Heute hatten wir einen ganzen Tag bei strahlendem Sonnenschein um Saragossa zu genießen. Es wurde dann mehr als erwartet.
Angeblich sind es nur 4km ins Zentrum. Wenn man dann die Radroute fährt sind es schon fast 8km. Und wir kamen auf deutlich mehr. Der Tag fing aber gut an, wir haben uns auf die Roller geworfen und sind nahezu ohne Fehler bis zum Palast gekommen. Dazu muß man sagen, daß Saragossa wirklich tolle Radwege hat und auch wirklich viele mit den Leihfahrrädern und eigenen eScootern rumfahren. Da ist es wirklich ein tolles allgemeines Verkehrsmittel. Man braucht ein wenig Gewöhnung, weil Ampeln sind sehr optional und Radwege sind fast überall, man muß nur richtig schauen. Bei großen Straßen sind sie z.B. auf der Mittelspur. Der Krampf mit der Navigation hat aber schon beim Reinfahren begonnen. Google weiß von keinem einzigen Radweg, OSM kennt sie alle. Aber die Navigation bei OSM ist halt fragwürdig. Die letzte Straße mußten wir auf der Straße (ohne Radweg fahren), weil die Navigation keine 5m schieben wollte und daher lieber die ganze Straße ohne Radweg genommen hat als den riesigen Radweg und 5m am Gehweg schieben. Jedenfalls haben wir die beiden Roller angehängt und sind rein.
Der Palast verlangt überraschend moderate 7€ Eintritt, enthält dabei aber auch gleich eine Kunstausstellung. Aber alles ganz langsam, mal von außen.

Man geht auch durch eine Security-Schleuse, die ich aber verdächtige nicht eingeschaltet zu sein, weil ich einiges bei mir hatte, was eigentlich piepen müßte. Innen sieht man recht schnell, das ist doch arabisch. Und dabei war ich nicht so falsch. Der Palast heißt Palacio de la Aljafera, übersetzt Palast des Jafar. Genaugenommen hieß der gute Mann Abū Ǧaʿfar Aḥmad ibn Hūd al-Muqtadir. Er hat den alten Troubardurturm auf dem 9. Jhdt. zu seinem Sommerpalast 1065 erweitern lassen. Er war Maure und das war die nördliche Grenze des islamischen Reiches. 1118 wurde es christlich zurückerobert und seitdem war es der Königspalast Aragoniens, heute Parlament.

Im hinteren Teil (früher Kasernen) ist das Parlament untergebracht, die ehemaligen Prunkräume wurden restauriert und im oberen Teil ein Goya-Museum integriert. Neben den Alabaste-Steinzeugs sind auch die Decken echt detailliert gearbeitet.

Goya (auch hier ist der volle Name viel schlimmer: Francisco José de Goya y Lucientes) war in Saragossa ‘zur Schule’ gegangen, da er die Vergolderwerkstatt des Vaters nicht übernehmen konnte. Daher ist Saragossa sehr stolz auf Goya, auch wenn er fast alles in Madrid gemacht hat. Bekannt ist er z.B. daß er den ersten offiziellen Akt Spaniens gemalt hat. Damit das nicht jeder sieht, hat er ein Mädchen bekleidet und unbekleidet gemalt und die beiden Bilder waren mit Scharnieren verbunden, sodaß man schnell die unbekleidete durch die bekleidete verdecken konnte.

Ich frage mich immer wieder, wie hat man 1050 Mauern so gerade hochgezogen und Steine so genau behauen. Oder wie lange hat man für die Verzierungen gebraucht? Astrid meint, wenn die Hinrichtung bei Fehlern zu erwarten ist, sind Handwerker einfach motivierter.

Und damit war der Rundgang zu ende und wir schauten noch rundum, weil der Palast hat schon was.

Weiter ging es zur Basilika del Pilar. Und da hatten wir wieder Glück, denn am 12. Oktober feiert man hier Fiesta del Pilar. Man spendet Blumen für die heilige Jungfrau Maria. Und das nehmen sie hier echt ernst. Sie haben auch gerade erst die ganzen Absperrungen vom Platz geschafft. Auf dem Platz sind btw gleich drei Kirchen, aber die Basilica ist die echt große.

Die Blumen sind so zu einer Pyramide hochgestapelt, da die Blumen einen Mantel für die Statue darstellen sollen. Was es mit dem aus Maisscheiben gebauten Bild auf sich hat, habe ich noch nicht rausbekommen.

Im Inneren der Basilika gibt es neben dem überdachten Hauptaltar viele Nebenaltäre, wo während der Besuchszeiten die kleineren kirchlichen Veranstaltungen abgehalten werden.

Man sieht auch 3 Fliegerbomben, die im Bürgerkrieg zwar eingeschlagen haben, aber nicht explodiert sind. Das wird auf die Wirkung der heiligen Jungfrau zurückgeführt (und nicht der schlampigen Bauweise).

Saragossa war Austragungsort der Expo 2008. Dafür bekamen sie 1.5 Millarden Euro, 70% hat der spanische Staat bezahlt. Dafür haben sie den Flughafen ausgebaut, das Expo-Gelände gebaut und ein Straßenbahnnetz erbaut (das war nur leider erst nach der Expo fertig). Da die Expo das Thema Wasser hatte wurde auch das größte Flußaquarium Europas gebaut. Das wollten wir uns ansehen.
Aktuell ist aber genau das passiert, was mit so großen Bauprojekten auf der Wiese passiert. Es ist eigentlich alles tot. Die Brücke und die bauten sind schon fetzig modern, nur scheinbar will sie keiner nutzen.

Das Aquarium ist von außen winzig, da ist das Haus des Meeres riesig. Zur Sicherheit geben sie auch keine Pläne an die Öffentlichkeit und man liest nur, sie haben es seit der Expo deutlich reduziert. Also haben wir darauf verzichtet, denn sie wollen 20€ pro Person dafür. Es gibt auch keinen sichtbaren Außenbereich. Und so wie es aussieht, wären wir dort wohl auch alleine drinnen gewesen, weil weit und breit war da kein Mensch zu sehen. Wir haben noch die Statue El Almar del Ebro gefunden. Die ist gleich neben der damals irakischen Verbindungsbrücke, die heute ein Museum zur Fortbewegung beinhaltet. Ist aber auch meistens zu.

Damit waren wir mit den Sachen durch und wir haben uns auf den Heimweg gemacht. Das wurde aber spannender als erwartet, weil OSM angefangen hat zu spinnen. Es zeigte keinen sinnvollen Richtungspfeil (entweder hat er sich garnicht bewegt oder sich im Kreis gedreht wie eine Waschmaschine) und dann hat er vergessen sich upzudaten. Man fährt also und nach einigen hundert Metern meint OSM man steht unverändert am alten Standort. Und bei jedem Stehenbleiben hat er zur Sicherheit eine neue Route gerechnet. Das ging eine Weile gut, bis wir doch einmal auf die falsche Seite abgebogen sind und einen schönen Umweg gefahren sind. Das hat dazu geführt, daß Astrid die letzten Meter zum Campingplatz geschoben hat.
Das Wetter war aber trotzdem super, die Stadt ist interessant und das radwegnetz beeindruckend.
Und wohin geht es weiter? Wir haben mal wieder ein Wetterproblem, sodaß die Heimfahrt wohl spannend wird. Daher ziehen wir zur Wettersicherheit nach Madrid, weit weg von allen Meeren.