Der Tag begann wolkig, in der Nacht hatte es sogar gewittrig geregnet, trotzdem war es schwülwarm. Angeblich sollte das Wetter rumwolken, trotzdem sind wir zu Grant’s Farm gefahren, denn auf die haben wir ja quasi gewartet. Ist laut einigen Foren das Touristenziel von St. Louis, hat aber nur Freitag bis Sonntag geöffnet. Jetzt war es Freitag, also los!
Bei Walmart mußten wir noch Eis für den Kühler holen, bei den Temperaturen geht das weg wie nur was. Bereits da war es aber schon aufgelockert bewölkt. Vielleicht wurde es doch noch etwas mit Sonne auf Grant’s Farm?
Tatsächlich erreichten wir Grant’s Farm bei strahlendem Sonnenschein. Und da wurde es echt warm. Angeblich hatten wir gute 35°C, mir war jedenfalls warm genug. Vom Parkplatz kann man zu den Stallungen der Clydesdales, den Riesenpferden von Busch, gehen. Die Touren waren aber alle schon ausverkauft, obwohl sie $25 pro Person kosten. Also blieb uns nur die Runde zu Fuß. Ein paar wenige Pferde in der Box und eines weit entfernt auf einer Koppel. Ein weiteres war in einem Hütterl, wo man Fotos damit machen lassen konnte. Armes Pferd.

Die Koppeln waren sonst erstaunlich leer. Irgendwie sieht man da in der Brauerei mehr Clydesdales als auf der Farm.

Nach der eher schwachen Sache, weiter zu Grant’s Farm. Prinzipiell heißt das so, weil es vor Ewigkeiten einmal dem berühmten Ulysses Grant gehört hat, aber davon später mehr. Jetzt ist es ein kleiner Tierpark, den sich der Herr Busch hat bauen lassen. Er liebte das Leben am Land so sehr, daß er Grant’s Farm als Wohnsitz hatte, obwohl es damals eine Tagesreise zur Brauerei war. Heute ist es mehr ein Jahrmarkt mit ein paar Tieren. Dafür gratis, nur das Parken kostet $12.
Man wird mit einem Shuttle durch die weiten Flächen von Grant’s Farm gefahren. Da geht es einem als Bison oder Kuh sicher gut. Viel Platz und außer den komischen Trams keinen Ärger. Man sieht auch auf dem Grundstück das einzige Ding, daß ein US Präsident mit eigenen Händen gebaut hat und heute noch steht. Was das wohl über die Präsidenten aussagt? ![]()

Die schottischen Kühe nennen sie hier nur Oreo Kühe. Warum das bloß…

Gleich beim Eingang kann man Geld bei einem Karussell ausgeben. Wenn man mag.

Ziegenkitze kann man mit der Milchflasche füttern, ausgewachsene Ziegen mit Trockenfutter.

Kängurus und verletzte Weißkopfadler liegen/stehen dazwischen rum.

Da Mr. Busch Deutscher war, heißt das ganze immer noch ‘Tiergarten’ und der große Freßplatz ‘Bauernhof’. Genau so geschrieben. Offenbar haben sie mit Schlechtwetter gerechnet, denn die Plastikwände des Zeltes waren unten und sie banden gerade wieder alles rauf. Ich konnte mich über das warme sonnige Wetter freuen.

Die Eßstände darin bieten nicht besonderes. Sie sehen nur hübsch aus.

Wie bei den meisten Buschparks bekommt man gratis Bier. An einem Standl das neue Oktoberbier und im Bauernhof eine Auswahl aus 7 Bieren. Darunter die besseren Amber Bock und Stella Artois. Wenn ich nicht Autofahrer gewesen wäre, hätte man bei der Wärme genug trinken können. Alle anderen Getränke kosten dort nämlich einiges.
Im hinteren Bereich sind noch Boxen mit kleineren Pferden und Eseln. Die Armen. Man kann auch die Trophäen der damaligen Frau Busch bewundern.

Eine ganze Halle ist vollgestopft mit allem was man ziehen kann.

Lamas und Kamele stehen bereit zum Füttern. Die Automaten sind aber irgendwie lustig. Es steht drauf was das Futter kostet und gleich darunter, daß es schon sein kann, daß ein Kamel oder Lama beißt. Sind aber ganz süße Knuffels.

Ein Teich mit Vögeln schließt diese Seite des Tiergartens ab.

Sie haben auch mehrere Elephanten, die bei kleinen Shows auftreten. Sind aber mehr Ökoshows als echte Tiershows.

Einige Papageien sitzen auf den bekannten Pflöcken rum; wieder zu bedauern.

Und damit ist man im Prinzip durch. Es gibt noch eine andere Tiershow für Kinder, die einem aber auch nichts Spannendes verrät. Man kann jahrum am Bauernhof Bratwurst essen und gratis Bier dazu trinken. Quasi ein kleines Oktoberfest. Die Humptata-Musik spielt auch ständig aus den Lautsprechern (Rosamunde hatte ich zwei mal). Ist das das große Geheimnis der Anziehung? Mehr konnte ich nämlich nicht entdecken.
Nach der Fahrt mit der Tram zum Parkplatz, ging es noch schnell auf einen Besuch zur Ulysses Grant NHS, gleich gegenüber. Diese NHS beschäftigt sich mit den jungen Jahres des berühmten Generals und späteren Präsidenten. Der gute Mann ging auf die Militärakademie und wurde gleich danach nach St. Louis versetzt, nur 5mi entfernt von der NHS. Sein Zimmerkollege der Akademie sagte ihm, daß seine Eltern dort eine Farm hätten und er doch mal auf Besuch gehen soll. Gesagt getan. Und weil er dort irgendwie alleine war, kam er so ziemlich jedes Wochenende auf Besuch. So lernte er auch die älteste Tochter des Hauses kennen, mit der er zu turteln begann. Nach 4 Monaten turteln, wurde er zum mexikanischen Krieg abberufen. Wird schon nicht so lange dauern, dachte er. Aber oft kommt blöd, erst 2.5 Jahre später kam er wieder. Da heiratete er seine Liebe und hoffte in St. Louis bleiben zu dürfen. Nach dem ersten Kind wurde er aber wieder abberufen, dieses mal an die Westküste. Da seine Frau schwanger war und eine Reise quer über das Land nicht so harmlos war, sollte sie bei ihrem Vater wohnen bleiben und er ging alleine an die Westküste. Er hoffte nach ein paar Monaten zurückzukehren. Aber nix. Nach 4 Jahren, er hatte sein zweites Kind noch nie gesehen, stellte er die ultimative Bitte um Rückversetzung, aber auch die wurde abgelehnt. Also quittierte er den Dienst und kam als Zivilist nach St. Louis zurück, wo er 6 Jahre auf der Farm arbeitete. Dann erhielt die Farm ihr Leute nicht mehr (wieder ein Hinweis auf die Fähigkeiten eines Präsidenten?) und sie zogen nach Norden. Da kam dann der Bürgerkrieg dazwischen und er wurde berühmt.
So berühmt, daß er zum Präsidenten gewählt wurde. Bevor er das Amt antrat, machte er einige Monate Urlaub zuhause in St. Louis. Er orderte einige Verbesserungen an, darunter auch eine neue Farbe. White Haven wurde mit pariser Grün gestrichen. Angeblich damals sehr in, heute eher würg.

Nach seiner 2. Präsidentenperiode wurde er nicht mehr zur Wahl aufgestellt und er wollte sich wie geplant in St. Louis zur Ruhe setzen. Seine Kinder sind aber inzwischen nach New York gezogen und er wollte bei ihnen sein. So ging er nach New York und kehrte nicht mehr nach St. Louis zurück.
Das Haus kann man besichtigen und just wie ich drumrumlaufe, kommt ein Ranger mit ein paar Leuten und macht eine Führung. Also bin ich mitgelaufen. Das Haus ist leider leer, da die Sachen des Präsidenten in einem Schuppen gelagert wurden, der durch Blitzschlag abbrannte. So blieb nicht viel erhalten.

In der selbstgebauten Hütte (von Grant’s Farm) haben sie btw nur 1 Jahr gewohnt. Dann sind sie reumütig in das Haus der Schwiegereltern zurückgekehrt.
Nach diesen Besuchen blieb nur mehr die Fahrt in den Süden, um den langsam nachziehenden Wolken zu entkommen. Der Campingplatz liegt fern der Interstate an einem See. Sehr hübsch und endlich mal ruhig.

Am nächsten Tag sollte es weiter nach Süden gehen, um der Kaltfront zu entgehen. In Nashville wartete ein Automuseum mit ungewöhnlichen Autos.