2 Nationalparks an einem Tag

Nach dem gestrigen gemütlichen Reisetag ging es heute gleich voll los. Der Campingplatz liegt direkt an der Straße zu dem Doppelnationalpark Kings Canyon / Sequoia, sodaß der Anweg denkbar kurz war, nur der Höhenunterschied ist nicht zu vernachlässigen: Der Campingplatz liegt auf ca. 100 Höhenmeter (und ist dementsprechend angenehm warm am Abend), die Nationalparks steigen (nur auf den Hauptstraßen, das geht noch höher!) bis zu 2300m auf. Zum Glück übernahm die Höhenmeter (laut GPS in Summe ca. 6500m hinauf) mein Auto, mit dem Fahrrad wäre das nicht ganz so heiter:

Da wir einen Tag später von LA weggekommen sind aber den Campingplatz schon bestellt hatten, mußten wir aus der geplanten Einwegtour eine Tour-Retour-Tour machen. War aber wahrscheinlich eh besser so:


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Die Straße geht leicht kurvig aber stetig den Berg an. Irgendwie müssen die guten 2000 Höhenmeter ja bezwungen werden:

Bald kommen die ersten größeren Bäume in Sicht (unten ist es zu trocken für Bäume):

Nach der ersten Steigung quert man einen felsigen Bereich hinüber in den Sequoia NP:

Im Sequoia NP lassen die ersten Riesen nicht lange auf sich warten. Sequoien sind nun einmal die größten Bäume der Erde:

Recht fetzig ist es, wenn die ‘Bäumchen’ in ganzen Gruppen stehen:

Das ist nicht fetzig? Ah, na klar, der Größenvergleich fehlt. Da helfe ich mal selbst nach. Ich bin ja kein so dünnes Stämmchen, falle aber bei den Baumstämmen kaum auf:

Das Wetter war heute – wie man unschwer sehen kann – einfach vorbildlich: Keine Wolke in Sicht und extrem blauer Himmel. Das macht aber leider das Fotographieren etwas schwer, denn die Kontraste sind – gerade in einem Wald – mörderisch. Zudem reicht mein nun immerhin schon nettes Weitwinkel mit (KB umgerechneten) 25mm bei weitem nicht aus die Baumriesen auf ein Foto zu bekommen. Da mußte ich mich heute ziemlich verrenken (körperlich und technisch), um diese Bilder hinzubekommen. Also gleich die nächste Salve an Monsterbäumen:

Im Sequoia NP gibt es gleich den größten Baum der Erde und da sind sie auch ganz stolz darauf. Größter Baum ist in dem Fall nicht auf die Höhe, sondern auf das Volumen gerechnet. Das Ding hat auch einen Namen, nämlich General Sherman (die ersten Parkranger waren noch Civil War Soldiers). Der Wipfel ist schon abgestorben und kann daher nicht mehr wachsen (höher wird das Ding somit nicht mehr), aber dicker wird er noch jedes Jahr! Die kleinen ‘Dreckflecken’ hinter dem Zaun beim Baum sind übrigens Menschen…

Leider war heute Samstag. Das ist in einem NP nie ein guter Tag, denn da ist die Hölle los. Neben den extrem vielen Touristen, die in riesigen Bussen herangekarrt wurden, kamen auch jede Menge Einheimische. Die zwei Busse voll Ostdeutscher waren aber nicht zu übersehen, denn wer steht sonst als Gruppe laut diskutierend einen ganzen riesigen Gehweg voll (den zum ‘heiligen Baum’) und läßt sich von noch so netten ‘excuse me’s der Einheimischen nicht um einen Millimeter wegbewegen. ‘Sollen die Amis doch schauen wie sie da hinkommen’, war wohl das Motto. Sowas macht immer einen super Eindruck. Die vielen Franzosen, Niederländer und Russen vielen da kaum mehr auf. Der Rückstau der Ostdeutschen hatte aber sein Gutes: Einige Zeit kam kein Mensch den Weg zum Baum durch und ein wirklich nettes 4-färbiges Eichhörnchen hat sich an den Weg getraut:

Die Straße zum liegenden Baum mit Tunnel für Autos drin war wegen dem Wochenende leider gesperrt, nur ein Busshuttle hätte dorthin geführt. Dazu müßte man aber parken. Nur ist der Parkplatz gleichzeitig der vom Sequoia-Museum und somit knackvoll. Also habe ich dieses Jahr darauf verzichtet und bin durch den Park der Riesen gefahren. Dort ist es viel ruhiger, denn da dürfen nur Autos bis 22ft Länge fahren, keine Busse und Wohnmobile. Hier mein gut 5m langes Auto vor ein paar Bäumen:

Manchmal fährt man auch in single-track Straßen mitten durch eine Baumgruppe durch:

Am Nachmittag habe ich mich dann zurück in den Kings Canyon NP gewagt. Dabei habe ich auf die Stichstraße in den namensgebenden Canyon verzichtet, denn einerseits ist der Teil nur durchschnittlich spannend und andererseits wollte ich nicht zu spät zum Campingplatz zurückkommen. Damit blieb der 3. größte Baum der Welt (samt seinen umgebenden Nachbarn) noch übrig. Auf dem Weg dorthin sieht man einen umgefallenen Baum, der ausgehöhlt wurde um früher als Unterstand zu dienen. Heute leben dort die Wespen (vor denen gewarnt wird):

General Grant heißt der größte Baum dieses NPs (und eben weltweit der 3. größte). Wenn man diesen Baum umrundet, sieht man (wie auch an einigen anderen Bäumen) Brandspuren. Dabei sind Sequoien aber keine armen Brandopfer, ganz im Gegenteil, sie selbst mögen es wenn es brennt. In den 60er Jahren stellte sich nämlich heraus, daß quasi plötzlich keine neuen Sequoien im Park gewachsen sind. Man hat alles versucht, nix. Bis ein paar Wagemutige meinten, sie würden gerne etwas ausprobieren. Der Test war hart aber erfolgreich: Sie haben einfach ein Stück Wald abgefackelt. Die großen Sequoien überstehen das im allgemeinen, das Kleinzeug verbrennt aber. Und ein Jahr später, waren überall kleine Sequoien aufgegangen. Und da in den 60er Jahren jegliches Feuer in den NPs vermieden wurde, konnten die Sequoien nicht wie sie wollten. Tja, nur manchmal wird es doch auch den großen zu heiß. General Grant hat daher einen verbrannten Hintern:

Ach ja, das ist die beworbene Frontseite:

Damit blieb noch die lange Abfahrt (das wäre mit dem Rad ein Spaß!) und schon konnten wir den Abend am warmen Campingplatz verbringen. Ach ja warm: Oben in den NPs hatte es beim Heimfahren 61°F unten am Campingplatz 86°F. Da weiß ich schon, wo der Abend gemütlicher wird…

Morgen geht es über Fresno zum Eingang des Yosemite NPs.

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