Hausboot – Tag 12

Aber heute soll es wolkenlos strahlend sonnig werden. Heute ist der Tag der Tage. Ja, natürlich lag es an mir, daß ich das nicht gleich so auf Anhieb verstanden habe.

Dazu war es offenbar in der Nacht klar und entsprechend herbstlich kalt. Naß-Kalt. Egal, mal wieder Jacke und lange Hose an und los ging es zur vereinbarten Schleuse, die sich ja am Vortag nicht mehr ausgegangen ist. War nicht so einfach, denn vom Pömpel der automatischen Schleuse konnte man die Schleuse noch nicht sehen. Eh, egal, durfte ja nur eine Schleusenwärterin bedienen.

Drinnen haben wir dann noch mehr verstanden, warum sich das gestern innerhalb einer halben Stunde nicht ausgehen hätte können. Früher waren das einmal 3 Schleusen, das wurde bei den Modernisierungen zu einer 6m hohen Schleuse zusammengefaßt. Offenbar durfte die nicht schneller sein als die drei einzelnen. Daher braucht alleine das Schließen der Tore (vollautomatisch!!!) drei Minuten.

Egal, danach hat man bei normalem Tempo gute zwei Stunden keine Schleuse mehr. In der Zeit hat sich die Sonne tapfer durchgebissen und der Kanal wurde zu unserer Traumstrecke. Auf der bisherigen Fahrt hatten wir viele sehr schöne Streckenabschnitte, aber der Kanal ist schöner als andere. Ein versteckter Edelstein!

Astrid fand es ein wenig kühl. Daher hat sie sich ein wenig adjustiert.

Mit Sonne ist es einfach nur ur schön.

Nach den zwei Stunden kommt man zur höchsten Schleuse meiner Bootsgeschichte. 7.2m in einem Hub. Wenn man da anfährt fühlt man sich echt klein.

Das Zeugs in der Schleuse hat mich ein wenig verunsichert, aber es war nur Schaum vom plätschernden Wasser. In der Schleuse wird man schon vom Seil mit Haken der Schleusenwärterin erwartet, denn da wirft wohl keiner ein Seil rauf. Geplant sind einzelne Haken in der Wand, da haben sie noch keine Haltestangen erfunden. Die Schleusenwärterin kurbelt aber sowohl die Tore als auch die Ventile rein durch Frauenkraft!

Von oben hat man eine super Aussicht auf die nahen Häuser. Wie in einem Bergdorf.

Die weiteren Schleusen im Dorf gingen sich natürlich nicht mehr vor der Mittagspause aus, sodaß wir im Hafen anlegen mußten. Ein guter Zeitpunkt zum Landerkunden. Wir sind daher mit den Rollern zur nahen Loire gefahren und von da zum nahen Bi1, einem weiteren Auchan-Ableger.

Der Biertrinker wird hier absolut hoch gefeiert. Leffe, Affligem und sonstige Sorten mit den verschiedensten Variationen!

Zurück über die Loire an den Hafen und schon war es Zeit wieder loszufahren. Die nächste Schleuse war gleich am Hafenbecken dran.

Die Erbauer der Schleusen waren vielleicht technisch begabt, aber sie haben nicht so sehr an leichte Kanalschiffe gedacht. Genau vor den Schleusen strudelt es bisweilen so stark, daß man an Lenken kaum mehr denken braucht. Es gibt da auch nette Hinweisschilder, ‘Achtung Strudel’, aber was soll man dagegen machen? In der zweiten Schleuse hat die Schleusenwärterin besorgt geschaut, ich konnte es aber abfangen und bin kaum seitlich drangekommen. Das brachte ein Bravo! Da muß es wohl regelmäßig Dramen geben.

Nach der Dreierschleuse geht es wieder gute zwei Stunden ohne Schleusen dahin und die haben wir genossen. Astrid am Vordeck liegend, ich am Steuer.

Enge Waldstücke wechseln sich mit offeneren Teilen ab, wo man auf die Loire runterschauen kann. Da wurde es in der Sonne wieder so warm, daß es Sandalen, kurze Hose und ohne T-Shirt dahinging.

In jeder Kurve liegt das Licht anders, die Bäume sind abwechslungsreich und es macht einfach Spaß hier zu fahren.

Briennon ist das letzte Dörfl vor der großen Stadt Roanne, die wir nicht mehr erreichen wollten. Der Hafen ist nett, aber echt voll. Dafür haben sie ein kleines Museum in ein kleines Schiff gebaut und drumrum einen Minigolfplatz.

Wir sind noch durch die nächste Schleuse, mit einem zwar freundlichen Schleusenwärter, der aber von sich selbst behauptet, kein einziges Wort englisch zu sprechen. War sehr spannend. Er hat dann eine andere Schleusenwärterin angerufen, die er als Livetranslatorin genutzt hat. Kurz: Schleuse 1 ist defekt und man kommt nicht in die Stadt rein. Wollten wir eh nicht. Also sind wir noch durch Schleuse 3 durch und haben uns auf die Suche nach einem Liegeplatz gemacht. Das Chateau ist hübsch, aber auf der ganzen Strecke gibt es kein Ufer, das nicht völlig durch Gestrüpp zugewachsen ist. Also hat sich Jungle Queen Astrid bewährt und hat uns so festgemacht. Von der Seite kommt uns sicher keiner ausrauben.

Wir liegen daher auf unserem südlichsten (Wende)punkt wieder extrem romantisch.

Ich durfte heute ein Leffe Triple Blond testen. Sehr empfehlenswert!

Morgen geht es dann wieder durch den genialen Kanal zurück.

Kommentar hinterlassen