Heute war es soweit, der so bekannte Henry Doorley Zoo war unser Ziel. Nicht viel zu fahren und schönes Wetter. Klingt nach einem coolen Tag.
Die Fahrt in den Zoo verlief genauso problemlos wie die Parkplatzsuche, das Wetter war zwar ein wenig wolkig aber sonnig und warm, was will man mehr? Also ab in den Zoo und da gleich in eine Hauptattraktion, das Wüstenhaus. Sieht von außen aus wie eine Marsstation.

Innen gibt es mehrere Bereiche, die alle sehr wüst hergerichtet sind. Scheinbar gibt es in dem Rund unbegrenzt Raum, denn in den ersten Bereichen ist kein Tier zu sehen.

Erst später werden erste Vögel sichtbar. Aber nicht freifliegend, was bei einer geschlossenen Kuppel zu erwarten wäre, sondern hinter Netzen und einem sehr beschränkten Raum.

Auch der Bereich der wüstenbewohnenden Bergrehe ist extrem klein. Mein Wohnzimmer ist sicher doppelt so groß. Ich hab es nicht ganz verstanden, denn Platz für leeren Sand hatten sie genug.

Die Meerkatzen werden nur zu zweit gehalten; in einem Bereich mit anderen Tieren, auf Beton ohne Grabmöglichkeiten. Das ist artgerecht?

Bei den Klippschliefern sieht es ähnlich traurig aus. Zwei Stück auf wenig Platz.

Schlangen werden traditionell auf engem Raum gehalten. Keine Ahnung ob es die stört.

Die Vögel habe ich in anderen Zoos schon in sehr großen Gehegen gesehen. Hier mal wieder nicht.

Die Halsbandpekaris haben wenigstens einen kleinen Auslauf. Sprinter werden sie da aber nicht werden. Die drei haben es aber auch eher auf gemütlich gemacht.

Der Roadrunner saß auf einem Ast (runnen wäre sich in dem Gehege nicht ausgegangen) und der Komodo Varan hatte es auch kuschlig.

So richtig traurig wurde das Kingdom of the Night. Die Grundidee gibt es in ein paar Zoos: Nachtaktive Tiere werden im Dunkeln gezeigt. Das ganze ist hier auch ur super gemacht, nur bin ich mir da bei vielen Tieren so garnicht sicher, ob die nur nachtaktiv sind. Z.B. Alligatoren? Bieber? Die Fossas gibt es in der Dunkelheit, aber später auch in der Sonne, die sie ziemlich genossen haben. Warum da also so viele Tiere nur in der ewigen Dunkelheit sitzen, weiß ich nicht.
Der Bären Canyon erinnert sehr an die alten Zeiten in Schönbrunn: kleine Betonbereiche mit ein oder zwei Tieren drinnen.

Ein kleiner Teich mit Bäumen wurde komplett mit einem Netz überspannt und man kann direkt über Boardwalks hinein. Das funktioniert in vielen anderen Zoos und wurde hier sehr großräumig umgesetzt. Die Artenvielfalt hält sich zwar in Grenzen, aber es sieht sehr schön aus.

Madagaskar muß wieder eine öde Gegend sein, denn der ganze Bereich ist indoor und zu 80% wieder sehr dunkel. Ringelschwanzlemuren wollen es auch nur sehr dunkel? Zumindest der hier steckt seinen Kopf in die Lampe, um es hell zu bekommen.

Diese Fossas haben Glück gehabt und können in Ruhe im Freien pennen. Mit Sonne und mit Schatten, mit einer leichten Briese um die Nase; keine Ahnung was die anderen angestellt haben, daß sie im Kingdom der Dunkelheit gelandet sind.

Wassertiere gibt es in dem Zoo außer im Aquarium nicht wirklich. Nur die kalifornischen Seelöwen sind zu finden. Die schwimmen rum und haben nur wenig Möglichkeit auf einem kleinen Felsen zu sitzen. Betrachtungsmöglichkeiten unter Wasser gibt es nicht. Man sieht also hie und da eine Flosse.

Und nun zum größten Problem. Sie haben in dem Zoo offenbar ihre Defizite erkannt und einen Masterplan erarbeitet. Das ist sehr löblich. Aber das ist nicht gut für Besucher. Sie bauen derzeit den halben Park um. Im Frühling eröffnet eine sehr große Afrikawelt, die dann alle nun garnicht mehr zu sehenden Tiere beherbergen soll. JETZT sieht man aber nur Bagger und hat viel Lärm. Und man sieht leere Gehege. Z.B. die 4 Rino-Gehege werden nur von 4 Rinos benutzt, in 2 Gehegen. Das steht aber nirgends. Man rennt den Hügel rauf und sieht leere Gehege. Wenig spannend.

Die Elephanten gehören zwar auch nach Afrika, da wissen sie aber noch garnicht wann sie mit den Arbeiten beginnen. Daher haben sie den einzigen überlebenden Elephanten nach Cleveland verfrachtet. Ohne Rückticket.
Ein weiteres Problem ist (neben der allgegenwärtigen Baustelle) die mangelnde Bepflanzung. Die meisten Zoos die ich kenne, bemühen sich unendlich um die Gründekoration. Darum sind auch viele Zoos gleichzeitig botanische Gärten. Dieser sicher nicht. Ausgenommen der Garten der Sinne. Da haben sie ein paar Blumen gefunden. Und Papageien und Kakadus auf so kleinen Einzelhaftplätzen, wie es eigentlich schon verboten ist.

Von den Lemuren haben sie drei Sorten. Der begehbare Lemurenkäfig hat aber nur am Wochenende offen. Daher nur ein Fernblick in die Tiefe. Auch das Gehege ist winzig und aus Beton.

Den Koiteich baggern sie gerade um. Also haben sie die Tiere in das Wasser rund um die Lemuren verfrachtet. Scheinbar bekommen sie aber zu wenig Luft, alle Kois hängen an der Wasseroberfläche und schnappen nach Luft.
Das Affenzentrum ist großflächig, aber sicher nicht modern. Wenigstens haben die Gorillas ein paar Quadratmeter Außengehege.

Bei den Katzen wird es wieder extrem traurig. Die können sich kaum in ihren Gehegen umdrehen. Auch hier steht ein Schild mit einem Masterplan, wo erklärt wird, daß die Katzen auf verschiedene Gebiete aufgeteilt werden sollen und z.B. der Tiger ein Gehege bekommt, daß größer ist als die gesamte aktuelle Katzenanlage. Nur da steht auch kein Datum und keine Details. Tafeln sind geduldig.

Das Schmetterlingshaus ist klein, aber das soll kein Problem sein. Ein Problem ist es aber schon, wenn es dort nur zwei Sorten Schmetterlinge gibt und davon sehr wenige.

Der zweite Teil des Hauses ist den Insekten im Allgemeinen gewidmet. Viele sehr kleine Käfige mit Käfern und Schaben und anderem Getier. Hier ist das Problem, daß viele Scheiben angelaufen sind und man nix gesehen hat.

Das Aquarium ist wiederum ganz anders. Viele nette Becken mit guter Beleuchtung. Jetzt nix Aufregendes oder Spezielles, i.A. bekannte Sachen, aber sehr gut gemacht. Nur das Eingangsbecken zeigt, daß sie an Platz gespart haben. Das Becken ist riesig in den Ausmaßen, aber gerade mal 30cm tief…

Die Pinguine bekommen Eis von der Decke, die Vögel mögen es wohl auch kalt.

Bis auf die manchmal wenig tiefen (nicht wie Wassertiefe, sondern wie tiefe eines Kastens) Becken, ist das Aquarium sehr hübsch gemacht. Das ist ein klarer Pluspunkt!

Sie machen sich auch die Mühe Wellen zu simulieren.

Tropisch ist wenig, aber es steht ja jedem Aquarium frei die Tierarten zu wählen.

Auch ein (relativ) großes Meeresbecken mit Tunnel fehlt nicht. Alle Achtung.

Eine überraschend große Quallenabteilung läßt schöne Fotos zu.

Drei riesige Murenen in einem Becken, kleiner als ihre Länge, ist wieder verdächtig.

In einem Becken der heimischen Tiere sieht man Welse aller Art, hier ein Panzerwels. Auch das sehr schön gemacht.

Das Aquarium sollte man definitiv am Ende sehen, das hebt den Eindruck sehr. Trotzdem ist der Zoo zu vergessen, bis die großen Bauarbeiten zu Ende sind, also laut Plan irgendwann im Frühjahr 2016. Wie es dann weitergeht ist spannend, denn einige Dinge wie das Elephantenzentrum haben kein Datum und die Umgestaltung der Katzen- und Bärenanlage (quasi die andere Hälfte) steht dann auch noch aus.
Vielleicht ist der Zoo wieder hübsch und nett, wenn man in 5 Jahren oder so wieder vorbeikommt. Vor Sommer nächsten Jahres würde ich ihn sogar dringend meiden.