Der heutige Liegeplatz ist Astrid’s absoluter Höhepunkt an allen Liegeplätzen und es wird nach ihrer Aussage sehr schwer den noch zu toppen. Auch in der Früh war es perfekt. Die restlichen Nebelschwaden zogen über die Bäume ab, die Wasserbecken dampften.

Pünktlich um 9 standen wir in Schleuse 11 und es zeigte sich pünktlich nur einer der Schleuser. Die anderen der Truppe kamen nach und nach hinzu. An dem Tag waren nur wir und ein Boot in der Gegenrichtung angesagt. Sehr ruhige Nebensaision. Im August hatten sie immerhin 15 Boote am Tag. Im Gegensatz zu letztem Jahr, da waren es noch an die 50. Und das war schon wegen COVID weniger als üblich.
Laut Karte sind in den nicht mehr genutzten Schleusenwärterhäuschen Künstler eingemietet. Das soll wohl auch Kunst sein. Mir ist nur aufgefallen, daß alles nach Ramsch aussieht und die Sessel genau neben den Pollern platziert sind, was das Werfen viel spannender macht.

Die letzten Schleusen der Treppe sind dann tatsächlich dicht an dicht und es ist eine klassische Treppe. Spannend sind die wasserfallartigen Überläufe, die einem kurz vor der Schleuse völlig wegtreiben. Nett ist die Geschichte einer Ente, die wir dort schlafend gefunden haben. Sie ist einer Entenzucht am Kanal ausgekommen. Weil aber die Flügel gestutzt sind, konnte sie nur wegschwimmen. Ein Schleusenwärter hat sie dann langsam raufgeschleust und hat sie nun bei seinem Haus. Alle anderen Schleusenwärter müssen nun aufpassen, daß die Ente nicht irrtümlich wieder weggeschleust wird. Sie lebt dort aber schon einige Jahre in Frieden.

Gleich nach der letzten Schleuse beginnt die Scheitelhaltung: Erst eingeschnitten, dann folgen drei Tunnel. Grüne Ampel und los ging es.

Der Einschnitt schaut schon aus, als würde da kein Boot durchpassen. Man fährt wie im Urwald und es ist bei dem Licht ur schön. Weniger toll wäre es wohl für einen Anfänger, der in Corbigny das Boot übernommen hat. Spätestens hier erschießt sich der Fahrer.

Der erste Tunnel ist nur gute 210m lang, quasi zum Üben.

Der nächste ist gute 260m lang und folgt direkt nach einem kurzen Einschnitt.

Den mikrigen Scheinwerfer merkt man erst beim letzten über 700m langen Tunnel. Im Tunnel ist es btw extrem frisch, Jacke dringend empfohlen.

Auf der anderen Seite kommt man zum See, der die Scheitelhaltung mit Wasser versorgt. Wir haben dort die Mittagspause von 11 bis 13 Uhr abgewartet. Die Gegend ist offensichtlich ein Naherholungsgebiet. Überall Campingplätze und es gibt einen kleinen Hafen für Segelboote am See (wir lagen im Kanalhafen).

Pünktlich um 13 Uhr sollten wir in der ersten Bergabschleuse sein, damit es sich mit was auch immer für die Schleusenfrau ausgeht. Keine Ahnung ob sonst die Suppe übergekocht wäre.

Der Kanal danach ist wieder anders: Wieder mehr Alleebäume und ein Treppelweg auf beiden Seiten.

Auf den umliegenden Hügeln sind kleine Dörfer auszumachen.

Dann haben wir die Schleusenwärterin gefunden, die ich bis jetzt für den Preis der zwar freundlichsten aber unfähigsten Schleusenwärter_in vorschlagen würde. Sie war mit 3 Booten völlig überfordert und hat dann zwischendurch vergessen die obere Schleuse zu schließen und hat sich ihre eigene untere Schleuse bis über die Kante überflutet. Das hat uns sicher eine gute halbe Stunde gekostet.

Wir haben auch zwei Boote vor uns gefunden, die auch keine Fahrspezialisten waren. Und statt Leinen werfen sind sie dauern ausgestiegen. Das hat echt gedauert, sodaß wir sie immer sehr bald eingeholt haben. Vorallem da Astrid in den energiesparenden Modus gewechselt ist,neben mir sitzen zu bleiben und nur ein Seil zu werfen (muß bergab reichen). Sie hat auch vorgeschlagen ich könnte das alleine machen und sie bewacht das Boot liegend vom Bug aus.

Als kleinen fahrerischen Aufmerksamkeitstest haben sie eine Schleuse mit einer Kanalbrücke (also man selbst ist auf der Brücke) und mit zwei Brücken danach verbunden.

Bei solchen Fotos und den nun folgenden muß ich Captain Princess als Co-Fotografin loben. Ich bin dann i.A. mit Lenken beschäftigt (ja, immer die Männer, die nicht multitasken können) und sie springt dann mit allem was Fotos schießen kann ein. Die Strecke hat in dem Abschnitt viele enge Kurven, die sehr hübsch sind.

In Châtillion-en-Bazois wird es ganz eng und kurvig und man soll Fotos vom dortigen Schlösschen machen.

In dem Dorf muß es auch Ostfriesen geben, denn sonst könnte ich mir das Tor nicht erklären.

Wir haben mal wieder eine Nacht in einem Hafen vermieden und sind gleich wieder in die Wildnis geflüchtet.

Beim Rausfahren mit dem üblichen ‘continue’ hat der Schleusenwärter noch was von einer Zeit gesagt. Wir haben dann bemerkt warum: Die nächste eingezeichnete Schleuse ist daueroffen und unbesetzt. Daher ist es schon ein längeres Stück zu fahren und wir kamen um 18:40 aus der letzten Schleuse: ungeahnt nah an der magischen völlig undurchbrechbaren 19 Uhr Grenze (Quasi die Lichtgeschwindigkeit der Schleusenwärter). Wir haben im darauf folgenden Abschnitt einen wirklich hübschen Liegeplatz gefunden und freuten uns über die Ruhe in der Pampas. Einziger Nachteil: dort gab es auch kaum Handyempfang. Aber wieder einen hübschen Sonnenuntergang.
