Drei kantige Flaschen Jack Daniel's Single Barrel stehen auf einem dunklen Sockel in einem Geschäft, im Hintergrund sind Regale und eine Person erkennbar

Jack Daniels

Da ich gestern durch heroischen Fahrkampf einiges an Zeit ‘einfahren’ konnte, ging sich heute der (Wieder)Besuch der Jack Daniels Destillerie aus. Das Tagesziel war Chattanooga, wo wir in die letzte Zeitzone – Eastern Time – gekommen sind. Ab nun geht es praktisch nur mehr südwärts, immer noch in der Hoffnung, Miami zu sehen:


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Gleich in den Früh hat mich der Hafer gestochen und ich habe einer seltsamen Idee meines TomTom nachgegeben. Wir sind daher nicht auf der kurzen Straße zurück zur Interstate gefahren, sondern folgten einer winzigen Straße parallel zur Interstate bis zur nächsten Auffahrt. Tja, es kam wie es kommen mußte: zuerst wurde die Straße noch kleiner und war noch mieser asphaltiert und dann war es auch schon Schotter. Da hat wohl die Kartendatenbank einen kleinen Fehler:

Eine asphaltierte Fahrbahn führt durch einen lichten Laubwald, dessen grüne Baumkronen ein schattiges Blätterdach über der Straße bilden

Die 3mi auf Schotter waren schnell überstanden, die nächsten 2 Stunden Interstate gingen auch ganz gut. Just an der Abfahrt zur Destillerie war eine günstige Tankstelle mit Raststättenangebot (Pilot) und ich konnte recht günstig ($3.19/Gal) tanken. Ein Besuch der Restrooms führte an den Würstchen vorbei. Also haben wir einen kleinen Snack genommen. Beide sehen ganz harmlos aus, sind aber würzig. Also zuerst garnicht scharf. Nach 10 Sekunden scharf und nach 30 Sekunden sucht man was Trinkbares. Faszinierend wie das Zeug zu brennen anfangen kann. Egal, das dürfte dort irgendwie normal sein, denn die Trinkmengen sind auch nicht ohne: Der kleine Becher ein knappes Liter (32oz), der mittlere 1.3l (44oz) und der große 1.9l (64oz). Hat schon was, vorallem der Preis wäre für unsere Raststätten ein gutes Vorbild:

Ein holzverkleideter Getränkeautomat zeigt drei schräg nach unten gerichtete Becherspender mit blauen Bechern, gelbe Preisschilder mit 1,49 Dollar sowie links daneben gestapelte weiße Rührstäbchen in einer quadratischen Öffnung

Die restliche Stunde durch kleine Dörfer ist echt nett, sieht ein wenig wie zuhause aus. Eine echte Erholung nach den wüsten Gegenden. Der Parkplatz des Visitor Centers war ziemlich voll. Das ganze liegt total nett in einem winzigen Dorf namens Lynchburg.

Der Eingangsbereich der Rock City Gardens in Chattanooga mit hölzernen Stiegen, Natursteinmauern und geschwungenen Blechdächern, eingerahmt von dichtem Blätterdach und sommerlichem Grün

Selbst die Mistkübel sind dort Fässer:

Das hölzerne Jack-Daniel's-Fass mit dunklen Reifen steht auf einem eisernen Fahrgestell mit Rollen im Freien, flankiert von einem schwarzen Metallgitter und schattigem Gehölz im Hintergrund

Die sollte man nicht unterschätzen, denn ich habe heute noch gesehen, was solche Fässer (die gebrauchten) kosten: $200 für ein rohes sind da nicht ungewöhnlich. Das Visitor Center ist nicht groß, aber hübsch hergerichtet:

Ein weitläufiger Gutshof mit grauer Holzfassade, dunklem Blechdach und kleinen Rauchfängen, der einen grünen Innenhof mit Pflaster und symmetrischen Rasenflächen umschließt, im Hintergrund dichter Laubwald

Drinnen bekommt man eine Nummer für eine Führung und kann sich die Dauerausstellung ansehen. Also gleich zur Herstellung des Gebräus: Bis zum Destillieren ist der Vorgang sehr ähnlich zum Europäischen Whiskey, nur der nächste Schritt ist anders: Bevor der Schnaps in Fässer abgefüllt wird, wird er durch Holzkohle gefiltert. Das soll die kopfwehbereitenden Beimengungen herausfiltern (man kann also ungestraft saufen!)

Im Jack Daniel’s Visitor Center in Lynchburg demonstriert eine museale Schau den Filtrationsprozeß durch Holzkohle in einem hölzernen Fass, flankiert von Glasballons mit der Aufschrift „Before“ und „After“ sowie einem Eichenfass

Auch sieht man sehr anschaulich, daß der Schnaps nach der Destillation natürlich klar ist. Erst die Lagerung in den heiligen Fässern macht die Farbe (und das Aroma):

Im inneren Gang einer Ausstellung steht ein hölzerner Tisch mit einem hölzernen Fass, mehreren Flaschen mit dunkler Flüssigkeit und Infotafeln mit der Aufschrift „Maturation“

Hier der direkte Vergleich (von links nach rechts):

Vier viereckige Glasflaschen auf einem hölzernen Sockel präsentieren die farbliche Reifung des Whiskeys von klarer New-Make-Spirituose bis zu dunklem Bernstein

Bevor wir auf die Tour gehen (da gibt es leider wenig Fotos, denn im Gegensatz zu meinem ersten Besuch ist das Fotographieren in Innenräumen untersagt) ein wenig Geschichte. Ein Junge wird geboren und kurz nach seiner Geburt stirbt die Mutter. Sein Vater heiratet wieder, aber der Junge kann mit seiner Stiefmutter nicht klarkommen. Er rennt daher mit 7 Jahren von zuhause weg und wohnt bei einem Priester. Der hat ein kleines Hobby: Er braut Whiskey. Der kleine Jack, so heißt der Junge, lernt von dem Priester die Whiskeymacherei. Die Gemeinde des Priesters ist aber über das Hobby des Priesters nicht erbaut, vorallem weil er das Zeug mit Hilfe des kleinen Jack auch verkauft. Wie klein Jack 13 ist, verkauft der Priester seine Destille, seine Anhänger wollen ihm nicht beides erlauben. Jack braut jede Menge Whiskey und karrt den mit seinem Cousin in den Süden. Dort verkaufen Sie den Whiskey an Bürgerkriegssoldaten. Er mußte daher seine Destillerie vergrößern, der Bedarf stieg deutlich. Er zog daher an den immer noch gleichen Ort Lynchburg, denn dort gibt es eine Höhle mit einer Quelle, die besonders geeignetes Wasser kontinuierlich hergibt. Zur gleichen Zeit begann der Staat Steuern für das Alkoholbrennen einzuheben. Jack nahm das in Kauf und registrierte seine Destillerie als erste der USA 1866.

Mit 21 machte er einen Mann aus sich: Er kleidete sich elegant und trat ab dem Zeitpunkt nur noch so auf. Er wollte wohl so seine Jugend verstecken (kommt in dem Geschäft nicht so gut) und ganz nebenbei, groß war er ja auch nicht: gerade mal gute 1.50m.

Historische Fotografie eines stehenden Herren im dunklen Anzug mit markantem Schnauzbart und Mascherl vor einem gemalten Studiohintergrund, seine linke Hand ruht auf einem kleinen Tisch

In den 1880er Jahren war seine Destillerie eine der größten Tennessees. Sie hätte schon die größte sein können, er wollte aber unter der Steuergrenze von 100 Bushel Mais pro Tag bleiben. Erst mit der Übernahme des Betriebes durch seinen Neffen wurde die Destillerie zur größten Whiskey-Firma der Welt.

Ok, soviel zur nackten Geschichte, gehen wir auf die Tour:

Wer viel Holzkohle braucht, macht sie am besten selbst. Man nehme Sugar Maple als Holz, mache Stangen daraus und verbrenne diese. Mit dem Schlauch sprühe man hinein, bis nette Kohle entsteht (links die Holzstapel, rechts die simplen Brennplätze):

Ein hölzerner Unterstand mit dunklem Satteldach beherbergt zahlreiche gestapelte Holzkistln, flankiert von einem bewaldeten Hang im Hintergrund Rostbraune Industrieanlage mit markantem Kamin, Blechrohren und massivem Holzstapel auf dem befestigten Vorplatz vor dichter Bewaldung im Hintergrund

Wo viel Feuer da auch eine Feuerwehr. Hier die alten Autos:

Unter einem offenen Holzschuppen mit massiven Stehern stehen zwei historische rote Feuerwehrautos auf feinem Schotter, während im Hintergrund lichter Wald und ein weiterer Unterstand zu sehen sind

Vor der heiligen Höhle mit dem Wasser steht die Statue des Jacks. Etwas größer als wirklich, aber wer macht sich nicht größer, wenn er so klein ist:

Die bronzene Skulptur von Garnet Carter steht auf einer Steinplatte vor einer Felswand, wobei der rechte Fuß auf einem kleinen Fass ruht und die linke Hand in die Hüfte gestützt ist

Und hier die Höhle selbst:

Ein unterirdischer Quellteich mit klarem, flachem Wasser liegt in einer niedrigen Felsgrotte aus geschichteten Gesteinsschichten, in die ein kleines Rinnsal aus der dunklen Tiefe mündet

Von den alten Gebäuden ist nur das Büro übrig. Da wird auch die Geschichte erzählt, wie einem Dummheit das Leben kosten kann. Jack kam als erster ins Büro und wollte den Tresor aufmachen. Irgendwie hat er das nicht geschafft (vielleicht ein wenig zu viel vom eigenen Whiskey?) und er wurde wütend. Also hat er gegen den Tresor getreten. Im Prinzip ganz dumm, wenn man sieht wie massiv das Ding ist:

Ein historischer Raum mit dunklen Holzwänden und Dielenböden zeigt mittig einen gusseisernen Ofen mit Rauchfang, daneben einen hellen Kaminmantel, einen antiken Schreibtisch samt Sessel und gerahmte Porträts an den Wänden Ein schwerer, patinierter Kassafisch in Schwarz steht auf dem gedielten Boden vor einer holzgetäfelten Wand; darüber hängen ein gerahmtes Dokument und ein historisches Gruppenbild unter einer Messinglampe

Jedenfalls hat er sich die Zehe zertrümmert, aber nichts weiter unternommen. Die Zehe hat das gar übel genommen und so kam eine Blutvergiftung raus. Sie haben ihm dann – viel später – die Zehe amputiert, dann den Fuß und zuletzt das ganze Bein. Hat alles nichts geholfen, er starb an der zertrümmerten Zehe. Zurückgelassen hat er seine Destillerie und seinen Lebensspruch:

Eine rechteckige weiße Holztafel an einer braunen Holzvertäfelung trägt in großen, schwarzen serifenbetonten Großbuchstaben die Aufschrift: „EVERY DAY WE MAKE IT, WE'LL MAKE IT THE BEST WE CAN“

Dann geht man in die verschiedenen Häuser, wo man die Destillen, Meischenbehälter, Kohlefilter, Faßlager und Abfüllanlagen sieht. Davon habe ich leider keine Fotos, sie passen gut auf (warum auch immer). Hier das Destillenhaus:

Das historische Industriekomplex mit dunkler Wellblechfassade, weißen Silos und roten Ziegelbauten steht an einer asphaltierten Straße und grenzt an eine grüne Wiese mit reichem Baumbestand unter einem blauen Himmel

Sie sind übrigens stolz darauf, nur hier eine Fabrik zu haben. Jeder Jack Daniels kommt aus diesem Gebäude. Sie erklären z.B. daß sie die Fässer auf verschiedene Lagerhäuser verteilen, denn sonst könnte ein Feuer die Produktion auf Jahre unterbrechen. Sie erklären auch die Probleme mit dem County, denn das County verbietet den Verkauf von Alkohol gänzlich. Seit der Prohibition hat sich das nicht verändert. Der damalige Besitzer hatte viel zu tun und benötigte einen langen Atem. Denn auch nach der Aufhebung der Prohibition blieb das County stur und verbat die Herstellung von Alkohol. Erst 29 Jahre nach Beginn der Prohibition konnte ein Gesetz errungen werden, daß die Herstellung von Alkohol erlaubt. Bis heute ist der Verkauf verboten. Da gibt es nur eine Umgehung in einem Shop: Man verkauft Erinnerungsflaschen, wo halt zufällig Jack Daniels drinnen ist. Der Shop hat aber Sonntags geschlossen (verlangt das Gesetz).

Der Guide hat seine Sprüche runtergesprochen. nett war der eine bei der Riechprobe: Bei den Kohlefiltern darf man am Whiskey schnüffeln. Das dürfen sogar Kinder (denn T-Shirts mit dem Jack Daniels Logo dürfen erst 21jährige kaufen!). Er fragt dann immer ob es gut riecht (und wehe dem der nein sagt). Ein Kind soll geantwortet haben: ‘Nein riecht vertraut. Riecht wie Oma.’

Beim Aussteigen aus dem Bus hat er gemeint, man soll aufpassen, denn es wäre peinlich aus einem Bus zu fallen, wenn man in einem ‘dry county’ ist.

Die Mische wird nach dem destillieren nicht weggeworfen sondern als Kuhfutter verkauft. Er meint so sind das happy cows und sie wären gut zu essen, denn sie werden schon bei Lebzeiten von innen mit Whiskey gebeizt.

Ach ja Fässer: Sie sind so von der Wichtigkeit der Fässer überzeugt, daß sie die selbst herstellen. 200 schafft ein Mann pro Tag. Die Fässer werden innen angebrannt, damit sie einen besseren Geschmack verbreiten. Nach der Lagerung verkaufen sie die Fässer an Tabasco, verwerten sie irgendwie oder aber – so der böse Seitenhieb – die Fässer gehen nach Schottland, wo sie das Europäische Zeugs aus den gebrauchten Fässern machen.

Noch einmal zurück in die Geschichte: So richtig bekannt wurde Jack Daniels 1904 bei der Weltausstellung in St. Louis. Dort wurde der weltbeste Whiskey gekürt. Der damals kleine Jack fuhr mit der Eisenbahn hin und machte auch mit. Unter 20 Sorten wurde völlig überraschend Jack Daniels zum besten Whiskey gekürt. Damit begann der Aufstieg.

Und noch zu einem Geheimnis: Warum heißt die Marke old No 7? Genau weiß es keiner. Es könnte was mit den Frauengeschichten des Jack zu tun haben. Die angeblich glaubhafteste Version ist: 7 Fässer verschwanden. Man suchte sie und keiner fand sie. Erst nach Jahren kamen sie in einem Lager zum Vorschein. Jack schrieb einfach old 7 drauf, weil es die 7 verlorenen waren. Die Fässer wurden ausgeliefert und schmeckten besonders gut. Daher bestellten die Leute old 7…

Im Endschauraum darf man dann wieder Fotos machen. Also habe ich ein paar teure Flaschen fotographiert. Man kann btw auch ein ganzes Faß kaufen. Wenn man das tut bekommt man eine Palette mit den aus dem einen Faß gezogenen Flaschen und dem Faß mit Plakette. Je nach Faß kostet das zwischen 9 und 15 tausend Dollar. Auf einer Ehrenwand wird man dann vermerkt. Wer das braucht…

Mehrere bernsteingelbe Jack-Daniel’s-Tennessee-Honey-Flaschen in verschiedenen Größen stehen im Kreis auf einer dunklen Anrichte vor einer hellen Glasfront Drei kantige Flaschen Jack Daniel's Single Barrel stehen auf einem dunklen Sockel in einem Geschäft, im Hintergrund sind Regale und eine Person erkennbar Verschiedene Flaschen des bernsteinfarbenen Tennessee Whiskey von Jack Daniel’s, darunter große Flaschen und kleine Miniaturen, stehen auf einem dunklen Podest in einem Gastraum Mehrere Jack-Daniel’s-Flaschen stehen auf einem dunklen Tisch, wobei die vorderen Flaschen mit markantem Etikett und glänzender Oberfläche im Scheinwerferlicht glänzen

Sie sind auch stolz darauf, daß eine weltführende Firma immer noch in einem Dorf ist, das gerade einmal eine Ampel hat. Die Ampel ‘trennt’ die Hauptstraße von der winzigen Straße zum Hauptplatz. Dort findet man so eine Art Rathaus und den offiziellen Store mit Jack Daniels Produkten:

Das historische Backsteingebäude mit rotem Ziegelmauerwerk und weiß abgesetzten Kastenfenstern besitzt einen zentralen Uhrturm mit Rauchfang, vor dem geparkte Motorräder und Autos auf dem Asphalt stehen Das historische Ortszentrum von Lynchburg in Tennessee zeigt die rotbraunen Ziegelfassaden der alten Geschäfte mit weißen Sprossenfenstern, eine aufgemalte Jack-Daniel’s-Reklame, geparkte PKW vor dem Gehsteig und eine braune Vorrangtafel

Im Store verlangen sie völlig überzogene Preise  für T-Shirts ($35!!!). Man kann aber auch Produkte aus den Fässern kaufen. Z.B. Holzschnippsel zum Grillen oder so ein Schaukelstuhl für schlappe $209! Ich will nicht wissen, was der Schachspieler kostet:

Zwei braune Schauesselnd aus dunklem Daubenholz stehen auf dem grauen Gehsteig vor einer Schaufensterfront mit roten Ziegeln und Holzfässern Eine lebensgroße Bronzefigur eines Mannes mit Hut sitzt auf einer Holzstiege vor einer Schaufensterauslage, gestützt auf einen Baumstumpf als Tisch mit Damebrett, während ihm ein leerer Sessel gegenübersteht

Oder gebrauchte Holzkohle (nach 2-3 Monaten im Filterdienst müssen sie tauschen). Ein kleiner Sack nur $7. Ich bin frohen Mutes ohne etwas gekauft zu haben aus dem Geschäft gegangen und habe die letzten Meilen bis nach Chattanooga hinter mich gebracht. Das Wetter war einmal mehr strahlend sonnig (wenngleich auch durch die Kaltluft recht kühl).

Am nächsten Tag sollte es in das weltgrößte Süßwasseraquarium gehen.

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