Hausboot – Tag 4

Frei nach Asterix bei den Briten: ‘Ist es immer so neblig?’ ‘Nein, nicht wenn es regnet!’ hatten wir heute keinen Morgennebel. In der Nacht ist wie vorhergesagt eine Gewitterfront drübergezogen und auch in der Früh hat es noch geregnet. Wir haben daher genug Zeit zum Ausschlafen gehabt und haben den vereinbarten 9 Uhr Schleusentermin nicht genützt.

Gegen 10:30 hat es dann aufgehört zu regnen und wir sind zur Schleuse getuckert, wo leider gerade zwei andere Boote vor uns raufgeschleust wurden. Also warten. Die Schleusenwärterin meinte, wir mögen es langsam angehen, die sind nicht so schnell. Also tuckerten wir sehr langsam und hatten Zeit die Chateaus zu genießen.

Da die Schleusenwärter hier auch seeehr langsam sind (Aussage der Vermietungsfrau: Nein hier sind alle Schleusen mit Wärter. Die sind noch langsamer als die Automatikschleusen.) kamen wir nicht allzuweit bis zur Mittagspause. Die war aber besonders spannend, denn der letzte Schleusenwärter meinte nur, die nächste Schleuse ist dann ferme (und er kreuzte die Arme). Ist ja ok, dachten wir, bis wir dort waren. Denn auf der gesamten Strecke gab es keinen Halteplatz. Astrid, äh Captain Princess, hat sich todesmutig ins Gestrüpp geworfen und wir rasteten unter einem Baum.

Aus dem Kauf des Frühstücksbaguettes wurde nix, weil wir ja nicht weg konnten. Also gab es Spiegelei mit Chorizo. Auch nicht schlecht. Wenigstens hat tatsächlich die Wolkendecke von nix auf gleich aufgehört und wir hatten den gesamten Nachmittag wieder 25°C mit Sonne; zugegeben diesige Sonne, aber wer wird sich da jetzt beschweren?

Den Nachmittag sind wir völlig alleine gefahren und die Schleusen haben schon auf uns gewartet. Das war wieder tolles Fahren. Nur das mit der Hilfe hält sich hier echt in Grenzen. Die Schleusen haben hier i.A. nur auf einer Seite Poller und die Wärter stehen zufälligerweise immer auf der anderen Seite. Also gut werfen ist angesagt.

Spannend sind auch die hier immer wieder auftauchenden Brücken. Stehenbleiben, Knopf auf der Straße drücken, durchfahren. Das folgende Foto ist nicht aus den Niederlanden, das ist Zentralfrankreich.

Weitere Felsen und Chateaus später kreuzt man die Yonne. Die Sperrschleuse wird dort von Ziegen bewacht!

Die Fahranweisung ist auch spannend: Fahren sie erst in die Yonne, wenn das Schleusentor geöffnet hat und fahren sie dann mit unverminderter Geschwindigkeit in die Schleuse.

Danach wird es bald noch wilder, denn Beschilderung ist hier quasi nicht da. Man kann also immer heiter suchen, wo und wie es weitergeht. Und hier ist es eine offene superschmale Schleuse im rechten Winkel zum Kanal. Die Schleuse geradeaus brauchen sie nicht mehr und ist immer zu. Heiteres Suchen!

Das Stück der Yonne ist aber besonders schön. Man glaubt durch unberührte Donauauen zu fahren.

Relativ plötzlich ändert sich das Bild und man ist in Clamecy, der ‘großen Stadt’ der Gegend. Ach ja, unsere letzte Tour in der Gegend 2007 haben wir auf der Clamecy gemacht. Das Boot ist uns gestern entgegengekommen! Läuft also immer noch.

Manual Update Task

Die Stadt ist aber irgendwie nicht so beeindruckend.

Spannend ist die Schleuse, die von einem Wärter gemanaged wird, der kein Wort an uns vergeudet hat und dort die Extraaufgabe hat, eine Fußgängerdrehbrücke mitzubedienen. Dafür scheint es nicht so toll mit dem mitdenken zu sein, denn auf der rechten Seite haben sie einen Zaun VOR die Poller gemacht und auf der linken wachsen die Büsche drüber. Sehr spannend damit dem Seil ohne Hilfe draufzutreffen.

Wir haben in Clemency im Hafen Halt gemacht, da wir im örtlichen Großsupermarkt Auchan shoppen wollten. Auch der Auchan kann es mit keinem am Canaux du Midi aufnehmen, hatte aber das meiste was wir wollten. Mit dem Roller waren es knappe 10 Minuten, zu Fuß will das keiner mehr rennen. Die mittelalterliche Innenstadt sieht wie der Rest der Stadt echt heruntergekommen aus.

Wir sind daher weitergetuckert und suchten den nächsten Liegeplatz mit Strom und Wasser, weil die Wettervorhersage für morgen viel Regen angesagt hat und wir nicht wissen, wie lange wir dort liegen bleiben müssen. Die Gegend ist aber wirklich hübsch. Überraschend ist, daß wir bisher noch keine Weinberge gesehen haben, nur Sonnenblumen und viiiiiele Kühe. Und die Bisamratte.

Der Liegeplatz ist ur hübsch, aber das Stromkastl ist völlig wegmontiert und das Wasser abgesperrt. Schaut derzeit irgendwie so aus, als würde keiner in sowas investieren wollen. Viele Geschäfte am Weg wurden geschlossen, viele Liegeplätze abgewertet. Im Plan sieht es böse durchgestrichen aus. Da geht es derzeit sehr bergab. Wir liegen jetzt also sehr ruhig und schauen mal, wie schlecht das Wetter morgen wirklich wird.

Die Yonne ist gleich hinter unserem Liegeplatz. Ist nur mehr ein winziger Fluß, mehr ein Bach. Aber immer noch sehr schön.

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