Unser Ziel war der Osteingang des Glacier NPs. Damit der Tag aber nicht zu einem Fahrtagverkommt, sind wir zur Grant-Kohrs Ranch NHS als Zwischenstopp gefahren.
Von unserem Campingplatz waren es nur 10mi in die Stadt Livingston, wo wir zum ersten mal auf der Tour einen Albertson gefunden haben. Also mal schnell Frühstück kaufen gegangen. Danach noch Tanken (auch Autos wollen gefüttert werden) und wieder festgestellt, europäische Kreditkarten gehen auf manchen Tankstellen einfach nicht. Dann bekommen halt andere mein Geld.

Von dort ging es auf der Interstate nach Westen und die Strecke ist absolut nicht hässlich. Es sind sogar richtige Bergstrecken dabei. In Bozeman mußten wir T-Shirts beim Walmart ‘nachtanken’, wir wollen auch dieses Jahr Wäschewaschen vermeiden. Und kurz danach ist uns der erste Safeway begegnet, der einen Starbucks enthalten hat. Nach langer Zeit also auch mal wieder teuren Kaffee, der in Montana überraschend günstig ist.

Gestärkt kamen wir zu Grant Kohrs Ranch. Eine Rangerin hat uns begrüßt und uns den Ablauf erklärt und auch die Führung im alten Haus eingeredet. Die ganze NHS zeigt eine alte Ranch aus dem 19. Jahrhundert und im Haus erfährt man über die Geschichte. Bevor die Führung losging hatten wir noch genug Zeit für eine kleine Runde.

Sehr ‘einladend’ ist die Aussage aus der damaligen Zeit, wie man mit native Americans und den nativen Büffeln umgehen sollte. So rein wirtschaftlich gesehen.

Das Haus war für damalige Verhältnisse riesig und wurde 1890 erweitert und umgebaut. Es war die Zentrale eines Ranch Imperiums.

Man sieht auch die alten Kutschen, die Quartiere der Cowboys und die anderen Gebäude.

Nun aber zur Geschichte der Ranch. Ein Kanadier ist in die Gegend eingewandert und hat Handel mit den native Americans getrieben. Das Tal war ideal, da viele Tribes durchzogen und es daher regen Austausch gab. Der Kanadier hatte absolut keine Probleme mit den Natives und lebte mit ihnen auch nach deren Prinzipien. Es gab aber zu wenig zum Handeln um davon leben zu können. Es zeigte sich aber, daß das Tal einige Vorzüge hatte: Ein Berg hat den Schnee im Winter abgehalten und das Gras war besonders nahrhaft. Wie Cowboys aufkamen und Rinder auch in den Norden getrieben wurden, hat unser Kanadier ein gutes Geschäft entdeckt: Die hier ankommenden Kühe waren vom langen Viehtrieb abgemagert und in weniger gutem Zustand. Er bot den Leuten an, wenn sie ihm 2 ‘schlechte’ Kühe geben, tauscht er gegen eine fette gute Kuh ein. Die abgemagerten Kühe ließ er ein Jahr bei sich auffetten und weiter ging der Tausch. Der gute Kanadier hat auch weiterhin mit den Natives gehandelt und verstand sich so gut, daß er zur Stärkung der Bindung entsprechend geheiratet hat. Halt 8x gleichzeitig. Das führte zu entsprechendem Kindersegen. Aber, er war ein guter Mensch, er nahm auch Waisen auf, sodaß der Höchststand in dem Haus 31 Kinder waren.
Zum Zeitpunkt des Goldrausches kamen auch Siedler an und die waren keine Fans von native Americans. Damit wurde auch er und seine Patchworkfamilie wenig freundlich behandelt. Zudem begannen die Siedler ein US Government aufzubauen, französisch Sprechende wurden ausgetrickst. Daher schloß sich unser Kanadier seinen Landsleuten an und ging wieder nach Kanada zurück. Die bereits große Ranch mit vielen tausend Kühen verkaufte er einem Bekannten für $19200. Der Bekannte war ein Schlachter, der seine Kühe bisher verwertet hat. Der Kanadier verließ die Ranch mit seiner 200 köpfigen Familie, seine erste Frau ist jedoch kurz vor der Abreise verstorben.
Der Schlachter war geborener Deutscher, der mit 15 ausgewandert ist. Er war ein guter Geschäftsmann und hat die Ranch auf neue Beine gestellt. Er hat eine weitere Deutsche aus dem Bekanntenkreis geheiratet (sie war 19, er 32). Sie war mit 19 schon extrem alt und da sie gute 2m groß war, galt sie als unverheiratbar. Er war btw noch ein Stück größer als sie und daher waren sie für die typischen Amerikaner, die damals um die 1.50 waren, Riesen. Die gute Frau war recht fleissig, hat das Haus geschupft und hat nebenbei 3 Kinder zur Welt gebracht. Sie war eine strenge Frau. So hat sie z.B. vorgeschrieben, daß alle Cowboys mindestens 1x pro Woche duschen mußten.

Das Haus wurde auch entsprechend modern eingerichtet. Das Haus wurde z.B. auch 4 Jahre bevor es Strom in der Gegend gab elektrifiziert und war damit noch vor dem Weißen Haus elektrisch. Es gab auch ein Innenklo mit Wasserspülung und eine Badewanne mit fließend Heiß- und Kaltwasser. Alles Dinge, die ihrer Zeit extrem voraus waren.
Die Ranch konnte aber nicht vererbt werden, weil der einzige Sohn mit 19 an einer Blinddarmentzündung starb. Ihr Enkel jedoch kehrte nach der Ausbildung zurück und übernahm einen Großteil der Ranch. Der hat in den 70er Jahren die Ranch an das National Park Service verkauft. Im Haus ist noch alles Original, selbst die gestickten Sachen sind noch von der Frau. Sie starb btw erst mit 94 als extrem reiche Frau.
Sie liebte auch Blumen und hatte einen eigenen Blumengarten und im ausgebauten Haus einen Wintergarten. Der Garten ist historisch. Daher hat das NHS eine Vollzeitgärtnerin zur Erhaltung.

Genauso zeigt eine Rangerin, wie früher der Schmied auf der Ranch seine Sachen machte.

Nach der Führung war es Zeit zum nächsten NP zu fahren. Mein TomTom hat gleich eine Abkürzung gefunden, die sehr nett war. Nur der Asphalt hat halt auf der Straße gefehlt.

Glacier NP liegt an der kanadischen Grenze. Der Weg dorthin führt zunächst durch den Helena NF und da ist es hübsch.

Danach wird es jedoch völlig öde. Kein Baum, kein Busch. Nur trockenes Grasland. Hügel rauf und wieder runter. Das geht seeeehr lange so.

Erst kurz vor dem Nationalpark wird es wieder bergig und bewaldet. Aber dann ist man eh schon am Ziel. Der Glacier NP war für den nächsten Tag geplant.