Heute war der angesagte Weltuntergang. In der Nacht hat es Hunde und Katzen geregnet und der Wind stürmte. In der Früh schüttete es immer noch beachtlich und erst gegen 10 gab es die ersten Pausen. Wir sind daher mit den Rollern für Baguette aufgebrochen. 5km zum Bäcker, der angeblich noch existierte und zurück. Da sind Roller notwendig, denn zu Fuß gehst Du das nicht mehr so gerne. Wir wir ankamen waren wir ein klitzekleinwenig enttäuscht. Ja, das Geschäft hatte noch offen. Im Angebot: 2 Artikel: Baguette und Croissants.

Astrid verließ das Geschäft mit 2 Baguettes und wir rollerten wieder zurück zum Boot. Wir fuhren da btw. die Hauptstraße. Das ist die Brücke der Hauptstraße. So viel zur Dimensionierung einer Hauptstraße.

Wir haben dann noch gefrühstückt und sind nach der Mittagspause losgefahren, da laut Wetterbericht die großen Regenwolken vorbeigezogen waren. Also ab in die Schleusen. Unser Ziel war die Station unserer Bootsvermietung, da wir dort gratis Strom und Wasser bekommen würden. Das war für einen Nachmittag aber eine beachtliche Strecke, also flott geschleust. Also habe auch ich zur Kurbel gegriffen, damit das schneller geht (ich bin der kleine rote Punkt an der Kurbel).

Die Schleusenwärter_innen waren auf der Strecke wieder freundlicher und sie haben es verstanden, daß man auf Touristen nicht in einem Schwall Französisch einredet, sondern die Frage, ob man noch die nächste Schleuse passieren will, auch verkürzen kann: Continue? Und die Antwort ist Oui. Geht in ein paar Sekunden und jeder ist glücklich.

Heute hatten wir garkeinen Kontakt mehr mit der Yonne, die inzwischen schon recht klein wurde. Dafür gab es um so mehr Brücken. Normale und Hebebrücken. Für den Fahrer auf jeden Fall Spaß beim Navigieren.

Die erste Doppelschleuse auf unserer diesjährigen Strecke. Auch hier ist der Sparstift gut zu erkennen. Die Seite des Schleusenwärters ist immer noch mechanisch zu bedienen (wie alle Schleusen am Kanal du Nivernais), die gegenüberliegende Seite wurde elektrifiziert und kann ferngesteuert werden. Dafür ist das Wärterhäuschen noch hübsch. Viele davor verfallen komplett und die Schleusenwärter_innen sitzen in einer kleinen Holzgartenhütte oder gar nur im Auto.

Immer wieder hat die Sonne durchgelugt. Und wie man weiß ist das gefährlich. Da wo sie Sonnenlöcher sind, ist auch der Regen. Also haben wir zwei Schleusen in sehr kräftigem Nieselregen verbracht und alles war gleich mal waschlnaß. Bei der nächsten Schleuse wurde es Astrid zu blöd und sie hat den Notregenschutz von Disney ausgepackt. Das hätte sie früher tun sollen, denn da kam dann voll die Sonne raus. Ohne Regen.

Seit dem Zeitpunkt war uns trotz der verbliebenen Wolken die Sonne hold. Damit war die besonders schöne Strecke zwischen den Bäumen noch viel ansprechender.

Danach kamen die Hebebrücken gleich in Serie. Jedes mal stehen bleiben, vor hatschen, den Knopf solange gedrückt halten, bis die Brücke genug offen ist, Schiff durchfahren lassen und wieder an Bord krabbeln. Den Anlegesteg haben sie meistens ganz nah an die Brücke gebaut, damit es mehr Spaß macht dort anzulegen, wenn man durch die Brücke kommt.

Zu dem Zeitpunkt ist uns klar geworden, daß sich die Locaboat-Station nicht ausgehen wird. Also wenigstens die vorherige Liegestelle mit Strom erreichen, denn dieses Jahr können wir die Roller nicht an Bord laden: Es gibt keinen integrierten 230V Inverter und der 12V Anschluß ist zu niedrig abgesichert, als daß der mitgebrachte Inverter funktionieren würde. Echt blöd!
Die mitfahrende Schleusenwärterin meinte, wenn wir das erreichen wollen, ist das für sie ok, aber dann müssen wir ‘vite vite’ fahren. An uns sollte es nicht liegen. Am Kanal sind 1700 Touren erlaubt (ungefähr 8km/h), wir haben den Motor mit 2900 ausgereizt. Ich bin nicht in die Schleusen ohne Propeller reingedriftet, ich bin mit ganz schön Gas reingefahren und habe drinnen eine Vollbremsung hingelegt. Die Schleusenwärterin hat auch g’scheit aufgekurbelt und wir waren echt super in der Zeit. Wir hatten noch über eine halbe Stunde vor der letzten Schleuse.

Und wie sie den Schleusenwärter der letzten Schleuse wieder anruft, daß wir nun im Anmarsch sind, meinte der offenbar, er ist schon zuhause und er macht das sicher nicht mehr. Über eine halbe Stunde vor der Schließzeit. Unserer Schleusenwärterin war es ur peinlich, aber sie konnte uns trotzdem nur eine schöne Nacht ohne Strom wünschen.
Zugegeben, wir liegen eh gerne im Grünen und nicht in einem Dorf, aber die Roller hätten es gebraucht (beide sind bei 30% Akku). Daher ist nun unser Plan die nächste Mittagspause in der Locaboat-Station zu verbringen und möglichst viel unsere Roller zu laden. Voll werden die aber nicht werden. Dafür liegen wir wirklich schön…
