Moab

In Moab kann man sich nicht nur zwei Nationalparks ansehen, man kann auch viel Outdoor Action haben. Berühmt sind hier die ATV Touren. So eine Tour hat uns Hedwig zur Hochzeit geschenkt. Das war der größte Spaß EVER, DANKE! Und weil 4 Stunden mit dem ATV durch die Gegend düsen noch nicht genug sind, sind wir noch auf eine zweistündige Reittour gegangen. Das war ein Tag!

Auf, auf aus dem Bett hieß es schon recht früh, denn wir mußten rechtzeitig in der Stadt zum Einchecken für die ATVs sein. Das Geschäft hatten wir schon einen Tag zuvor gesehen, es war also auch nicht schwer zu finden. Wir parkten auf einem schattigen Platz (sowas gibt es sogar in Moab) und wir gingen ins Haus. Der der nette Typ schaute uns eher seltsam an, bat um die Bestätigungsemail und teilte uns schlußendlich mit, wir hätten wohl nicht bei ihm gebucht, daß müßte woanders sein. Das war blöd, denn die Uhr tickte. Na gut, wo kann denn noch auf der Hauptstraße so ein Geschäft mit gleichem Namen sein? Und tatsächlich, nur wenige hundert Meter in Richtung Dorfmitte war dann doch das richtige Geschäft. Noch eine kleinere Hütte und nur Sonnenparkplatz.

Das war aber nicht schlimm, denn dort mußte man nur den üblichen ‘na Du könntest schon auch sterben, bist aber selber Schuld Wisch’ unterschreiben, krallte sich zwei Helme und man sollte mit dem eigenen Auto ein ziemliches Stück außerhalb von Moab fahren. Die Beschreibung war sehr vage und ich hoffte, es gab da eh nur die eine Tankstelle, die ich beim Reinfahren ins Dorf gesehen hatte.

Tatsächlich, es gab nur die eine, richtige Tankstelle. Dort wartete schon unser Guide auf uns und fragte uns gleich, ob wir wirklich mit dem ATV fahren wollten. Oder doch lieber mit einem Razor. Nein, wir wollten schon mit dem ATV. Dann zeigte er uns ein ATV und wir wollten doch nicht mehr. Auch in Moab sind die ATVs so dumm, daß man sie über einen urstrengen Hebel mit dem Daumen steuert (das Gas). Wir erinnerten uns an Ägypten, wo wir nach nur 45 Minuten den Daumen nicht mehr halten konnten. 4 Stunden waren aussichtslos. Also sind wir auf Razors umgestiegen. Was ist ein Razor? Ein kleines 4radgetriebens Quad mit Überrollbügel, Lenkrad, Automatik und normalen Bremspedalen. Ihm war der Umstieg besonders deswegen wichtig, weil wir zwei mit einem zweisitzigen Polaris gemeinsam fahren sollten. Er wollte da eher flott fahren. Er war btw mit einem ATV unterwegs. Er ist aber ziemlich geübt.

Also ging es los, über Stock und Stein der Sandstraßen.

Alle Fotos von unterwegs hat völlig heroisch Astrid geschossen (sie hat im Fahren geschossen und gefilmt!), ich hatte die falsche Kamerawahl. Die 4-stündige Tour ist in zwei 2-stündige geteilt. Zunächst ging es den Berg hinauf und von dort ins Nichts. Das Ziel waren die Gemini Brigdes. Nach der ersten Fahrt über den Berg und ein nachfolgendes Tal kamen wir zum ersten Aussichtspunkt und der ersten Pause. Hässlich ist es dort sicher nicht.

Bei den Bildern darf man nicht vergessen, daß es zwar ein wenig wolkig war, aber die Temperaturen trotzdem über die 40°C Marke gestiegen waren. So viel konnte man garnicht trinken, wie man da rausschwitzt. Und wie wir die erste Pause hinter uns hatten (vorwiegend mit trinken verbringend), startet mein Razor nicht. Der Guide wollte schon losdüsen, da wachelte ich um Aufmerksamkeit zu bekommen. Mein Razor war echt tot. So wie kein Strom. Der Guide telephonierte (was für ein Wunder, daß er dort Empfang hatte) und sie sagten ihm, er solle halt die Starterkabel nehmen. Also zerlegte er zwei Razors, um an die Batterien zu kommen, schwang fürwahr fahrlässig die Starterkabel (den Kurzen hat er nur durch viel Glück vermieden) und mein Razor lief wieder. Er sagte noch, ich soll nicht vergessen beim Ausschalten die Scheinwerfer abzudrehen. Ausschalten???

Weiter ging es bis zu den Gemini Bridges. Die Zwillingsbrücken sind zwei echt geile Steinbrücken, die eben dicht nebeneinander stehen. Früher sind sie dort mit den Hummertouren gefahren (der Guide fährt auch Hummertouren), aber seitdem einer da den Abgang gemacht hat, dürfen sie das nicht mehr. Solche Spielverderber aber auch. Surprised smile

Er sitzt da so ganz locker über dem Abgrund. Wir stehen da (und wissen zum Glück nicht wie weit es da runter geht).

Weiter ging es über ziemlich steinige Wege, die von kurzen Sandstrecken unterbrochen wurden.

Wieder über den Berg und den Highway zum Ausgangsort zurück. Jetzt schon erheblich flotter, wir waren ja schon geübt.

Die zweite Runde geht gleich viel steiler und schroffer los. Aber auf auf, gasgeben hieß die Devise.

Der erste Stopp war der Alien Head. Dort hatten wir den nächsten Kabelstart, denn es war wie ich gesagt habe die Batterie, nicht der Scheinwerfer. Motor abstellen war gleich alles töten.

Jetzt konnte er es ja schon, die Handhabung der Starterkabel war aber trotzdem wagemutig.

Beim Tunnel lies ich dann das Ding rennen. Zerstört zwar etwas die Idylle der unberührten Natur, aber bevor wieder die Starterkabel rausgefischt werden mußten… Der Tunnel macht jedenfalls seinem Namen alle Ehre. Man geht wie bei Indiana Jones durch und findet sich in einer anderen Welt.

Danach begann der Fun-Part. Man düst mit Vollgas durch Sanddünen und hat das Gefühl auf einem Jetski dahinzufahren. Echt super! Ach ja, ein trockenes Flußbett ist auch noch auf der Strecke.

Die Rückfahrt war dann noch rasanter (zwei mal hätte es fast den Guide aufgelegt) und er war stolz auf uns: Trotz 2x Starterkabel waren wir nur 2 Minuten zu spät. Oder anders ausgedrückt, wir waren echt flott auf dem Heimweg!

Jetzt könnte man davon ausgehen, das hätte uns den Rest geben müssen. Aber nein, wir haben den Guide gefragt, ob es nicht noch andere Strecken geben würde. Und er meinte, ja im Prinzip schon, wir sollten in der Stadt fragen. Oder uns gleich zwei Razor mieten und auf eigene Faust rumdüsen. In der Stadt wollten sie von anderen Touren nichts wissen und mieten kann man nur die großen Polaris Zweisitzer mit more power. Und da wurden wir schwach: Die more power wollten wir ausprobieren. Gleich am nächsten Tag.

Warum erst am nächsten Tag? Weil wir für den Abend noch ein riesiges Highlight für Astrid geplant hatten, wo wir das Geschenk von Astrid’s Großmutter eingelöst haben: Eine Pferdewanderung durch die Wüste. Weil ich ein wenig geübter Reiter bin (um es mal geschönt auszudrücken) konnte Astrid nicht die Advanced Tour buchen, denn die kann man nur zu mehrt buchen. Astrid hat daher darauf bestanden, daß wir gemeinsam die einfache zweistündige Runde gehen sollten. Also ging es eine dreiviertel Stunde mit dem Auto entlang des Colorado Rivers zur Hauer Ranch. Ich wurde als halber Reitprofi verkauft und schon waren wir mit ein paar anderen (wo auch die Frau pferdebegeistert war und er dazu vergewaltigt wurde) auf den Pferden. Ich hatte einen für die USA seltenen Haflinger. Das war ein braves Pferd. Ich bin der Typ mit dem schicken weißen Hut.

Der Wrangler, so nennt man einen Reitführer, hatte seinen Hund mit dabei. Der rennt eher ungebunden mit und taucht dann Stunden später alleine auf der Ranch wieder auf. So ganz hat er das mit dem mitrennen noch nicht verstanden.

Die Runde war echt nicht langweilig. Durch Flüsse, über Hügel und zu hübschen Aussichtspunkten. Mein Pferd war recht brav, andere waren stur oder wollten unbedingt mit dem Vorder- oder Hinterpferd streiten. So kam ich auch zu meiner Rodeoeinlage, denn mein Pferd wurde von Astrid’s Pferd gepisakt. Daraufhin hat mein Pferd böse nach hinten getreten. Und ist dabei ziemlich gehüpft. Ich blieb brav oben. Yihaaa.

Die Fotos sind btw auch wieder alle von Astrid, denn sie meinte, ich wäre mit dem auf-das-Pferd-Konzentrieren schon genug gefordert. Ich durfte daher keine Kamera mitnehmen.

Zugegeben, Reiten ist ziemlich langsam gegenüber einem Razor, aber die Aussichten sind auch cool. Das gemeinsame Fotoshooting war dann noch ein wenig spannend, denn Astrid’s und mein Pferd waren zwar auf der Tour nach dem kleinen Intermezzo getrennt, aber sie sollten beim Foto nebeneinander stehen. Näher als bei dem Foto wurde es nicht, sonst wäre mein nächstes Rodeo losgegangen.

Bei Sonnenuntergang kamen wir zur Ranch zurück. Weil wir alle so brav geritten waren, sogar mit einem Umweg, weil wir sonst zu schnell gewesen wären. Und ich habe alles ohne Schaden überstanden, nicht einmal mein Hintern oder die Füße hatten was. So konnten wir voller Spannung den nächsten Tag kaum erwarten, wo es schon um 8 Uhr früh mit dem großen Ding auf unwegsame Straßen gehen sollte.

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