Die Fahrstrecke war an dem Tag nicht weit, es war ein gemütlicher Tag mit einigem zu sehen:
Cheyenne ist die Hauptstadt von Wyoming und wie die meisten US Hauptstädte ein Kaff. Alle in Wyoming sind pferdenarrisch oder allgemeiner rodeonarrisch. Zum Beispiel ist das offizielle Zeichen in den Kennzeichen ein Rodeoreiter. Daher ist es kein Wunder wenn das Kaff einmal im Jahr zum Leben erwacht: Während der Frontierdays. Das ist die letzte Woche im Juli und da kommen Zig-Tausende zu dem Rodeofest aller Rodeofeste. Es nennt sich selbst ganz bescheiden Daddy of them all. Ich bin daher mit einem lauten Yiiiiiiiha ins dortige Frontier Museum gegangen, um alles über diese seltsamen Rieten zu erfahren.
Am Eingang zum Museum wird man bereits mit einem Stiefel begrüßt:
Das Museum selbst ist irrsinnig klein. Ob sich die $7 pro Nase auszahlen, mag ich mal lieber nicht hinterfragen. Nach dem Zahlstein wird man von einer extrem untermotivierten Frau auf die Highlights hingewiesen. Zum Glück sind die Highlights besser als die wenig enthusiastische Beschreibung der Frau.
Gleich zu Beginn kommt man in den Saal mit historischen Kutschen. Nur in eine darf man sich hineinsetzen und wird auf Wunsch dort fotographiert. Ich habe dankend abgelehnt:
Alle folgenden Bilder sehen eigentlich nicht so übel aus. Hier kann ich nur ein großes Lob an meine Digicams aussprechen, denn die Beleuchtung vor Ort ist ausgesprochen miserabel. Im folgenden ein Rundblick des ersten Raumes:
Im folgenden Raum sieht man uralte Fotos von den ersten Tagen der Stadt. Kann in jedem Western nicht echter aussehen. Das Tivoli am folgenden Bild steht z.B. heute noch!
Auch die ersten Autos und Elektrizität waren offensichtlich Gründe für Fotos:
Der große Saal ist immer noch in Unordnung (meinte die Frau), denn Ende Juli wäre ja die große Preisverleihung gewesen (also eh erst 1.5 Monate her). Trotzdem finden sich auch dort einige interessante Kutschen (an den Rand gedrückt):
Natürlich findet sich auch eine Hall of Fame in dem Museum. Aber ihr glaubt garnicht wie egal es mir ist, wer was wann gewonnen hat. Der längste Teil des Museumsbesuches ist der Film, der dort nonstop läuft. Die Qualität ist bescheiden und er dürfte irgendwann Anfang der 90er Jahre gemacht worden sein, aber er gibt trotzdem einen wunderbaren Einblick in die verschrobene Welt des Rodeos:
Da gibt es inzwischen jede Menge Bewerbe. Klar, es gibt das ‘Schmeiß dich auf einen Jungen Stier und drücke seine Schultern zu Boden’, es gibt das 8 Sekunden auf einem bockigen Pferd reiten, es gibt die gleichen 8 Sekunden auf einem bockigen Bullen reiten und es gibt die Aktionshow der Rodeoclowns (die sonst die weniger erfolgreichen Rodeoreiter vor den Pferden und noch viel wichtiger Bullen retten). Um aber die Frontierdays spannender zu machen, gibt es auch Rookierodeo (also nichtprofessionelle Rodeoreiter auf Pferden), es gibt die Variante 3 Cowboys (und ganz selten auch Cowgirls) müssen ein noch nie gerittenes Pferd innerhalb von 90 Sekunden mit einem Sattel versehen und dann 1 Meile im Stadion reiten (die Videos davon sehen recht witzig aus). Oder Kutschenrennen mit in der Kurve slidenden Kutschen.
Inzwischen ist das ganze aber auch recht kommerziell geworden. Für einen Sieg in einer Disziplin gehen schon mehrere Zigtausend Dollar an den Sieger. Überraschend ist, daß sich scheinbar viel weniger Leute etwas tun, als es das Video suggeriert. Hart getroffen hat die Rodeonarrischen nur der Tod des Herrn Frost. Der war der erfolgreichste Bullenreiter, bis es ihn einmal wieder runtergehauen hat und der Bulle sich mit einem Horn in seinem Rücken bedankt hat. Jedenfalls war Anfang der 90er schon von einem Preisgeld von mehr als einer halben Million Dollar die Rede.
Vor dem Museum finden sich noch mehrere Statuen von berühmten Rodeoreitern (auch des versterbsten Mr Frost). Hier eine davon (ich kenne die Leute ja eh nicht):
Gleich gegenüber vom Frontierpark (wo das Museum steht und die Frontierdays abgehalten werden) ist der Lions Park, der für die Bewohner zur Erholung gedacht ist. Der botanische Garten hat nur an Wochenenden offen, aber es gibt einen Vorgeschmack, den ich schon nicht schlecht fand:
Gleich daneben findet sich auch ein bettelnder Cowboy (oder was tut der sonst in der Haltung?):
Wichtig in der Geschichte von Cheyenne war neben dem Rodeo nur noch die Eisenbahn. Darum stehen in verschiedenen Parks Lokomotiven herum, die etwas besonderes darstellen. Neben dem bettelnden Cowboy findet sich zum Beispiel die 1242, die älteste Lokomotive Wyomings und einer der ältesten der Union Pacific Co.
Vom Frontierpark ging es dann zum State Capitol. Das Ding ist groß aber im Vergleich zu Arni’s ein Winzling:
Nett ist es btw, das man eigentlich überall in der Stadt (auch im Zentrum) gratis an den Straßenseiten parken darf. Zu bestimmten Zeiten gibt es Kurzparkzeiten von 2 Stunden, aber es ist gratis.
Im Holidaypark steht Big Boy (4004). Von dem Ding hat es nur 25 Stück gegeben, aber immerhin 8 sind noch heute intakt (wenngleich auch nicht fahrfähig). Das Ding ist so groß, das nur ein einziges Modell (das in Omaha) per LKW transportiert wurde. Alle anderen wurden per Gleis (oder wie die in Cheyenne) per vorübergehendem Notgleis an das Ziel gebracht:
Der Tag endete mit einem Besuch in einem Outdoor-Outlet (also alles Zeugs für Camping, wandern und Co als Outletcenter) und dann war es Zeit für meine gegrillten Beefmedaillons.
Am nächsten Tag ging es auf einen Tagesausflug zu einem NM und zu einer NHS. Diese beiden wollte ich ursprünglich auf dem Weg nach Osten ‘mitnehmen’, aber durch die Wetterprobleme wurde daraus kurzerhand ein Rundkurs.