden, aber da Löcher in der Erde vorwiegend heilig sind, nicht weiter beachtet. Mr. Lehman war aber auf Geschäft aus und hat gleich mal eine Holzhütte in der Größe eines Plumpsklos drumrum gebaut und eine Holztreppe runter gezimmert. Das Wichtigste war das Schild: Betreten um 1$, im vorhinein zu zahlen.

Heute ist es ähnlich: Man bezahlt $10 pro Nase oder hat einen NP-Jahrespass (dann ist es gratis). Da ich zufällig an einem Samstag unterwegs war, hat mir die nette Rangerin am Eingang mitgeteilt, daß nur mehr die 14 Uhr Führung freie Plätze hätte. Danach gäbe es nur mehr Kurzführungen, von denen sie aber abraten würde. Zum Glück wollte ich an dem Tag nicht mehr weiter und so kam ich zu einer 14 Uhr Führung.

Beim Beginn der Führung konnte ich schnell erkennen, warum nur die Führung gut war: Sie war unser Guide. Nach den allgemeinen Hinweisen (nix Antatschen!) ging es in den gemütlicheren künstlichen Eingang und schon der erste Raum ist genial:

Die Rangerin war eine recht junge und muntere. Sie hat daher recht kurzweilig durch die Höhle geführt und mühsam lange historische Reden vermieden.

Sie hatte auch Verständnis für Fotographen und lies die große Anzahl an Kameras brav werken. Sehr entgegenkommend.

Am Beginn hat sie auch noch neben den ‘Sicherheitshinweisen’ Bilder rumgereicht, wo man die Höhle mit Leuten vor 1900 sehen konnte. Ihr war es ebenso unverständlich wie allen Besuchern, daß alle damaligen Besucher und Besucherinnen im Sonntagsgewand in die Höhle stiegen. Man bedenke die Frauen mit den langen Röcken und die steilen Treppen in der Höhle. Ud alle Herren im Anzug mit Krawatte!

Während der Führung wurde auch die historische Beleuchtung vorgeführt: Eine Kerze in einem Metallrohr, das wie ein Scheinwerfer zu handhaben war. Die Leuchtkraft hält sich aber extrem in Grenzen.

Interessant ist es auch, daß die damaligen Eintrittsgebühren keine Führung beinhaltet haben. Es war also Erkunden auf eigene Faust und Gefahr angesagt. Man mußte schon länger ausbleiben, bis jemand nachgesehen hat.

Diese Selbständigkeit hat jedoch dazu geführt, daß alles in Greifweite abgebrochen und mitgenommen wurde. Sie nannte es: Der Giftshop war die Höhle. Sie hat dabei ziemlich von der Nachahmung abgeraten, da daß heute sehr sehr teuer wäre und man seine Trophäe nicht einmal behalten dürfte. Das Gute an der Sache ist, daß die Formationen nachwachsen. Nur wie schnell ist das Problem. Man kann davon ausgehen, daß der Strohhalm (so nennt man den Ansatz der Stalagtiten) auf dem folgenden Foto gute 100 Jahre gebraucht hat um seinen Inch zu wachsen:

Die Höhle selbst ist extrem dicht dekoriert, aber nicht extrem groß. Man geht bei der 90 Minuten Führung durch alle zugänglichen Räume. Manche sind dabei sehr schmal, wie hier der Musikraum:

Im nächsten Foto sieht man die anderen Besucher und die Rangerin. Sie erklärt gerade, warum dieser Raum Musikraum heißt: Früher hat man mit Hämmern auf die verschiedenen Formationen geschlagen und so Musik erzeugt. Wie das für die Formationen ausgeht, kann man sich denken:

Als kleiner technischer Hintergrund sei hier einmal mehr meine neue Digicam lobend erwähnt. Ich habe alle Fotos freihand geschossen, da man außer einer Kamera nichts mitnehmen darf (und auf Anlehnen steht die Todesstrafe). Keine Getränke, kein Essen, keine Rucksäcke, einfach nichts. Die Durchgänge sind doch schmal und daher diese Regel. Ich habe kaum vom Blitz Gebrauch gemacht, denn die Bilder haben wenig Scharm. Dennoch sind die Bilder garnicht so schlecht geworden. Für die Fotographen die ungefähren Einstellungen: ISO 1600 und Belichtungszeiten zwischen 1/3 und 1/13.

Natürlich hat die Rangerin alle möglichen Formationen erklärt und gezeigt. Von den Stalagmiten und –titen (das mit der Merkhilfe, irgendwas davon hängt immer 🙂 hat sie nicht erwähnt), von den Strohhälmen, Vorhängen, Popkorn, und vielem mehr war die Rede. Im folgenden Bild hat sie einen Bacon gezeigt. Wirklich zum Anbeißen (die Beleuchtung war nur ihre Maglite):

Ach ja, ‘Wasserfälle’ waren natürlich auch dabei:

Die 60 Minuten Tour endet im Partyraum. Der Raum heißt so, weil da früher wirklich Parties gefeiert wurden. Das hat natürlich zu einem entsprechend großen Schaden geführt. Vor längerer Zeit wurde dort auch ein Kinofilm gedreht; die Höhle sollte dabei den Mars darstellen. Die Bilder von den Astronauten in der Höhle wirken eher witzig als beeindruckend. Der Film soll auch ein wenig erfolgreicher Film gewesen sein.

In den Seitenarmen des Partyraumes sind doch einige Formationen übrig geblieben. Waren wohl nicht ganz so leicht zu entfernen:

Die letzte halbe Stunde verbringt man in den angeblich schönsten Räumen. Früher war auch das eine Runde, jetzt wurde aber ein Raum (der zur Runde notwendig ist) gesperrt, weil dort immer wieder Steine herabfallen. Das war auch früher nicht anders, aber die Klagen in den USA werden auch immer mühsamer. Daher wurde der Raum gesperrt und man läuft heute eine Sackgasse hin und her.

Die Formationen dieser Räume sind deshalb ziemlich unbeschädigt, weil man früher nur durch einen Schlurf hin kam (‘des dicken Mannes Scheideweg’). Und das kam mit Sonntagskleidung nicht wirklich gut an. Das CCC hat wie in vielen anderen NPs geholfen und hat einen Tunnel gesprengt. Es ist also jetzt viel einfacher. Damals war man aber Stolz auf seine Leistung und man hat sich im sogenannten Inscription Room (direkt nach dem Schlurf) verewigt. Dazu brauchte man nur mit der Lampe auf der Decke schreibend seinen Namen einbrennen. Heute findet man Signaturen bis 1890 zurück:

Der nun letzte Raum ist tatsächlich hübsch dekoriert. Zu Zeiten Lehmans hat den wohl auch kaum einer gesehen:

Dieser Raum ist auch der Lieblingsraum der Rangerin und wurde daher entsprechend ausgiebig erläutert:

Jeder hatte mehr als nur genug Zeit seine Fotos zu machen. So etwas lobe ich mir (dafür haben wir auch 10 Minuten überzogen, sodaß wir eine 100 Minuten Führung hatten. Und das ganz ohne Aufpreis! 😉 )

Der Weg nach draußen ist durch einen künstlichen Ausgang ebenfalls stufenlos und einfach. Wo sind da die Zeiten des mühsamen Holztreppenkletterns? 😉

Zusammengefaßt kann ich sagen, die Höhle hat nur ca. ein Dutzend Räume, es wird einem aber auf der 90 Minuten Tour ganz sicher nicht langweilig und man sollte sich diese Höhle auf jeden Fall ansehen. Die Formationen können es locker mit den größeren und bekannteren Höhlen aufnehmen.

Ach ja, die Geschichte des NPs ist ja noch nicht komplett: Irgendwann starb der Herr Lehman, der Grund wechselte einige male den Besitzer bis ein reicher Mann das ganze gekauft und touristisch wesentlich ausgebaut hat. Er baute Lodges rund um die Höhle und hat auch mit den Parties einiges getan. Nach dieser Zeit kam es wieder zu einigen Verkäufen bis der Staat Nevada Besitzer wurde. Nach einer Zeit als Statepark wurde die Höhle zum NM. Da aber auch die Umgebung mehr als nur hübsch ist, wurde die Gegend schlußendlich zum NP erklärt. Und das führt mich zum folgenden Tag, wo ich wiedergekehrt bin um die Umgebung zu sehen. Wheelers Peak ist das Ziel einer Scenic Road, die auf über 3000m steigt. Aber davon mehr beim nächsten Post.

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