Hausboot – Tag 3

Heute war das Wetter einfach nur genial, auch wenn Astrid schon gejammert hat. Laut Wetterbericht waren es 28°C und für mich könnte es jeden Tag so sein. Wird es aber wohl nicht. Jedenfalls hat der Tag wieder sehr neblig begonnen, aber das kennen wir ja nun schon.

Da die Liegestelle am anderen Ufer der Schleuse war, konnten wir noch in Ruhe Wasser nachfüllen und im nahen Supermarkt einkaufen und trotzdem pünktlich um 9 in der Schleuse stehen.

Der ganze Vormittag war ein ständiger Wechsel zwischen Yonne (dem Fluß) und dem Nivernais Kanal. Beschriftungen müssen hier sehr teuer sein, denn nicht einmal Untiefen oder Durchfahrtsverbote werden ausgeschildert, man kann ja in der Karte nachlesen. Auch spannend die Überläufe vom Kanal in den Fluß. Wirst es schon merken…

Das eine oder andere Haus am Ufer ist dann doch beeindruckend. Entweder weil es ein Chateau ist, weil es alt ist oder einfach nur seltsam.

Zu Mittag war es dann so warm, daß Astrid den Sonnenschirm in Betrieb nehmen wollte. Nur wie sollte das gehen? Wir haben nur den Schirmteil gefunden, die Stange war nicht aufzutreiben. Trotzdem ging der Schirm nicht in den Halter…. Des Rätsels Lösung: Offenbar haben wir deshalb einen neuen Schirm bekommen, weil ihnen der alte abgebrochen war. Und der Rest steckte noch im Tisch (Ständer). Astrid hat den Teil mit dem Kochlöffel rausgefieselt. Ich habe dann nach unserem Vorbild Velo-Crick-crack-ferme die Teile mit dem Hammer zusammengeschmiedet. Seit dem ging es halbwegs, aber trotzdem ist das Ding seeeehr niedrig.

Trotzdem war Astrid happy und hat den Rest der Mittagspause unter dem Schirm verbracht.

Ich hingegen habe den Roller gepackt und bin in das nächste Dorf gedüst, denn den Seitenkanal wollten wir uns nicht antun. Blöd war, daß zwar überall die Radwege asphaltiert sind,nur in dem Seitenarm nicht. Also bin ich mit dem Roller mutig über Schotter geslided. Bei der ersten Schleuse wollte ich aufgeben, aber da fand sich eine Straße auf die Hauptstraße, die ich dann bis zum Dorf genommen habe.

Das Dorf ist winzig und außer dem Campingplatz und der Kirche gibt es nur die sehr interessante Lage des Kanals zu sehen. Erinnert irgendwie an die U4 in Wien.

Franzosen fahren wie die Irren, Fahrräder und Fußgänger sind schlimmer. Da ist es auch kein Wunder, daß sie zu drastischen Maßnahmen bei Geschwindigkeitsbegrenzungen greifen.

Über die Landstraße und den asphaltierten Radweg zurück zum Boot, kam ich 5 Minuten vor der Schleusenöffnung (nach der Mittagspause) an.

Astrid beschwert sich, daß sie am Bug in den Schleusen keinen Wind abbekommt, während ich oben am Steurstand viel besser dran wäre. Also hat sie es mit Sonnenschirm probiert. Hat nicht jeder.

Wir haben auch eine Schleuse gefunden, die Astrid farbtechnisch designed haben könnte.

Die Nachmittagsstrecke war noch abwechslungsreicher. Das Stück kann ich daher wirklich jedem wärmsten empfehlen. Vom offenen Feld über den Fluß zum Naturschutzgebiet: alles dabei.

Die Treppelwege halten sie in dem Bereich mit Schafen von Unkraut frei. Ein Lamm war wohl zu wenig vorsichtig und wir haben es einige Meter später tot im Kanal treibend gefunden.

Wir waren fast den ganzen Tag alleine unterwegs,aber nach der Mittagspause haben wir ein Boot mit Deutschen gefunden. Noch Fahranfänger, sehr langsam (da konnte ich nur mehr auskuppeln) und mit einem stinkenden LeBoat unterwegs. Was für ein Glück, daß ein Stück Yonne breit genug war und wir mit Vollgas an ihnen vorbeigewetzt sind. Hier das Bootrennen.

Eine Schleuse später sind sie dann eh im Hafen liegen geblieben und wir waren sie auch hinter uns los. So konnten wir den wunderbaren Nachmittag völlig alleine genießen, die Schleusen warteten schon bei unserer Ankunft und die Wärter waren nett und haben gut weitergemacht. So kamen wir zu den angeblich so berühmten 50m hohen Felsen am Kanalrand.

Stoppen mußten wir an einer nicht eingezeichneten und nicht ausgeschilderten Engstelle, weil uns zwei Anfängerboote entgegenkamen und Bumper-Boat gespielt haben. Eines hat auch einen Fender hinterlassen. Wir kamen dann eh problemlos durch.

Gleich danach finden sich wieder Felsen und eine Art Naturschutzgebiet, wo sich die Vögel tummeln.

Englisch ist hier in Zentralfrankreich echt unbekannt. Lieber unser grausames Französisch und Hände und Füße als Englisch. Wie überrascht war Astrid, einen Schleusenwärter zu finden, der tatsächlich Englisch konnte. Damit war Astrid auch mutig genug auch einmal zu fragen, ob sie nicht Kurbeln könnte. Und natürlich konnte sie.

Die Strecke ist einfach nur toll, das Wetter war toll. Wir haben es genossen.

Kurz vor 19 Uhr haben wir uns einfach an das Ufer gelegt und haben den Tag mit super Essen ausklingen lassen. Es war btw die erste Nacht in freier Wildbahn!

Ab morgen sagt uns der Wetterbericht leider regnerisches Wetter voraus. Mal sehen wie sich das dann so anfühlt…

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